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Wesel
Evangelische Kirche lädt zum Pilgern ein

Wesel. Protestanten sind dazu aufgerufen, sich auf einen Pilgerweg der Gerechtigkeit zu begeben. Auch in Wesel.

Pilgerreisen gibt es zwar in allen Religionen, aber hierzulande werden sie hauptsächlich mit den Katholiken in Verbindung gebracht. Dass Protestanten bislang kein ausgeprägtes Verhältnis zu dieser Tradition hatten, hat sicherlich mit Martin Luther zu tun. Der Reformator bezeichnete das Pilgern als "Narrenwerk" und spottete über den Jakobsweg nach Santiago de Compostela: "Lauf nicht dahin, denn man weiß nicht, ob Sankt Jakob oder ein toter Hund da liegt."

Die Einstellung der evangelischen Kirche hat sich aber vor drei Jahren geändert, nachdem der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) auf seiner 10. Vollversammlung in Südkorea die Kirchen und Gemeinden dazu aufrief, sich auf einen "Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens" zu begeben. Eine Idee, die jetzt auch im Kirchenkreis Wesel Hand und vor allem Fuß annimmt.

So hat der Ausschuss für kirchlichen Entwicklungsdienst dazu aufgerufen, sich an drei "Pilgerwegen" zu beteiligen. Unter dem Motto "Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens" fordern die Protestanten des Kreises dazu auf, ungerechte Zustände beim Namen zu nennen und dagegen zu protestieren.

Am vergangenen Samstag trafen sich rund 60 Gläubige an der Gnadenkirche in Wesel, um an der ersten Etappe, dem "Pilgerweg Wasser ist Leben", teilzunehmen. "Dabei geht es um die Ressource Wasser, die gefährdet ist und immer teurer wird. Für viele Menschen in den Entwicklungsländern ist sauberes Wasser knapp", erklärt Pfarrer Dieter Hofmann vom Synodalen Ausschuss für Kirchlichen Entwicklungsdienst, Mission und Ökumene im Kirchenkreis Wesel. Gemeinsam ging es zum alten Wasserwerk an der Wackenbrucher Straße, wo Peter Bootz und seine Mitarbeiter von den Weseler Stadtwerken die Teilnehmer über die "kostbare Ressource Wasser" und die Auswirkungen der Klimaveränderungen auf den globalen Wasserhaushalt informierten. Daneben wurden Wasser-Spiele und Experimente für Kinder angeboten. Über den Lippehafen ging es nach gut zwei Stunden wieder zurück. Ausgesprochen lang war der Pilgerweg also nicht, aber darauf kommt es laut Pfarrer Rainer Neu auch gar nicht an: "Das ist in erster Linie eine Informationsveranstaltung."

Nach einem gemeinsamen Mittagessen folgte in der Gnadenkirche ein Gottesdienst, den ein Chor aus Otjiwarongo (Namibia), dem Partnerkirchenkreis von Wesel, musikalisch begleitete. Pastor John Guidao-Oab aus Namibia sprach in seiner Predigt die Wasserprobleme in seiner Heimat an.

Das Thema des zweiten Pilgerweges am 29. Mai lautet "Land zum Leben". Die Teilnehmer protestieren dann gegen ungerechte Landverteilung und die Aneignung von Land durch große Konzerne in der Dritten Welt sowie gegen Monokulturen in unseren Breiten. Der dritte Pilgerweg am 5. Juni trägt den Titel "Brot zum Leben". Dabei wird die Verschwendung von Lebensmitteln kritisiert .

Info Die weiteren Termine: Der Pilgerweg "Land zum Leben" startet am Sonntag, 29. Mai, 10 Uhr, an der Kirche in Hünxe-Drevenack, Kirchstraße. Das Ende ist gegen 15 Uhr. Auch Hamminkeln pilgert: Unter dem Motto "Brot zum Leben" treffen sich Gläubige am Sonntag, 5. Juni, von 10 bis 14.30 Uhr. Start: Gemeindezentrum Dingden, Krechtinger Straße.

(erko)
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