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Rp-Reportage
Ein "Kumpel", der Klartext spricht

Rp-Reportage: Ein "Kumpel", der Klartext spricht
Die Mitglieder des Schalke-Fanclubs Blau-Weiß Niederrhein hießen Ingo Anderbrügge (2.v.r.) mit den Farben ihres Vereins in Drevenack willkommen. FOTO: Büttner
Wesel. "Eurofighter" Ingo Anderbrügge war zum zehnjährigen Bestehen des Schalke-Fanclubs Blau-Weiß Niederrhein in Drevenack zu Gast. Bei seinem Besuch redete der ehemalige Fußballprofi über den Sport als Job, seine Karriere und den Verein. Von Florian Langhoff

Hünxe Unter einem Pavillon haben sich die Mitglieder des FC Schalke 04-Fanclubs Blau-Weiß Niederrhein vor der Gaststätte Alt-Peddenberg in Drevenack versammelt und warten auf einen ganz besonderen Gast zum zehnjährigen Bestehen ihres Clubs: Ingo Anderbrügge. Von 1988 bis 1999 lief er für Schalke auf, erlebte den Beinahe-Abstieg in die dritte Liga, den Wiederaufstieg in die Erste Fußball-Bundesliga und schließlich, 1997, den Gewinn des Uefa-Pokals. Mittlerweile ist er als Repräsentant des Revierclubs unterwegs - auch nach Drevenack.

Der Empfang für den ehemaligen Profi-Fußballer ist herzlich, und Anderbrügge stellt sich erstmal für eine kleine Fragerunde mit dem Vereinsvorsitzenden Wilhelm Brücker ans Mikrofon.

Einige der jüngeren Gäste möchten wissen, wie man Profifußballer wird. "Trainiert nicht nur ein- oder zweimal die Woche im Verein, sondern nutzt jede Gelegenheit, um vor den Ball zu treten", beantwortet der "Eurofighter" die Frage. "Wer so einen Wunsch hat, der muss fleißig sein und viel Schweiß lassen. Aber wenn der unbedingte Wille da ist, kann man das schaffen und sich viel erarbeiten", erklärt er weiter. Eine Antwort, die wie maßgeschneidert für den Repräsentanten eines "Malocherclubs" wirkt, aber absolut ehrlich ist und für leuchtende Kinderaugen sorgt. Ehrlichkeit gehört bei Ingo Anderbrügge einfach dazu. So schweigt er bei den Schalke-Fans auch nicht über seine Zeit bei Borussia Dortmund. "Wenn du erfolgreich Fußball spielen möchtest, dann ist es erstmal egal, welcher Verein dir die Möglichkeit dazu gibt. Das darf man nicht durch die Fanbrille sehen", erklärt der 52-Jährige. So war er selbst in seiner Jugend Fan von Borussia Mönchengladbach. "Als Jupp Heynckes Schalke trainiert hat, habe ich mir von ihm ein Autogramm geholt", berichtet der ehemalige Fußball-Profi.

Und er gibt auch sonst seltene Einblicke ins Innere des Millionengeschäfts. So ist es für ihn klar, dass Spieler heute nicht mehr ihre ganze Profikarriere bei einem Verein bleiben, auch wenn die Fans das gerne hätten. Außerdem sollten die Anhänger der Fußballclubs, geht es nach Anderbrügge, auch Nachsicht mit ihren Idolen üben. "Das sind keine Maschinen, die Fußball spielen, sondern normale Menschen, die auch manchmal ihre Probleme haben", sagt er. Für ihn ist es vor allem wichtig, dass junge Spieler die Bodenhaftung nicht verlieren.

"Sie sollten normal bleiben und vernünftig mit den Fans umgehen, aber das ist für 18-Jährige schon mal schwer. Und einige steigen vom Fahrrad direkt auf den Ferrari um", sagt Anderbrügge. Denn, und das müsse auch den Profis mit Millionengehältern in der heutigen Zeit klar sein: "Nach dem Fußball fängt das richtige Leben an." Dann endet die Fragerunde. Ingo Anderbrügge bleibt aber noch, schreibt Autogramme und fachsimpelt mit den Mitgliedern des Fanclubs über die lokale Fußballszene, Fanerlebnisse und die Kommerzialisierung des Sports.

Dann wird in Drevenack weiter das Jubiläum des Fanclubs gefeiert - mit Torwandschießen und Fangesängen. Letztere stimmen die Mitglieder des Clubs, begleitet von Marco Rohde am Klavier, an.

Quelle: RP
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