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Wesel
Ein Tag in Taize: beten, singen, arbeiten

Wesel. RP-Mitarbeiterin Julia Latzel erlebte eine Woche lang die ganz besondere Atmosphäre von Taizé. Jugendliche aus aller Welt besuchen regelmäßig die christlich-ökumenische Gemeinschaft in Frankreich, um ihren Glauben neu zu erfahren. Von Julia Latzel

"Eat, pray, sleep" (essen, beten, schlafen) - so beschreibt Bruder Norbert das Leben in Taizé. Jährlich entscheiden sich mehrere tausend Jugendliche aus aller Welt, für eine Woche oder länger am Leben der Brüder der Communauté teilzunehmen. Das bedeutet für alle, dass sie sich am gemeinschaftlichen Leben beteiligen müssen und ihr Alltag einem klar vorgegebenen Plan folgt. Auch ich habe mich mit einer Gruppe von 24 anderen Studenten auf den Weg gemacht, eine Woche in Gemeinschaft mit den Brüdern und Jugendlichen verbracht und dabei den typischen Tagesablauf in Taizé miterlebt.

Uhr Die Glocken läuten zum Morgengebet. Spätestens jetzt heißt es aufstehen und das Zelt verlassen. (Alternativ gibt es in Taizé die Möglichkeit, in kleinen Holzhütten zu schlafen). Wer sich jetzt entscheidet, vor dem Gebet noch duschen zu gehen, muss mit langen Warteschlangen und kaltem Wasser rechnen, also verschiebe ich das auf den Nachmittag.

8.15 Uhr Das Morgengebet beginnt. Trotz der frühen Uhrzeit ist die Kirche voll, obwohl Taizé mit 2000 Gästen momentan vergleichsweise leer ist, wie die Brüder berichten. Es wird ein Psalm in verschiedenen Sprachen verlesen, alle singen die berühmten Taizé-Gesänge, die immer wieder wiederholt werden. Auch eine Zeit der Stille ist Teil des Morgengebetes, hierbei fällt es vielen schwer, nicht einzuschlafen. Die gesamte Kirche ist mit Teppichen ausgelegt und die Gläubigen sitzen auf dem Boden (das kann nach einer Woche etwas unbequem werden, deshalb ist es klug, sich eine Unterlage zum Sitzen mitzunehmen).

9.15 Uhr Frühstück: Das besteht in Taizé aus einem Baguettebrötchen, einem Stück Butter, zwei Stangen Zartbitterschokolade und wahlweise Kakao oder Tee. Ein Messer gibt es nicht, wir müssen also kreativ werden, um unser Brötchen zu schmieren (Unsere Vorgehensweise: Zunächst die Butter unter dem warmen Getränk ein wenig weich werden lassen und dann mit dem Papier der Verpackung bestreichen). Um das Frühstück zu bekommen, müssen wir uns in lange Schlangen einreihen. Das Essen verteilen andere Jugendliche.

10 Uhr Direkt nach dem Frühstück geht es für mich zur Bibeleinführung. Meine Gruppe wird von Bruder Norbert betreut, der selbst ursprünglich aus Deutschland kommt. Etwa eine halbe Stunde bespricht er mit uns die Bibelstelle des Tages, danach geht es in die Kleingruppen. Meine Kleingruppe besteht aus fünf Deutschen, drei Portugiesen und zwei Polen, wir müssen uns also auf Englisch verständigen. Wir sprechen in lockerer Runde über die Bibelstelle oder spielen auch des Öfteren mal ein Spiel und lernen etwas über die Kulturen und Sprachen der anderen Länder.

12.20 Uhr Die Bibeleinführung endet mit dem Mittagsgebet. Dieses läuft ähnlich wie das Morgengebet ab. Gegen Ende des Gebetes hört man immer mehr Mägen knurren. Im Anschluss an das Gebet gibt es das Mittagessen. Auch hier stellen wir uns wieder in die Schlangen. Entweder bei "meat" oder "no meat" (wir haben die Erfahrung gemacht, dass das Fleisch meist aus einer Scheibe kaltem Kochschinken besteht, der beispielsweise über die Nudeln gelegt wird, bei der vegetarischen Schlange, die zudem noch kürzer ist, gibt es stattdessen Käse über die Nudeln). Wem die Portion nicht ausreicht, kann beim "Extrafood" noch eine weitere Portion ergattern.

14 Uhr Meine "Arbeit" beginnt. In Taizé muss jeder Gast mitarbeiten, das gesamte Leben wird von allen gemeinsam gestaltet. Ich wähle die Teilnahme im Chor als meine Aufgabe. Diese beinhaltet, dass ich täglich von 14 bis 16 Uhr an der Chorprobe teilnehme und jeden Abend beim Abendgebet singe. Auch alle anderen haben die Möglichkeit, von 14 bis 15 Uhr an der offenen Chorprobe teilzunehmen, um die Lieder einzuüben, ab 15 Uhr beginnt für sie ihre Arbeit, das kann zum Beispiel das Säubern der Waschräume und Toiletten, die Zubereitung des Essens, Spüldienst oder vieles mehr sein.

17 Uhr Teezeit. Danach finden täglich verschiedene Workshops statt, zum Beispiel zu dem Thema, wie man Wissenschaft und Glaube vereinen kann.

Bis 19 Uhr habe ich Freizeit. In dieser Zeit bin ich oft zur "Quelle der Stille" gegangen, ein Park, in dem absolute Ruhe herrscht. Zudem ist diese Zeit ideal zum Duschen, da die Duschräume leer sind und gerade frisch geputzt wurden.

19 Uhr Abendessen: Hier gibt es zu unserer Überraschung auch warmes Essen, in der gleichen Größe wie auch schon das Mittagessen.

20.30 Uhr Der Tag wird durch das gemeinsame Abendgebet in der Kirche abgeschlossen. Dieses ist am Freitag mit dem Gebet um das Kreuz und Samstag mit der berühmten Lichtermesse besonders beeindruckend. Nach dem Gebet wird noch lange weiter gesungen. Alternativ kann man auch zum "Oyak" gehen, einem Treffpunkt, an dem es auch einen Kiosk gibt. Hier wird Musik gemacht, gespielt und getanzt.

23.30 Uhr Nachtruhe. Die Nachtwächter sorgen dafür, dass alle in ihren Betten liegen und kein Lärm gemacht wird. Für die Nächte in Zelten sollte man sich warme Sachen einpacken, auch wenn es tagsüber meist warm ist, wird es in den Nächten in Taizé sehr kalt.

Quelle: RP
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