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Wesel
Erinnerung an eine Weltenbummlerin

Wesel: Erinnerung an eine Weltenbummlerin
Ingeborg ten Haeff - damals 90 - und ihre Kunst im Februar 2006 bei ihrem Besuch in Wesel FOTO: Ekkehart Malz
Wesel. Die Künstlerin Ingeborg ten Haeff (1915-2011) hat ihre Heimat Wesel nie vergessen. Am Freitag würde sie 100 Jahre alt.

Sie hatte die ganze Welt bereist, war befreundet mit einigen der bedeutendsten Literaten und Künstler des 20. und 21. Jahrhunderts und lebte viele Jahre in New York. Ihre Heimatstadt Wesel hat Ingeborg ten Haeff jedoch nie vergessen. Die Stadt Wesel widmete der Künstlerin 2006 eine große Ausstellung. Eine besondere Ehre war, dass Ingeborg ten Haeff zur Eröffnung der Ausstellung in Begleitung ihres Ehemannes John Githens selbst nach Wesel kam. Sie starb 2011 in New York. Am Freitag, 31. August, würde sie 100 Jahre alt.

Im Rahmen der Ausstellung 2006 schenkte ten Haeff der Stadt sechs ihrer Werke: ein Selbstporträt der Künstlerin, zwei großformatige Ölgemälde mit den Titeln "Gleiche Gegenüberstellung" und "Two Couples" sowie drei Bilder aus der sogenannten Janiceps-Serie. In ihren Bildern verarbeitete Ingeborg ten Haeff die Eindrücke ihrer vielen Reisen und persönlichen Begegnungen mit Menschen in aller Welt.

Ingeborg ten Haeff, Tochter von Emmy Lindenberg und Hugo ten Haeff, wurde am 31. Juli 1915 in Düsseldorf geboren, zog jedoch mit ihren Eltern sehr bald nach Wesel, der Geburtsstadt des Vaters Hugo ten Haeff. Hier verbrachte sie ihre Kindheit in dem Haus an der Rohleerstraße 11, das der Vater 1917 erworben hatte. Auch nach dem Unfalltod des Vaters 1921 blieb die Familie noch einige Jahre in Wesel. 1928 zog sie um nach Berlin. Sehr früh faszinierten Ingeborg ten Haeff die Musik und das Theater. So war es keine Überraschung, dass sie zunächst von 1933 bis 1940 Gesang in Berlin studierte. Bei einem Abendessen verliebte sie sich in den Brasilianer Dr. Lutero Vargas, Sohn des damaligen brasilianischen Präsidenten. Lutero Vargas studierte zu dieser Zeit in Berlin Medizin. Durch den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs musste er nach Brasilien zurück. Ten Haeff folgte ihm kurze Zeit später, und sie heirateten 1940 in Rio de Janeiro. Dort nahm sie 1942 Unterricht beim polnischen Bildhauer August Zamoyski. Ende der 40er Jahre trennte sie sich von ihrem Mann und ging nach New York. Dort arbeitete sie als Assistentin des Kunstkenners und -händlers J. B. Neumann. Hier gewann sie Einblicke in die New Yorker Kunstszene. 1948 heiratete sie den Architekten und Stadtplaner Paul Lester Wiener. Mit ihm unternahm sie viele - auch längere - Reisen nach Südamerika. Die dabei gewonnenen Eindrücke prägten sich tief bei ten Haeff ein.

1957 begann sie unter Anleitung von Elsa Tennhardt, Professorin an der New Yorker Universität, zu malen und zu zeichnen. Anfang der 60er Jahre fand Ingeborg ihre ganz eigene Formensprache, in der sie ihre Visionen darzustellen vermochte. Mitte der 60er Jahre kamen zu spirituellen Figuren im Kosmos noch Blumenstilleben dazu. In der zweiten Hälfte der 60er Jahre wechselte sie von den kosmischen Räumen zu eher architektonisch strukturierten Bildgefügen.

Nach dem Tod ihres Mannes 1967 legte sie eine künstlerische Pause ein und lernte den Slawisten und Übersetzer John Lawrence Githens, Professor für Russisch am Vassar College in Poughkeepsie/New York, kennen. Sie heirateten 1969. Nunmehr verlagerte sich ihre Arbeit in die Fertigung von Portraits, die von ihrer psychologischen Sichtweise geprägt waren. In den 70er und 80er Jahren malte sie dann abstrahierte menschliche Bildnisse, die bestimmte psychische Eigenschaften sichtbar machen. Sie entdeckte auch den Kleiderbügel als Kunstwerk. Wie in früheren Jahren unternahm Ingeborg in den 70er und 80er Jahren viele lange Reisen, unter anderem nach Zentralamerika, Japan, Südkorea, Burma, Indonesien und zuletzt 1992 nach Thailand.

Quelle: RP
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