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Benedikt Hass
Engagierte Fachkraft, aber ohne Arbeit

Benedikt Hass: Engagierte Fachkraft, aber ohne Arbeit
FOTO: Malz
Wesel. Der 23-jährige Maschinenbau-Techniker aus Wesel findet trotz hoher fachlicher Qualifikation keinen Job - zu wenig Erfahrung.

Bis zum Juni 2015 lief für Benedikt Hass eigentlich alles nach Plan. Der 23-jährige Weseler hatte Schule, Ausbildung und Weiterbildung mit Bravour gemeistert. Doch dann geriet der Werdegang des jungen Mannes kräftig ins Stocken. Denn seit diesem Zeitpunkt ist Hass auf Arbeitssuche. Erfolglos. Ein staatlich geprüfter Maschinenbautechniker, der keinen Arbeitsplatz findet und das, obwohl in Deutschland immer wieder über Fachkräftemangel geklagt. Die Rheinische Post sprach mit Benedikt Hass über seine aktuelle Situation und wie es in Zukunft weitergehen soll.

Was haben Sie in der Vergangenheit alles unternommen, um einen Arbeitsplatz zu bekommen?

Hass Seit Anfang des Jahres habe ich etwa 60 Bewerbungen an Firmen in ganz Nordrhein-Westfalen geschrieben, habe Stellenanzeigen in Zeitungen und im Internet durchforstet und auch einige Initiativbewerbungen geschrieben. Leider bis dato ohne Erfolg.

Mit welcher Begründung hat man Sie abgelehnt?

Hass Eigentlich kam es letztlich immer wieder auf das Selbe hinaus: mangelnde Berufserfahrung.

Was Sie besonders ärgert?

Hass Natürlich. Denn wie soll ich Berufserfahrung sammeln, wenn mich niemand einstellt? Ich bin zwar acht Mal zu Gesprächen eingeladen worden, aber auch da hieß es dann am Ende, dass jemand mit größerer Berufserfahrung gesucht wird.

Erzählen Sie mal von ihrem persönlichen Werdegang.

Hass Nach der Realschule habe ich am Berufskolleg in Wesel mein Fachabitur mit der Fachrichtung Automatisierungstechnik gemacht. Anschließend folgte von 2010 bis 2013 eine Ausbildung zum Zerspanungs-Mechaniker, die ich auf eigenen Wunsch um sechs Monate verkürzt und mit der Note 1 und einer Einladung zur Besten-Ehrung abgeschlossen habe.

Wie ging's dann weiter?

Hass Ich stand vor der Wahl, entweder ein Angebot meines Ausbildungs-Unternehmens, einen einjährigen Vertrag mit Aussicht auf eine Festanstellung anzunehmen oder mich weiterzubilden. Ich habe mich nach einer zweimonatigen Zeit, in der ich als Industrie-Mechaniker in meinem Ausbildungsunternehmen gearbeitet habe, für die Weiterbildung entschieden und in Oberhausen in den folgenden zwei Jahren wieder die Schule besucht. Diese Weiterbildung zum Techniker, Fachrichtung Maschinenbau, habe ich mit der Note 2,4 abgeschlossen und nebenbei noch meinen Ausbilder-Eignungsschein und ein Zertifikat als Qualitätsbeauftragter erworben.

Und trotz dieses durchweg positiven Werdegangs stehen Sie aktuell mit leeren Händen da. Kommen da Zweifel bei Ihnen auf, dass Sie den richtigen Weg eingeschlagen haben?

Hass Schon ein wenig, ja. Denn ich habe auf einen gesicherten Job mit einem festen Einkommen verzichtet, um mich zum Maschinenbautechniker ausbilden zu lassen. Jetzt bin ich zwar eine Fachkraft und auch an Motivation und Engagement fehlt es mir nicht. Aber letztlich bin ich dennoch ungeeignet und zwar aufgrund fehlender Berufserfahrung, die ich nicht sammeln kann, weil mich kein Unternehmen einstellt.

Machen Sie sich auch in finanzieller Hinsicht Sorgen?

Hass Ich lebe noch bei meinen Eltern, die mich Gott sei Dank sehr gut unterstützen. Aber das kann ja für meine Zukunft nicht die Lösung sein. Außerdem bekomme ich kein Arbeitslosengeld, weil ich mich nach meiner zweimonatigen Zeit als Industriemechaniker, die praktisch nahtlos in die Weiterbildung überging, nicht noch schnell arbeitslos gemeldet habe. Hinzu kommt das Meister-BAföG, das ich für die Weiterbildung bekommen habe. Ein nicht gerade unerheblicher Betrag, den ich aber kaum zurückzahlen kann, wenn ich keine Arbeit finde.

Wie soll's jetzt weitergehen?

Hass Ich versuche, weiter nach vorne zu schauen, werde weiter Bewerbungen schreiben. Gleichzeitig kümmere ich mich um einen Nebenjob, um wenigstens ein bisschen Geld zu verdienen. Und irgendwann werde ich mich dann als ganz normaler Zerspanungs-Mechaniker bewerben, um dann womöglich aufgrund meiner Qualifikation intern aufzusteigen.

MICHAEL ELSING FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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