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Hamminkeln
Ein Ritt durch die Musikgeschichte

Hamminkeln. Beckmann & Griess musizierten am Mittwochabend sehr laut und ziemlich lustig auf der Marienthaler Kulturwiese am Rande des Maisfeldes. Von Thomas Hesse

Ein witziges Cross-Over musikalischer Stile und Epochen - dafür stehen Beckmann & Griess mit ihrem unterhaltsamen Mix in meist rasantem Tempo. Beide waren schon in Marienthal zu Gast - Timm Beckmann an den Keyboards mit pro:c-dur, dem Kabarett-Duo, und Gitarrist Markus Griess mit den Popolskis, jener schägen Band mit vergangenem Kultcharakter. Es war ein ziemlich lustiger, manchmal mit ausschweifenden Ansagen auch zu verschwätzter Abend. Laut war es am Rande des Maisfeldes, wo das Musikstile vereinende Kabarettkonzert an diesem sommerlichen Abend open air stattfinden konnte.

Der Start war seltsam, aus einer vereinzelten düsteren Wolke tröpfelte es zielgenau auf den Veranstaltungsort. Das Ende war herzerwärmend, wenn auch schon etwas kühl da draußen: zwei Zugaben und langanhaltender Beifall. Für die Veranstalter dürfte sich das Konzert gelohnt haben. Sie brachten auch die Botschaft ans Publikum, dass sie Sponsoren für einen Architektenwettbewerb benötigen. Der wird verlangt, weil die seit Jahrzehnten erfolgreichen Marienthaler Kulturmacher endlich eine Bühne mit Überdachung haben möchten. Das Projekt firmiert unter "Waldbühne", wurde gerade in den Fördergeldkatalog des sogenannten Regionale 2016-Programms aufgenommen und würde solche improvisatorischen Schnelltaten überflüssig machen wie an diesem Abend. Angesichts des beginnenden und dann doch ausgefallenen Regens mussten Klavier und Keyboards mit einem Partyzelt auf der Bühne geschützt werden. Ein ulkiges Bild. Bei den Veranstaltungen geht nun eine Spendenbox herum, um den für die Förderung vorgeschriebenen Architektenwettbewerb zu finanzieren. Die Großspende einer Kulturfreundin habe aber schon einen starken Schub gegeben, so Mitorganisator Karl-Heinz Elmer auf Anfrage. Die beiden Musikkabarettisten gaben alles. Ihr Mix, Klassik und Rock in einen Topf zu werfen, entpuppte sich als dramaturgisch munteres und gekonntes Mittel, die Musikgeschichte zu durchqueren. In waghalsigen instrumentalen Manövern spielen sie dem Publikum munter ein E für ein U vor und erklären nebenbei, "Was die Terz soll ..?", so das Programmmotto. Bloß keine Konventionen produzieren, dafür aber auch unterhaltsam musikalisches Wissen in kabarettistische Klangwelten einbauen. Etwa welche Rock- und Popgrößen wo bei russischen Komponisten (und anderen) geklaut haben oder welche Nationalhymnen warum an ihre identifizierenden Stellen gerückt sind. Verballhornte Filmmusiken oder eine köstliche Titanic-Persiflage waren dabei unterhaltsame Kracher. Dazwischen gestreut wurde als Running Gag, wie sich die beiden ewigen musikalischen Jungs versuchten, gegenseitig zu über-beat-en.

Nur eins sind Beckmann & Grieß bei allem Charme nicht: gute Sänger.

Quelle: RP
 
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