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Wesel
Familien-Duo mit technischer Brillanz

Wesel: Familien-Duo mit technischer Brillanz
Das familiäre Duo mit Violoncello und Klavier: Georg Mersmann und seine Tochter Lisa musizierten. FOTO: Gerd Hermann
Wesel. Erfahrene Konzertbesucher wissen, worauf sie sich freuen können, wenn sie bei einem Kammermusikabend mit ausgebildeten Musikern dabei sind. Sehr familiär im wahrsten Sinne des Wortes ging es in der Aula der Musik- und Kunstschule (MKS) zu. Von Dieter Krüssmann

Die in Düsseldorf geborene Cellistin Lisa Mersmann gestaltete am Ewigkeitssonntag zusammen mit ihrem Vater Georg (er spielte auf dem Flügel) einen Duo-Abend. Lisa, die bereits mit fünf Jahren erstmals Unterricht auf dem Streichinstrument erhielt, hat im Laufe der Zeit ihr Masterstudium am Orchesterzentrum in Dortmund abgeschlossen und schon als Solistin mit großem Erfolg viele Konzertreisen ins In- und Ausland unternommen.

Im Konzert spielte sie auf einem extra für sie gebauten Violoncello, das vom renommierten Schweizer Geigenbauer Urs Mächler angefertigt wurde. Ihr Vater, Absolvent der Robert-Schumann-Musikhochschule, ist Fachbereichsleiter für Tasteninstrumente und Klavierlehrer in der MKS.

Drei große Komponisten standen im Mittelpunkt des Konzertes. Rund 100 Klassikliebhaber, darunter auch viele junge Menschen, erlebten einen unterhaltsamen Duo-Abend. Mit Ludwig van Beethovens Sonate g-Moll in drei Sätzen begannen die Künstler ihr Programm.

Diese Sonate widmete er während seiner ersten Schaffensperiode König Friedrich Wilhelm von Preußen. Der Klavierpart war überwiegend von rollenden Triolen geprägt, der Cellopart hingegen von langen Melodiezügen.

Besondere Aufmerksamkeit galt dem tschechischen Komponisten Leos Janácek (1854-1928) mit seiner Vertonung eines Märchens vom Zaren Berendei in drei Bildern. Die nicht so bekannte, dennoch aber sehr anspruchsvolle und schwer bespielbare Tonschöpfung erzählt die Geschichte vom Kampf des Zarewitsch Iwan, dargestellt durch das Cello und seiner Liebe zur schönen Marja (Klavier). Hierbei gab es lebhafte Dialoge und aufregende Steigerungen. Das knappe Motiv, das Cello und Klavier zu Beginn einander zuspielten, unterbrach immer wieder den ruhigen Fluss des hochromantischen Adagios.

Schließlich endete das Finale mit einem munteren tschechischen Volkstanz. Johannes Brahms' Sonate Nr. 2 F-Dur op. 99 stand als letztes auf dem Programm. Zweifellos gehört diese Sonate zu den bedeutendsten und meistgespielten kammermusikalischen Werken. Hierbei konnte man die Vielfalt des gemeinsamen Musizierens erleben. Pizzicato-Klänge, herrliche Harmonien, wilde Triolen-Rhythmen und Klavier-Arpeggien kamen zum Vorschein. Brahms liebte den Daktylus-Rhythmus, den man auch wahrnehmen konnte.

Und auch wenn bei diesem Konzert keine bekannten klassischen Werke gespielt wurden, so zeigten dennoch Vater und Tochter ihre Klasse mit technischer Brillanz, Schwung und Eleganz - eine bravouröse Leistung. Das Publikum dankte den Musikern mit langem Applaus und dem Familien-Duo blieb nichts anderes übrig als mit Franz Schuberts "Serenade" noch eine Zugabe zu geben.

Quelle: RP
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