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Wesel
Eingepackt: Preußen-Museum im Umbau

Wesel: Eingepackt: Preußen-Museum im Umbau
Prinzessin Luise (l.), die Lady Di ihrer Zeit, und ihre Schwester Friederike werden von Michael Wysocki (r.) und Michael Benstöm sicher verpackt. FOTO: Malz, Ekkehart (ema)
Wesel. Körnermagazin wird fitgemacht für Neukonzeption. Präsent bleibt das bis 2016 geschlossene Haus in Schill-Kasematte. Von Fritz Schubert

Ein letzter Blick auf die Prinzessinnen Luise und Friederike ist noch erlaubt. Dann schrauben Michael Benstöm und Michael Wysocki von der Duisburger Firma Hölscher den Holzkasten zu. Er schützt das bildschöne Mädchen, das später als preußische Königin wie eine Madonna verehrt wurde, und ihre nicht minder anmutige Schwester vor dem, was in den nächsten Monaten passiert: Das Preußen-Museum im Körnermagazin der Weseler Zitadelle wird fitgemacht für die Neukonzeption. Seit dem 22. Juni ist es geschlossen. Mittlerweile ist die Ausstellung abgeräumt. Die Exponate sind im Kunstdepot Hasenkamp (Köln), Präsentationsmaterial wie Vitrinen ist bei der Weseler Spedition Ridder untergebracht.

Kaum verrückbare Stücke, wie der lebensgroße Abguss der berühmten Prinzessinnengruppe, einige monströse Kanonen, das Zechenmodell oder das Eisenbahnabteil werden jetzt eingehaust. Dann geht es an den großen Umbau, der Grundlage für die Eigentumsübernahme des Hauses durch den Landschaftsverband Rheinland (LVR) im kommenden Jahr sein wird. Den Betrieb sowie die Mitarbeiter hat der LVR bekanntlich schon im Januar übernommen. Über Arbeitsmangel können sich Museumsdirektor Dr. Veit Veltzke und seine Mannschaft nicht beklagen. "Wir wissen, wofür wir das tun", sagt er voller Freude. Denn das Ziel ist "eine baulich optimale Aufstellung mit hervorragenden Möglichkeiten".

Im Detail bekommt das Foyer ab Mitte August zum Beispiel eine neue Sonnenschutzanlage. Die Dampfsperre unterm Dach wird ersetzt. Schäden am Parkett werden behoben. Foyer und Dach bekommen neue Rauch- und Wärmeabzüge. Das trägt dazu bei, dass das Foyer dann auch als Versammlungsstätte für mehr als 200 Leute genutzt werden darf. Die Heizungs-, Lüftungs- und besonders die Klimaanlage werden optimiert, um Energiekosten zu senken. Die Klimaanlage wird dann endlich auch im Foyer und in der Cafeteria für angenehme Verhältnisse sorgen. Außerdem werden die Brandmeldeanlagen auf den neuesten Stand gebracht und neue Leitungen verlegt.

Dies alles ist mit 2,9 Millionen Euro kalkuliert. Bezahlt wird es vom Land NRW, bisher Haupt-Träger. Der künftige Hausherr LVR investiert in der nun startenden Bauphase ebenfalls erheblich. Er sorgt für die Barrierefreiheit: taktile Elemente für Blinde und Sehbehinderte, geschlossene Stufen an den zahlreichen Treppen, niedrige Handläufe an den Geländern, Automatiktüren.

Der LVR steht bereits für den Betrieb mit jährlich einer Million Euro zusätzlich gerade. Weitere 1,3 Millionen fließen von 2016 bis 2019 in die Arbeit an der Neukonzeption für ein - so der Arbeitstitel - "Museum für Geschichte am Niederrhein". Wie das inhaltlich aussieht, welche Epochen Schwerpunkte sein werden, welche Schätze, Dokumente, Kunstwerke gezeigt werden und welche Bezüge hergestellt werden, steht noch nicht fest. "Es gibt einen Rahmen, aber keine Details", sagt Veltzke. "Mit der Konzeption beginnen wir im kommenden Jahr." Mit Abschluss der nun beginnenden Arbeiten wird ab 2016 übergangsweise im wesentlichen wieder die bekannte Preußen-Schau zu sehen sein.

Bis dahin passiert museal trotzdem einiges: Nächste Woche wird auf der Wiese vor der Zitadelle ein neues Großplakat ins Gestell gehängt: "Das Preußen-Museum zu Gast in der Schill-Kasematte". Es zeigt Schill (der selbst nie hier war) vor dem Festungsteil, in dem seine Offiziere 1809 auf ihre Hinrichtung warteten. Das städtische Museum in der Kasematte ist bereits um einen Info-Point des Preußen-Museums "und etwas Shop" (Veltzke) ergänzt worden. Ausgewählte Exponate der vorübergehend heimatlosen Nachbarn reichern die Schau an: darunter eine Büste Napoleons, ein Stralsund-Säbel und ein Porträt Blüchers. Außerdem will das Preußen-Team Zitadellen-Führungen anbieten. Ferner wird mit der Stadt an deren Ausstellung fürs Stadtjubiläum 2016 gearbeitet: "Vom gastlichen Wesel und vom unteren Niederrhein - Schätze, die Geschichte(n) erzählen". Luise und Friederike sind sicher entzückt, wenn sie dann wieder ans Licht kommen.

Quelle: RP
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