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Wesel
Erst Brause, dann Regenjacke für den Dom

Wesel: Erst Brause, dann Regenjacke für den Dom
Klaus Gehrke (l.), Mitarbeiter des Dombauvereins, und Erich Mürkens von der Firma Mölls-Hüfing auf der Arbeitsbühne am Dom FOTO: Ekkehart Malz
Wesel. Gut 900 Quadratmeter der empfindlichen Sandsteinflächen am Willibrordi-Dom werden jetzt für die große Imprägnierung vorbereitet. Chemiespezialist Evonik unterstützt den Witterungsschutz mit Material. Von Fritz Schubert

Klaus Gehrke kennt von Willibrord jeden Stein und jede Fuge. Vor 43 Jahren, am 2. Februar 1972, hat er bei der Dombauhütte angefangen, war zwischendurch zwei Jahrzehnte für die Steinmetz-Firma Baumann mit der Kirche beschäftigt und ist jetzt wieder in Diensten des Dombauvereins. Doch das aktuell anlaufende Großprojekt wird sein letztes sein. In der zweiten Jahreshälfte geht der 64-Jährige in den Ruhestand. Bis dahin soll die Grote Kerk ihre Regenjacke bekommen haben. Die Vorbereitungen laufen mit Hochdruck, aber nicht mehr als 100 atü. Sonst nimmt der empfindliche Sandstein Schaden. Das soll er nicht. Er soll ja gerade geschützt werden.

Während Erich Mürkens von der Brüner Firma Mölls-Hüfing Klaus Gehrke mit der Arbeitsbühne an der Marktseite in eine Höhe von zwölf Metern bringt, erläutern am Boden die Verantwortlichen des Dombauvereins das Vorhaben. Vorsitzender Karl-Heinz Tieben, Dombaumeister Prof. Dr. Wolfgang Deurer und Architekt Fred Störmer sind sicher, dass es gelingt und dem Dom langfristig guttut. Bereits 2007 wurde mit Chemiespezialist Evonik Industries begonnen, eine Imprägnierung für den Sandstein zu testen. Jetzt steht das Projekt, das Evonik mit der kostenfreien Überlassung des Mittels sponsert (RP berichtete mehrfach).

Nach einer Hochdruck-Vorreinigung und dem doppelten Auftrag einer Sanierungslösung zum Entfernen von Algen und Verkrustungen steht zurzeit Phase drei des "Vier-Takt-Systems" (Deurer) auf dem Programm: das Abspülen mit der Brause. Es folgt die eigentliche Imprägnierung mit einem Mittel, das unter anderem neue Algen abwehrt.

"40 Jahre haben wir mit eigenen Mitteln gegen Witterungseinflüsse gekämpft. Jetzt hilft uns Evonik", sagt Deurer dankbar. Der Dombauverein hat im Grunde nur Klaus Gehrkes Arbeitsleistung zu tragen. Müsste er auch das Material zahlen, wären ein weiterer fünfstelliger Betrag fällig.

Deurer glaubt, dass die Prozedur nach Gehrkes umfangreichen Vorarbeiten nun in vier bis fünf Monaten zu schaffen ist. Einmal rund um den Willibrordi-Dom muss die Baustelle dabei wandern. Ausgespart werden an den Eingängen die Sockel aus Basalt, die Ende des 19. Jahrhunderts bei der neugotischen Überformung hinzugekommen waren. Mit dem Wiederaufbau nach der Zerstörung im Februar 1945 präsentiert sich die Kirche jetzt in ihrer Gestalt von Ostern 1540, als in Wesel die Reformation umgesetzt wurde. Der Geburtstag der Evangelischen Kirchengemeinde Wesel jährt sich bekanntlich nun bald zum 475. Mal.

Es geht also jetzt um die Sandsteinflächen bis zur Dachrinne in etwa 14 Meter Höhe. Nicht von der Imprägnierungsaktion betroffen sind auch die vielen Steine aus Eifeler Tuff. "Tuff wird an der Luft immer härter. Nur wenn er aus dem Bruch kommt, kann man ihn mit dem Taschenmesser schneiden", erklärt Dombaumeister Deurer und schiebt nach, dass alle Kirchen am Niederrhein aus Tuff gebaut sind und nur die großen, wertvollen Gotteshäuser auch Sandsteinelemente bekommen haben. Für Ecken, Simse und Ähnliches.

Hier sind es 900 Quadratmeter. Diesen rückt Gehrke im Nassstrahlverfahren zu Leibe. Eingesetzt wird ein Gemisch aus scharfem, extra gesiebtem Rheinsand und Wasser. Mit Hochdruck, aber eben nicht zu viel.

Quelle: RP
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