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Niederrhein
Eine Frau wacht über die Wälder des RVR

Niederrhein: Eine Frau wacht über die Wälder des RVR
Förster Wilhelm Matheis übergibt sein Revier in jüngere Hände: Försterin Andrea Nickel und ihr Hund Gerry übernehmen. FOTO: Armin Fischer
Niederrhein. Revierförster Wilhelm Matheis (63) geht nach 33 Jahren beim Regionalverband Ruhr in den Ruhestand. Nachfolgerin im Natur-Forum Bislicher Insel ist Andrea Nickel (29). Der Forstbezirk reicht von Hamminkeln bis Duisburg-Baerl. Von Bernfried Paus

Im 2300 Hektar großen Forstrevier Bislicher Insel (Xanten)/Baerler Busch (Duisburg) vollzieht sich in diesen Tagen nicht nur ein Generationswechsel. Revierchef Wilhelm Matheis, der morgen 63 Jahre alt wird, zieht sich nach 33 Jahren aus den niederrheinischen Wäldern des Regionalverbandes Ruhr (RVR) zurück. Mit Försterin Andrea Nickel (29) wacht vom 1. Dezember an eine Frau über die großteils naturgeschützten Waldflächen zwischen Hamminkeln und Neukirchen-Vluyn sowie von Marienbaum bis Schermbeck. Die 29-Jährige, die inzwischen in Neukirchen-Vluyn und damit "im Revier" wohnt, ist die jüngste und vierte Försterin unter dem einen Dutzend Revierchefs des RVR Ruhr Grün.

Wilhelm ("Willi") Matheis hatte gestern im Natur-Forum Bislicher Insel einen Zeitstrahl aufs ansonsten weiße Blatt am Flipchart gemalt: "Eine wunderbare Zeit", sagte er im Rückblick auf den Anfang vor 44 Jahren. In dieser Zeit, 33 Jahre davon beim "tollen Dienstherrn" RVR, sei der Wald sein bester Freund geworden. Was dessen Zukunft angeht, ist er weit zuversichtlicher als manche Zeitgenossen.

Sein Befund zum Zustand des niederrheinischen Waldes: "Er ist in all den Jahren gesünder geworden." Es sei gelungen, mit heimischen Hölzern einen Baum-Mix zu schaffen, der nicht nur für Erholungssuchende vor der grünen Haustür des bevölkerungsreichen Ruhrgebietes ein lohnendes Ziel sei. Auch für Tiere, die sich rar gemacht hatten, sei er wieder ein beliebtes Qu artier. Matheis nannte die Rückkehr des Kolkraben und die erfolgreiche Neuansiedlung des Bibers.

Der scheidende Förster geht nicht ohne seinen Wald. Er hat ihn im Kopf. "Ich muss nur die Augen schließen", sagt er, "dann habe ich ein Bild vor Augen." Er vergleicht den Förster mit einem Landschaftsmaler. Seine Handschrift könne man gerade in diesen Herbsttagen in farbenprächtigen Naturbilder genießen. "Ich sehe mir den Wald von außen an, um zu wissen, wie er werden soll." Bei der Gestaltung gehe es nicht um Aktionismus. "Manchmal kann es richtig sein, den Wald in Ruhe zu lassen."

Auch wenn Stürme wie "Unfälle zum Leben eines Waldes gehören, die es immer wieder gibt", so der 63-Jährige, so war "Kyrill" Anfang 2007 auch für ihn ein einschneidendes Ereignis. 11.000 Festmeter Holz fielen in seinem Revier dem Orkan zum Opfer. Es dauerte mehr als ein Jahr, bis die Wege in den Wäldern wieder frei waren und die gezielte Aufforstung beginnen konnte.

Während Matheis jeden Winkel des Niederrheinreviers im Kopf abgespeichert hat, muss seine Nachfolgerin die unzusammenhängenden, großräumigen RVR-Wälder in den kommenden Monaten erst mal erkunden - "mit dem Auto", so die junge Forstwirtin, die bisher am Schreibtisch in der RVR-Zentrale gesessen hat. Begleitet wird die Frau, die grüne Uniform mit Lederhose trägt, von den beiden Rangern Ulrich Gräfer und Sven Bernds. Und ihrem braven Hund Gerry, ein Deutsch Langhaar.

Andrea Nickel, Kind des Ruhrgebietes, ist, nachdem sie "der Zufall" auf die Försterinnen-Schiene geführt hat, fasziniert von dem "großen, sehr lebendigen System Wald, in dem man schon durch einfache Maßnahmen viel erreichen kann". Die ausgebildete Waldpädagogin möchte die Begeisterung für den Wald weitertragen an die nächste Generation: "Viele Kinder kennen den Wald nicht", hat sie im Jugendwaldheim erfahren, "und ich habe erlebt, wie fröhlich sie werden, wenn die Berührungsängste erst mal überwunden sind." Und sie versteht sich als Konfliktmanagerin, die zwischen denen vermitteln möchte, die sich im Wald leicht in die Quere kommen: Spaziergänger, Jogger, Reiter oder Mountainbiker.

Faustregel: Alle sollen sich willkommen fühlen. "Ich finde es toll, wenn viele im Wald auf ihre Art Erholung suchen. Was sie hier suchen ist egal, nur wie sie sich verhalten nicht", sagte die neue Herrin des Waldes. Weil der ihr Arbeitsplatz ist, sucht sie abseits davon Erholung: auf der Tanzfläche beim Lindy Hop, einem Swing aus den 20er Jahren.

Quelle: RP
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