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Heimat erleben
Ein Ort der Kunstgeschichte an der Issel

Heimat erleben: Ein Ort der Kunstgeschichte an der Issel
Georg Kiel, ehrenamtlicher Mitarbeiter im Otto-Pankok-Museum, heißt die Besucher willkommen. FOTO: Martin Büttner
  • Öffnungszeiten Das Museum öffnet von April bis Oktober am Freitag von 14 bis 18 Uhr, Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr. In den Monaten von November bis März ist das Museum jeweils Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Von 15. Dezember bis 15. Januar ist das Otto-Pankok-Museum geschlossen. Führungen für Gruppen und Schulklassen gibt es nach Anmeldung.
  • Ausflüge Haus Esselt eignet sich als Ausflugsziel. Radfahrer kommen im Sommer gerne hierhin, um die Ruhe zu genießen und auch Spaziergänger sind auf dem großzügigen Gelände des Herrenhauses oft anzutreffen.

Von Florian Langhoff

Über enge Feldwege geht es mitten hinein in die Landschaft aus Wäldern und Feldern. Nach dem Ende seiner Lehrtätigkeit hatte sich Otto Pankok mit seiner Frau Hulda und seiner Tochter Eva hierhin zurückgezogen. In das Herrenhaus Haus Esselt, das in der Nähe der Issel liegt. Noch immer wohnt Eva Pankok, mittlerweile 90 Jahre alt, im Herrenhaus. Das angrenzende Wirtschaftsgebäude ist zum Otto-Pankok-Museum umfunktioniert worden. In den großzügigen Räumen sind zahlreiche Werke des bekannten Künstlers zu sehen.

"Er hat alleine mehr als 5000 Kohlezeichnungen hinterlassen", erklärt Georg Kiel, der als ehrenamtlicher Mitarbeiter die Besucher im Museum willkommen heißt. Die großformatigen, monochromen Zeichnungen, die dem expressiven Realismus zugeordnet werden, dominieren die Wände. "Wir tauschen die Bilder halbjährlich aus, um wieder neue Werke zu zeigen", erklärt Georg Kiel.

Dabei sind die Bilder, auch ganz ohne farbenfrohe Pracht, ungemein abwechslungsreich: Manchmal sind düster wirkende Landschaften zu sehen, mit Wolkentürmen am Himmel. Dann sonnige Tage, an denen Kühe auf einer Weide liegen. Die Motive der Landschaftsbilder sind vielfältig, sie reichen von der Ostsee bis an den Niederrhein. Aber auch Menschen hat Otto Pankok in seinen Kohlezeichnungen verewigt.

Hier und da lässt sich an den Werken noch das Vorbild von Otto Pankok erkennen: Vincent van Gogh. Dessen stilbildende, in Kreisen und Spiralen ausgeführten Pinselstriche lassen sich auch in einigen der Bilder von Pankok finden. Allerdings sind dessen Kohlezeichnungen lange nicht seine ganze Arbeit. Auch hunderte von Holzschnitten, Lithographien, Radierungen und Plastiken fertigte der Künstler in seiner Schaffenszeit an. "Zum Malen ging er immer mit der Palette in die freie Natur", erklärt Georg Kiel. "Und wenn es im Herbst und Winter nicht nach draußen ging, suchte er sich Motive aus und fertigte Holzschnitte an."

Zu jenen Holzschnitten gehört auch "Christus zerbricht das Gewehr", das im Rahmen der Friedensbewegung häufig abgedruckt wurde und daher wohl Pankoks bekanntestes Werk ist. Und auch der zweifellos berühmteste Schüler des Künstlers sorgte am Otto-Pankok-Museum für Aufsehen: 2009 besuchte Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass das Museum, als dort eine Ausstellung mit Werken von ihm und Pankok eröffnet wurde. Otto Pankok selbst wird nicht nur in Grass' Werk "Beim Häuten der Zwiebel" erwähnt, sondern tritt, satirisch verfremdet, als Professor Kuchen im Roman "Die Blechtrommel" auf.

Neben den Werken von Otto Pankok finden sich im Museum auch Bilder von seiner Tochter Eva Pankok. Selbst mit ihren 90 Jahren reist sie noch regelmäßig zum Malen weg aus Hünxe. "Das meiste, was hier farbig ist, stammt von Eva Pankok", erklärt Georg Kiel zur Ausstellung im Museum. Und die Werke der Tochter von Otto Pankok müssen sich dabei nicht hinter den Bildern ihres Vaters verstecken. Auch bei ihr gibt es Landschaften und Menschen zu sehen, aber diese sind farbig gestaltet und bilden daher einen Kontrast zu den monochromen Kohlezeichnungen von Otto Pankok.

Allerdings sind nicht alle bunten Bilder im Museum von Eva Pankok. Einige Werke, die in einem abgetrennten Bereich der Ausstellungsräume hängen, stammen von Kindern. "Wir haben hier ein pädagogisches Konzept und so kommen oft Schulklassen zu Besuch", erklärt Georg Kiel. Erst gibt es für den Nachwuchs einen kleinen Vortrag zum Leben und Werk des Künstlers, dann dürfen die Kinder selbst loslegen und kreativ werden. "Sie können dann mit Kohle malen, wie Otto Pankok", erklärt der Museumsmitarbeiter. Oder sie arbeiten mit Ton oder stellen Linoldrucke her.

Und einige der Werke der Jungen und Mädchen, die nach Vorlagen von Werken Pankoks entstanden sind, können sich wirklich sehen lassen. Ein Besuch im Pankok-Museum lohnt sich also in jedem Fall.

Quelle: RP
 
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