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RP-Serie Der Nächste Bitte!
Ein-Mann-Unternehmen mit neuem Chef

RP-Serie Der Nächste Bitte!: Ein-Mann-Unternehmen mit neuem Chef
Henning und Dieter Kiefer (v.li.) vor dem Büro. Der Betrieb stattet vor allem Walzwerke und Hütten mit stationärer Antriebstechnik aus. FOTO: Büttner
Wesel. Seit 5. Januar ist Henning Kiefer Chef von Antriebstechnik Kiefer. Seine Lehre: Auch eine Übergabe im Kleinen braucht Zeit. Von Barbara Grofe

Der Dezember war hart, die Nächte für Henning Kiefer (40) nicht die allererholsamsten. 1000 Dinge hatte er im Kopf: Ob der Büro-Umzug aus Wesel-Bislich an seinen Wohnort Voerde-Emmelsum klappt, ob er alles bedacht hat, ob am 5. Januar dann auch wirklich alles funktioniert. Denn an eben diesem 5. Januar hat Kiefer den Betrieb seines Vaters, Dieter Kiefer (69), übernommen. Er ist jetzt der Chef bei Antriebstechnik Kiefer - und auch der einzige fest angestellte Mitarbeiter.

Antriebstechnik Kiefer ist ein Ein-Mann-Unternehmen - die Betriebsübergabe vom Vater auf den Sohn war trotzdem zeitaufwendig. Rund zwei Jahre haben Senior und Junior daran gearbeitet. Marcel Markert, Firmenkundenberater der Volksbank Rhein-Lippe, lobt die Kiefers geradezu in den höchsten Tönen: "Diese Übergabe ist vorbildlich abgelaufen." Der Grund für Markerts Begeisterung: Henning Kiefer hat schon seit 2002 in der Firma mitgearbeitet, die sein Vater im Jahr 1993 gegründet hat.

Von der Pieke auf hat er hier alles gelernt, ist langsam und behutsam vom Innen- in den Außendienst gewechselt. Einen harten Bruch gab es somit weder für die Lieferanten noch für die Kunden. Der Junior war schon seit langer Zeit bekannt, Vertrauen ist schon vorhanden und muss nicht noch aufgebaut werden. Und doch: "Ausreichend Zeit für die Übergabe muss man in jedem Fall einplanen", sagt Markert - auch in einem kleinen Unternehmen wie dem der Kiefers.

Wer einen Nachfolger für einen großen Betrieb sucht oder diesen übernehmen möchte, trägt Verantwortung für Mitarbeiter, kann aber auch mal Arbeit delegieren, Verantwortung auf mehrere Schultern verteilen. Henning Kiefer trägt die Personalverantwortung für sich, muss aber auch allein dafür sorgen, dass das Geschäft läuft und die ganze Arbeit machen. Jedes Gespräch mit dem Steuerberater, Rechtsanwalt oder der Kammer - Kiefer junior muss dabei sein.

Zu Beginn des Übergabe-Prozesses dachte er noch, es gäbe einen Fahrplan, eine Schritt-für-Schritt-zur-Übergabe-Liste. Dann merkte er: Die gibt es nicht. "Es ist ein sehr komplizierter Prozess - man muss seine Informationen zusammensammeln und eine individuelle Lösung finden", sagt der 40-Jährige. Ein Unternehmensnachfolge-Netzwerk, wie die Volksbank es anstrebt, hält er für eine gute Idee. "Dann hätte man gebündelte Infos." Und doch: An einem sehr persönlich zugeschnittenen Weg führt nichts vorbei.

Denn: "Man muss ja die Fragen ,was wünsche ich mir als Neu-Unternehmer?' und ,was wünscht sich der alte Unternehmer?' beantworten", sagt Volksbank-Mann Markert. Diese Bedürfnisse müssen abgeglichen werden. Schablonen helfen nicht. In dieser Hinsicht hatten die Kiefers keine Probleme. Als der Junior nach einer Lehre zum Groß- und Außenhandelskaufmann in väterlichen Betrieb anfing, war das Ziel der Übernahme schon da. Klar war, dass der Senior aussteigt und nur noch beratend zur Seite steht, klar war, dass der Sohn sich seine eigenen Strukturen aufbauen muss.

Das hat er getan. Jetzt, rund drei Monate nach dem Start, gibt es Routinen. Und Henning Kiefers Nächte sind wieder ruhiger.

Quelle: RP
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