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Kreis Wesel
Erster Preis für "tausend Kraniche"

Kreis Wesel. Pia Helfferich, Lisa Paria Göbel und André Patten heißen die Sieger beim Moerser Literaturpreis, der zum 20. Mal verliehen wurde. Von Ulrike Rauhut

Zum 20. Mal ist die Jury des Moerser Literaturpreises in diesem Spätsommer zusammengetroffen. Unvoreingenommen, ohne Kenntnis des Autors hatte jeder die rund 500 Seiten der 60 Einsendungen gelesen. Die fünf ehrenamtlichen Juroren hatten zu beurteilen, welche Kurzgeschichte zum Thema "Unter Freunden" sie am meisten gepackt hat, bevor die besten drei Teilnehmer per Abstimmung ermittelt wurden.

Festredner im gut besuchten Moerser Martinstift war der ehemalige Preisträger Markus Orth, der über die Kunst als Projektionsfläche für existenzielle Selbsterfahrung sprach. Orth hatte nach der Lehrerausbildung der Schule Lebewohl gesagt und war freier Schriftsteller geworden. Seine Karriere hatte im Jahr 2000 nach der Auszeichnung mit dem Moerser Literaturpreis den entscheidenden Schub bekommen. Bis heute hat der 48-jährige Viersener elf Bücher herausgegeben und viele weitere Preise gewonnen.

Die diesjährige Preisträgerin Pia Helfferich ist ebenfalls bereits Teil des professionellen Literaturbetriebs, hat Erzählungen in Anthologien und Literaturzeitschriften veröffentlicht und leitet Schreib-Workshops. Mit ihrer Erzählung "Wie man tausend Kraniche faltet" hat sie die Moerser Jury überzeugt. Sie darf sich über 2600 Euro freuen von der Volksbank Niederrhein freuen, die der Vorstandsvorsitzende Guido Lohmann zusammen mit einem großen Blumenstrauß überreichte. Eine geheimnisvolle Bedeutung spielt in der Geschichte eine Faltanleitung für Origami-Papier-Kraniche. Die Kranich-faltende Frau heißt Klara. Sie hat einen Hochschulabschluss in Linguistik, scheint aber den gesellschaftlichen Normen und Erwartungen nicht zu entsprechen. Klaras aufdringliche Nachbarin Frau Homberg möchte den Kontakt zu Nathalie, ihrer Tochter, die Klaras frühere Spielfreundin ist wiederherstellen. Doch Klara will nicht. Schon als Kind faltete Klara das Blatt, auf dem ihre Matheaufgaben stehen sollten, winzig klein und "schwor sich, eine Anleitung zu finden für die Jungs und den Rest der Welt." Eine hilfreiche Hintergrundinformation gab Moderatorin Andrea Reichert: In Japan gebe es eine Legende, dass jeder, der 1000 Kraniche falte, einen Wunsch frei habe. Ob die Klara in der Geschichte deshalb 1000 Kraniche faltet, warum sie sie dann wegwirft und was sie sich wünscht - all das bleibt offen und den Gedanken des Lesers überlassen.

Auch die zweitplatzierte Autorin Lisa-Maria Göbel beleuchtet in ihrer Ich-Erzählung "Stiche" die Ambivalenz des Themas "Freundschaft": Die unverhoffte Begegnung zweier Menschen, die sich einmal nahe waren, jedoch heute in völlig verschiedenen Welten leben. Mirella Weber von der Moerser Gesellschaft überreichte 1000 Euro an die 26-jährige Duisburgerin, die in diesem Jahr ihr Medizinstudium abgeschlossen hat.

Den dritten Preis, 750 Euro von der Rheinischen Post, überreichte Redaktionsleiter Jürgen Stock an den 33-jährigen André Patten aus Neuss. Seine Erzählung "Heimatfreunde" handelt von Robert, dem Tod seines Vaters Theo und dessen starker Verbundenheit mit dem "Schlesierverein" - eine Verbundenheit, die Robert geprägt hat und zur Loyalität verpflichtet, die aber wie ein Überbleibsel aus einer längst vergangenen Zeit erscheint. Der Leser ahnt etwas von dem Zwiespalt, wenn die Vereinsfreunde zu Robert sagen: "Und wer soll jetzt die Geschäftsstelle leiten? ... Du bist doch Theos einziger Sohn." Patten hat Literatur studiert und bereits mehrere Texte veröffentlicht.

Die Besucher des Martinstifts erlebten einen feierlichen Vormittag, der von der stimmgewaltigen Marissa Möller sowie ihrem Begleiter Jan Lammert am Flügel musikalisch umrahmt wurde.

Die Texte der drei Preisträger können auf der Homepage der Moerser Gesellschaft zur Förderung des literarischen Lebens "http://www.moersergesellschaft" nachgelesen werden.

Quelle: RP
 
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