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Wesel
Ex-Freundinnen von Nils D. sagen aus

Wesel. Weitere Zeugen wurden gestern im Prozess gegen Dinslakener vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf gehört. Von Heinz Schild

Sie kannte Nils D. schon, als sie 15 oder 16 Jahre alt war. Etwa zwei Jahre später waren er und sie für einige Zeit ein Paar. Die Beziehung ging auseinander, weil ihr seine Einstellung nicht gefiel. Nils D. habe Drogen genommen, gefaulenzt, mit komischen Freunde abgehangen. Einige dieser Freunden gehörten später der Lohberger Brigade an, zogen in den "Heiligen Krieg" und kämpften in Syrien. 2011 brach seine damalige Freundin den Kontakt zu Nils D. ab, wie sie gestern vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht aussagte. Dort wird dem 25-jährigen Dinslakener wegen seiner Taten in der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) der Prozess gemacht.

Als Nils D. aus Syrien zurückgekehrt war und bei seiner Mutter lebte, traf seine Ex-Freundin ihn wieder - und die alte Liebe entflammte neu. "Als er wieder da war, habe ich mir nichts mehr gewünscht, als ihn wiederzusehen", sagte die junge aus. Beide wurden wieder ein Paar. Ob sie ihn gefragt habe, warum er zum Islam konvertiert und was in Syrien geschehen sei, wollte die Vorsitzende Richterin Barbara Havliza wissen. Sie habe zwar das Video gesehen, das zeigt, wie einer der jungen Männer aus der Lohberger Brigade mit abgeschlagen Köpfen posiert habe und sei schockiert gewesen - gefragt habe sie nicht. "Das war tausende Kilometer weit weg, wir haben unser eigenes Leben gehabt, ich habe mir darüber nicht großartig Gedanken gemacht." Was sie auf dem Video gesehen habe, bezeichnete sie als krank. Als sie einen von Nils D. aufgesetzten Vertrag unterzeichnen sollte, in dem sie sich verpflichtete, dass ihre Kinder muslimisch erzogen werden, unterschrieb sie. Den Vertrag, den Nils D. in die Hosentasche gesteckt habe, habe sie nicht ernst genommen. Sie nahm vieles nicht ernst. Einmal kriegte das Paar sich in die Haare: Sie bezeichnete ihn als Hassprediger, er warf ihr eine rechtsextreme Gesinnung vor.

Bereits als 15-Jähriger wurde Nils D. Vater einer Tochter. Die Mutter des Kindes sagte gestern auch aus. "Nils hat sich nie wirklich um seine Tochter gekümmert. Es bestand nie eine Vater-Tochter-Beziehung, wie sie hätte sein sollen", meinte die Mutter. Das änderte sich etwas, nachdem Nils D. zum Islam konvertiert war. Er nahm das Kind in die Moschee mit, erlaubte ihr nicht, in seiner Gegenwart Schweinefleisch zu essen. Die Mutter empfand den Einfluss, den Nils D. auf die Tochter ausübte, als schädlich. "Ich habe überlegt, Nils den Umgang mit unserer Tochter zu unterbinden, doch ich habe es gelassen, weil ich dem Mädchen nicht schaden wollte", sagte die Mutter. Als Nils D. sich verabschiedete, um in die Türkei zu fahren und, wie er sagte, nicht wiederkommen werde, habe dies dem Mädchen "den Boden unter den Fußen weggerissen". Das Kind sei völlig fertig gewesen. Für das Mädchen ging die Achterbahnfahrt der Gefühle weiter, als Nils D. nach Deutschland zurückgekehrt war. Darum versuchte die Mutter, von der Tochter fernzuhalten, dass der Vater verhaftet worden war. Als das Mädchen davon erfuhr, sei es am Boden zerstört gewesen.

Der Prozess wird fortgesetzt.

Quelle: RP
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