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Serie Die Ausbildungsinitiative Kreis Wesel - Präsentiert Von Altana (folge 12)
Ein Italiener macht in Dingden sein Glück

Wesel. Mit abH, den ausbildungsbegleitenden Hilfen, verbessern sich die Noten von Mirko Ludovico in der Berufsschule enorm. Von Fritz Schubert

KREIS WESEL Eine erfolgreiche Ausbildung hängt von vielen Faktoren ab. Wenn der Lehrling Leidenschaft an den Tag legt, ist schon viel gewonnen. Stimmt die Chemie im Betrieb, geht es erst recht voran. Und wenn neben den praktischen auch noch die theoretischen Anforderungen gemeistert werden, stehen alle Signale Grün. Letzteres klappt nicht immer, kann aber leicht geschafft werden, wenn früh die richtigen Weichen gestellt werden. Die ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH) sind so ein Werkzeug, das sich bestens bewährt hat. Mirko Ludovico ist ein Paradebeispiel dafür. Der 25-jährige Italiener brachte denkbar schlechte Voraussetzungen mit nach Deutschland, beißt sich aber mit Willen und Freude durch. Seit er mit abH durch die Agentur für Arbeit Wesel und das Jobcenter mit dem Bildungsträger Diakoniewerk Duisburg in Dinslakener Räumen des Diakonievereins individuelle Nachhilfe bekommt, hat sich sein Notendurchschnitt am Berufskolleg auf beachtliche 2,7 verbessert.

Mirko Ludovico ist ein ebenso ruhiger wie freundlicher junger Mann. Er spricht langsam, aber gewählt. Sein Deutsch macht permanent Fortschritte. Gemessen an der Vorgeschichte ist das bemerkenswert. Denn außer etwas Schulenglisch brachte er keine Fremdsprachenkenntnisse mit, als er zu Karneval 2015 nach Deutschland kam. Er stammt auch Aquaviva delle Fonti bei Bari in Apulien. Im armen Süden Italiens hatte er kaum Aussichten auf eine Arbeitsstelle. Auch ist eine Lehre dort bei weitem nicht mit den Perspektiven zu vergleichen, die das duale System in Deutschland bietet. Aber Mirko hat daheim einen guten Freund, dessen Cousin, Giuliano Dattaro, in Hamminkeln lebt. So kam der Kontakt zustande, die Familie holte Mirko Ludovico zu sich. An der herzlichen Aufnahme beteiligten sich Freunde der Dattaros. Parallel lernte Mirko in einem viermonatigen Sprachkurs an der Dingdener Akademie Klausenhof Deutschlernende aus aller Welt kennen und kickte alsbald im Mittelfeld beim SV Ringenberg II.

Schon im August 2015 öffnete sich für den Italiener auch die Tür zum Einstieg ins Berufsleben. Bei der Bruns GmbH (Heizung-Klima-Sanitär) in Dingden wird er jetzt Anlagenmechaniker. Von vielen anderen Betrieben, bei denen er sich beworben hatte, hatte er nur Absagen bekommen oder gar nichts gehört. Bruns aber hatte ihn zum Gespräch eingeladen und dann Probearbeit machen lassen. In der Nachbarschaft der Firma bezog er im Dezember eine eigene Wohnung. "Bruns war ein Riesenglück für ihn", sagt Giuliano Dattaro, der mit Mirko auch im Schützenverein Dingden-Berg ist. Beim jüngsten Fest registrierte er verdutzt, "dass halb Berg Mirko schon kannte und grüßte".

Die warmherzige ländliche Integration hat Mirko übrigens auch überrascht. "Ich hatte gehört, in Deutschland wären die Leute so kalt", sagt er. An seinem Deutsch, besonders an den wichtigen Fachbegriffen feilt in den Dinslakener abH-Stunden Sebastian Gantz. "Er ist absolut fit darin", lobt Johannes Tatarczyk von der Jugendberufshilfe des Diakoniewerks den Stützlehrer, der selbst Elektrotechniker mit Fachexamen ist. Silvia Worring vom Jobcenter macht darauf aufmerksam, dass es noch freie abH-Plätze gibt und die Teilnahme für die jungen Leute kostenlos ist. Übrigens können auch Suchende, die gerade eine Einstiegsqualifizierung (EQ) durchlaufen, zusätzlich schon von abH profitieren. Sozialpädagogische Betreuung inklusive.

Bei schulischen Schwächen früh abH in Anspruch zu nehmen, ist grundsätzlich wichtig. In immer mehr Ausbildungen ist die Zwischenprüfung von einer Teilprüfung abgelöst worden, die unmittelbar ins Endergebnis einfließt.

Quelle: RP
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