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Hamminkeln
Ex-Klausenhof-Chef übergibt Ehrenamt

Hamminkeln: Ex-Klausenhof-Chef übergibt Ehrenamt
FOTO: Malz Ekkehart
Hamminkeln. 25 Jahre "SonntagMorgen" in der Akademie Klausenhof: Ex-Direktor Dr. Alois Becker hat die Vortragsreihe lange geleitet. Jetzt führt Dr. Michael Sommer Regie. Zuletzt ging es um das Thema "Flucht und Migration am Niederrhein". Von Thomas Hesse

Eine Erfolgsgeschichte mit Anspruch und Qualität: Seit genau 25 Jahren gibt es die Vortragsreihe "SonntagMorgen" jetzt in der Akademie Klausenhof. Namhafte Experten und Professoren referieren dabei sonntags in der Cafeteria des Klausenhofs zu relevanten und oft aktuellen Themen. Ins Leben gerufen wurde sie vom damaligen Direktor Dr. Alois Becker mit einem Vortrag am 28. Juni 1992 von Dr. Reinhold Jacobi, damaliger Referent für Rundfunk der Zentralstelle Medien der Deutschen Bischofskonferenz. Dr. Becker hat auch im Ruhestand diese Reihe fortgeführt. Im vergangenen November hat er diese ehrenamtliche Tätigkeit beendet. Nun wird der "SonntagMorgen" von Dr. Michael Sommer betreut, der im Klausenhof für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.

Der erste "SonntagMorgen" unter neuer Regie beschäftigte sich mit "Flüchtlingen und Zuwanderern am Niederrhein vom 16. bis 18. Jahrhundert". Referentin war Prof. em. Dr. Irmgard Hantsche, die am Niederrhein und darüber hinaus für ihre regionalhistorische Forschung bekannt ist. Sie hat in der Region häufig über ihre Forschungen und Erkenntnisse berichtet.

Mobilität, Migration und Flucht sind heute großes gesellschaftliches Thema. Sie waren auch vor 400 Jahren häufige Phänomene, wie Prof. Hantsche am Beispiel des Niederrheins zeigte. In ihrem Vortrag beschrieb die emeritierte Professorin für Neuere Geschichte der Universität Duisburg, wie etwa Calvinisten, die insbesondere zwischen 1568 bis 1572 vor Krieg und Unterdrückung aus den Niederlanden flohen, in Wesel Zuflucht suchten. Anfangs waren die Einheimischen skeptisch, doch dann zeigte sich, dass die Exilanten die Wirtschaft belebten sowie neue Handwerkstechniken, zum Beispiel in der Tuchweberei, und Handelsnetzwerke mitbrachten.

Kunsthandwerk und Buchdruck erlebten ebenfalls einen Aufschwung. Die Zuwanderer bewirkten eine wirtschaftliche Blüte Wesels und wurden so einflussreich, dass die Stadt am Rhein mehr und mehr calvinistisch wurde. Im Jahr 1578 dankten die Glaubensflüchtlinge aus den Niederlanden und dem heutigen Belgien der Stadt auf besondere Weise. Die Geusenbecher, auch als Weseler Prunkpokale bezeichnet, sind zwei Silberpokale und wurden der Hansestadt geschenkt. Sie befinden sich bis heute im Besitz Wesels. Auf ihnen eingraviert ist der Ehrenname Vesalia hospitalis - den Begriff gastfreundliches Wesel führt die Stadt heute noch gerne an.

Ähnliches geschah in Krefeld, als ab 1607 Mennoniten im evangelischen Krefeld, die im katholischen Umfeld verfolgt wurden, Schutz fanden. Die 500 Bewohner von Krefeld nahmen die 200 Flüchtlinge, vom Anteil der Bevölkerung her gesehen "ein Massenansturm", nur mit Mühe auf. Die Oranier als das für Krefeld zuständige Fürstenhaus erwiesen sich als tolerant und gewährten freie Religionsausübung. Schließlich erlebte Krefeld mit und wahrscheinlich auch durch die Mennoniten einen großen wirtschaftlichen Aufstieg, insbesondere im Bereich der Textilwirtschaft.

Als drittes Beispiel nannte Hantsche die Ansiedlung von Pfälzern in der Gocher Heide. Ihre Auswanderung nach Amerika missglückte, weil die Niederländer sie nicht passieren ließen. Friederich II. erteilte den Pfälzern eine Siedlererlaubnis. Der Ortsname Pfalzdorf ist bis heute Kennzeichen dafür. So sind in dieser Region einige Ansiedlungen erfolgt, die aber - so Hantsche - sich hauptsächlich aufgrund der ländlichen Lage nicht nachhaltig auf das Umland auswirkten. Ihr Fazit: "Gute Bildung und handwerkliches Können auf der einen Seite, Toleranz auf der anderen Seite waren Faktoren, die die Einwanderung erfolgreich für alle machten."

Quelle: RP
 
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