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Wesel
FDP kritisiert Polizei

Wesel: FDP kritisiert Polizei
Ein großes Problem im ganzen Land ist die steigende Zahl der Einbrüche. Die Polizei setzt verstärkt auf Kontrollen. FOTO: andreas Endermann
Wesel. Die Zahl der Einbrüche nimmt zu, gleichzeitig steigt aber auch die Aufklärungsquote - auch wenn die FDP anderes verkündet.

Es gibt Fraktionsvorsitzende, die Neujahrsempfänge ihrer Partei nutzen, um den politischen Gegnern die Meinung zu sagen und Missstände anzuprangern. Polemik und Übertreibungen sind da nicht selten. So richtig in Fahrt, werden auch schon mal Äußerungen getätigt, die es kritisch zu hinterfragen gilt. Jüngstes Beispiel: Beim Neujahrsempfang der Liberalen im voll besetzten Saal der Gaststätte Schepers beklagte Fraktionschef Bernd Reuter unter anderem die schlechte Ausstattung der Polizei in NRW - und damit der Beamten in Wesel. Verantwortlich sei, so Reuter, Innenminister Ralf Jäger.

Dies habe zur Folge, "dass die Aufklärungsquote bei Einbruchdiebstählen knapp über Null liegt. Und: Im Kreis Wesel gibt es offenbar nur ein Fahrzeug, das für die Aufnahme von Einbrüchen zur Verfügung steht." Dass die Polizeiwachen in Xanten und Voerde nachts geschlossen werden sollen, sei "ein falsches Signal". Reuter forderte eine bessere Ausstattung der Polizei sowie die Abschaffung des Blitzmarathons - Arbeitsstunden von Polizisten könnten besser genutzt werden. Nicht nur Jürgen Linz (CDU; "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Polizei ihren Aufgaben nicht gerecht wird") und Ludger Hovest (SPD; "Dummes Zeug. Das war eine politische Aussage, um Stimmung zu machen"), die der Einladung der FDP gefolgt waren, waren von den Behauptungen mächtig irritiert.

Es sei zwar richtig, sagte Andrea Margraf, Sprecherin Kreispolizeibehörde in Wesel, dass die Zahl der Einbrüche in den ersten achten Monaten 2015 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen sei. Und zwar von 824 auf 892 (Versuche: 337 beziehungsweise 354). Dies sei aber nicht nur im Kreis Wesel, sondern in ganz Nordrhein-Westfalen "ein großes Problem". Völlig falsch sei hingegen die Aussage Reuters der "Null-Prozent-Aufklärungsquote". Tatsächlich lag diese bis Ende November 2015 bei 18,57 Prozent (bis Ende September: 14,76 Prozent). "Es wäre natürlich toll, wenn wir von 90 oder 99 Prozent sprechen könnten, aber die Aufklärungsquote ist im Vergleich zu 2014 deutlich gestiegen", sagt die Sprecherin. Der Einsatz von Polizisten und Kriminalbeamten, die verstärkt Streife fahren und unter anderem verdächtige Autos mit fremden Kennzeichen in Wohngebieten kontrollieren, scheint Wirkung zu zeigen.

Vor diesem Hintergrund appelliert Andrea Margraf an jeden einzelnen Bürger, "verstärkt auf sein Bauchgefühl zu hören. Wenn jemandem etwas verdächtigt vorkommt, sollte er lieber einmal zu oft als einmal zu wenig die 110 anrufen." Die ermittelten Täter seien zum Teil überregionale Bandenmitglieder. Aber natürlich gebe es auch "örtliche Gelegenheitstäter", die beispielsweise eine Tasche im Auto sähen und dann die Scheibe einwürfen.

Auch die Sache mit dem "einen Auto", das im gesamten Kreis für die Aufnahme von Anzeigen nach Einbrüchen zuständig sein soll, kann sie nicht bestätigen. "Tatsächlich ist es so, dass Geschädigte nach einem Einbruch die 110 anrufen und eine Streifenwagenbesatzung eine Anzeige aufnimmt. Anschließend kommen Kollegen der Kriminalpolizei, die sich um die Spurensicherung kümmern." Die Spuren würden dann zum Landeskriminalamt geschickt und ausgewertet. Parallel dazu würden Kriminalbeamte unter Umständen in Pfandhäusern oder auch im Online-Auktionshaus Ebay nach außergewöhnlichen Beutestücken suchen.

Auch die Befürchtungen um die möglichen Nachtschließungen der Wachen in Voerde und Xanten versucht die Polizeisprecherin zu relativieren: "Schon seit Jahren sind auch die Wachen in Rheinberg, Hünxe und Hamminkeln von 22 bis 5 Uhr nicht besetzt. Der Wachhabende, der sonst im Büro gesessen hat, ist jetzt in seinem Ort zusätzlich im Streifenwagen unterwegs." Und natürlich würden Telefonate nachts an die Leitstelle weitergeleitet.

Und wenn jemand an der Tür einer geschlossenen Wache klingelt? "Dann", sagt die Polizeisprecherin, "meldet sich natürlich jemand an der Gegensprechanlage, der sich um das Anliegen kümmert und einen Streifenwagen zur Wache schickt."

VON KLAUS NIKOLEI

Quelle: RP
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