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Hamminkeln
Ein Sport-Vorbild für die "Familie"

Hamminkeln. Timo Karmasch lebt in "Haus Kerschenkamp" und ist Top-Judoka. Bürgermeister Schlierf zeichnete ihn gestern aus. Von Thomas Hesse

Den großen Bahnhof erlebte Timo Karmasch am Düsseldorfer Flughafen. Dort landete er nach seinem Aufenthalt bei den Special Olympics World Games in Los Angeles, und seine Fans und Freunde aus dem Wohnheim Haus Kerschenkamp in Hamminkeln bereiteten ihm einen jubelnden Empfang. Kein Wunder, schließlich hatte der 20-Jährige Judoka und Deutsche Meister beim weltweit größten Sportereignis für Menschen mit geistiger Behinderung einen hervorragenden vierten Platz im G-Judo belegt. G-Judo bedeutet Judo für Menschen mit Handicap. "Die Begrüßung fand ich toll, die hat mich gerührt", sagt Timo, der sportliches und identitätsstiftendes Vorbild für die "Familie" im Heim des Evangelischen Kinderheims Wesel ist. Gestern besuchte Bürgermeister Holger Schlierf die Einrichtung und zeichnete ihn im Namen der Stadt aus. Eine feine Geste: Für den Verwaltungschef ist "Haus Kerschenkamp Teil der dörflichen Familie geworden, dessen Bewohner teilnehmen am Leben in Hamminkeln".

Das tut der Judoka auch, er geht gerne raus ins Dorfzentrum, wo die Geschäfte sind. "Ich fühle mich total wohl hier", sagt er, der seit einem Jahr hier lebt. Doch viel Zeit bleibt ihm nicht. "Trainieren und arbeiten" - darum dreht sich das Leben des 20-Jährigen, der in den Werkstätten der Lebenshilfe in Groin arbeitet. Für ihn war der Aufenthalt in den USA ein Ereignis, das er nicht vergisst. Wegen des Sports, aber auch wegen der Ausflüge und vielen Begegnungen mit anderen Behinderten. Der Judoka vom 1. Budoka Hünxe tut der Wohngruppe auch gut, weil alle bei seinen sportlichen Auftritten mitfiebern, weil Timo keine Allüren hat und weil sich viele der Bewohner mit ihm freuen. Das stärkt den Zusammenhalt, und der 20-Jährige weiß, dass er gut mit Menschen umgehen kann. Trainerassistent zu werden ist deshalb ein gutes Ziel, das ihn anspornt.

Außerdem passt er gut ins sportliche Umfeld, denn Bewegung steht im Wohnheim oben an. Es gibt eine Tanzgruppe, einige spielen beim PSV Wesel Fußball, setzen sich als Helfer beim Hamminkelner City-Lauf ein oder laufen als Team beim Drei-Wiesel-Lauf in Wesel mit. Gisela Schinke, die Wohnheim-Leiterin, freut sich über solche Aktivitäten. Das hat Wirkung, im Haus herrscht eine gelöste, aufgeschlossene Atmosphäre. Die Rahmenbedingungen stimmen: 24 Bewohner, jeder hat ein Einzelzimmer, zwei teilen sich ein Bad im Bau, der vor vier Jahren bezogen wurde. Sieben pädagogische Mitarbeiter, eine Hauswirtschafterin und Helfer des FSJ sind im Einsatz. Rund um die Uhr wird hier Unterstützung angeboten, um ein möglichst selbstständiges Leben führen zu können.

Quelle: RP
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