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Wesel
Eine feine Klangkombination der großen Domorgel mit einer Viola

Wesel. In das Hauptschiff des Willibrordi-Domes wurden am Samstag die Besucher gebeten - zur monatlichen "Musik zur Marktzeit". Ein freundliches Vorzeichen, verhieß es doch, dass die große Marcussen-Orgel für dieses vierte Konzert der kleinen Extra-Reihe "Orgel plus" (plus ein anderes Instrument) erklingen würde. "Viola und Orgel" waren angesagt. Kantor Ansgar Schlei stellte den aus der Ukraine stammenden Viola-Solisten Semjon Kalinowsky vor, entschuldigte die Duisburger Organistin Tiina M. Henke, die leider aus wichtigen persönlichen Gründen absagen musste, und erläuterte kurz das Programm der kleinen Kostbarkeiten aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert. Von Hanne Buschmann

Zu Beginn Rheinbergers Präludium aus der Suite op. 166. Ein schöner Auftakt, wenn die große Orgel nicht irritiert hätte. Etwas zu laut ließ Ansgar Schlei sie erklingen. Die Viola-Stimme musste sich sehr anstrengen. Aber in der Romanze des Norwegers Johan Severin Svendsen hatten beide Instrumentalisten die Balance gefunden. So durchklangen die lichten hohen Töne nordischer Empfindsamkeit, die zudem wie unabsichtlich herbe Erfahrungen in der menschlichen Freiheit andeuten, die liedartige Komposition.

Das Konzert wurde nun richtig gut. Die an diesem Tag relativ zahlreichen Hörer lernten kaum bekannte Werke kennen und schätzen. Von dem Franzosen Ferdinand Halphen, einem Schüler Faurés, war "Prière", ein inniges Gebet, zu hören. Kein Klang-Wort zu viel in dem dem kurzen Klang-Gedicht, dennoch ein melodischer Reichtum an Musik gewordenen Gedanken. Höfisch elegant, doch keineswegs oberflächlich glatt schritt die Sarabande op. 8 des Österreichers Joseph Sulzer einher.

Zum Schluss leitete das Konzertprogramm die Hörer zurück in die Zeit, ins lebenspralle und großzügige englische Barock. Mit Henry Eccles' Sonate g-Moll brachen im Largo tastende, suchende Schritte auf, die schwangen sich im Allegro lachend ins Leben. Einer kurzen Adagio-Rast, um irdische Schönheit zu loben, folgte im Allegro vivace tatsatte, sprühende Freude.

Dankbarer Applaus der Hörer sprang auf, wegen der originellen Musikvorstellung, die dem ersten großen Konzert von "Orgel plus" (Orgel und Flöte) nahe kam, doch ebenso für das Neue im Programm. Ähnlich empfanden fast alle aktiven und passiven Beteiligten: Die große Orgel unter kundigen Händen kann alles. Das kleine Instrument kann das, wofür es gebaut ist: filigrane Spielmusiken im kleinen Kreis; Orchesterpart, sofern der mit-gehört werden soll. Lieben können wir Musikfreunde beide Klangkörper.

Quelle: RP
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