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Wesel
Festmusik zur Preisung Gottes

Wesel: Festmusik zur Preisung Gottes
Sopranistin Ekaterina Korotkova sang Bach. FOTO: Lars Fröhlich
Wesel. Domkantor Ansgar Schlei, Sopranistin Ekaterina Korotkova und ein Instrumental-Ensemblegaben im Willibrordi-Dom ein Konzert zum 267. Todestag von Johann Sebastian Bach. Von Hanne Buschmann

Wer sich ernsthaft mit Johann Sebastian Bach beschäftigt, wird nicht fertig mit ihm, was für das umfassende Genie jenes Komponisten spricht, ebenso für die Lern- und Weitergabefähigkeit des nachempfindenden Musikers. Mit ausgewählten Werken aus Bachs Gesamtschaffen stellt Domkantor Ansgar Schlei Beispiele in seiner jährlichen kleinen B-A-C-H - Reihe vor. Basierend auf profunden Kenntnissen und gründlichen Überlegungen, in stets neuen Varianten einander zugeordnet als spezielle Akzente in jeder Dommusik-Jahresreihe.

Am Freitagabend nun im Willibrordi-Dom vor einer zahlreichen Hörergemeinde ein Konzert zum 267. Todestag von Bach. Ein Blick vornehmlich in das Schaffen des Thomaskantors Bach, von dem seinerzeit neu komponierte Werke für die Gottesdienste erwartet wurden: Kantaten und Instrumentalstücke. Das Lob Gottes und seiner Schöpfung wurde gesungen. Freude war angesagt. Die sprang auch sogleich auf mit den kraftvoll aufrauschenden Klängen der Fantasie und Fuge g-Moll, BWV 542. Welch eine Prachtentfaltung! Die Marcussen-Orgel unter Ansgar Schleis Händen folgte willig den großen Schwüngen der Musik. Bezaubernde kleine Melodien klinkten sich ein, gerade recht zum Nachsinnen, da meldeten sich schon wieder die flinken Läufe, die beherzt ins Leben ausgriffen und es schön durchlichteten. Eine Festmusik, die Ruhepunkte erst in einer geradezu klassischen Fuge gewährte.

Danach erhob sich ein jugendfrischer, ungekünstelter Sopran. Ekaterina Korotkova, die sich in diesem Jahr vornehmlich in der Kantorei in der kirchenmusikalischen Praxis weiterbildet, stimmte drei Gesänge aus "Schemellis Musicalischem Gesang-Buch" an, Lob- und Danklieder an Gott den Herrn. Die kleine Orgel und ein Cello begleiteten.

Auf der großen Orgel spielte Ansgar Schlei die Bearbeitung über den Choral "Vor deinen Thron tret ich hiermit", BWV 668. Hier im Dom das zentrale Werk, allen irdischen Ehrgeizes enthoben, "demütig", wie Schlei in seiner Einführung erklärt hatte. Eine Legende sagt, dass Bach diesen Choral kurz vor seinem Tod komponiert habe. Die Klangsprache konnte es jedenfalls nahelegen.

Filigranes, luftiges, französisch elegantes Musizieren wehte nun mit der Fantasie G-Dur (Pièce d'Orgue), BWV 572, in den Kirchenraum. Dieses Werk ist das einzige in Bachs Schaffen, in dem sich seine Studien französischer Formen niederschlugen. Alle Linien flossen zusammen und steigerten sich zu einem strahlenden Gesang. Der Zimbelstern der Marcussen-Orgel drehte sich.

Mit natürlicher Anmut holte das Cantabile aus der Sonate für Violine und Basso continuo, BWV 1019a, die Hörer in die etwas irdischer tönende Melodienwelt zurück (Gabriele Nußberger, Violine, und Schlei, kleine Orgel).

Zu einer mitreißenden Preisung des von Gott geschenkten Lebens wurde die Kantate "Jauchzet Gott in allen Landen", BWV 51. Ein kleines Orchester - Gabriele Nußberger an der ersten Violine das Ensemble anfeuernd, Saskia Moerenhout (zweite Violine), Aino Hildebrandt (Viola), Elisabeth Wand (Cello), Eberhard Maldfeld (Kontrabass), Danny Teong (ein hervorragender Trompeter) und Ansgar Schlei (kleine Orgel) - begleiteten die Solo-Sopranistin. Deren erste Arie "Jauchzet Gott" flog empor, bis das Recitativo eine erzählerische Haltung einnahm; die zweite Arie, nur von Orgel und Cello begleitet, sprach den Dank an Gott aus. Nach dem vom Sopran überglänzten Choral "Sei Lob und Preis" band das "Alleluja" alle Kräfte zum abschließenden Festgesang, angeführt von der königlich verkündenden Trompete.

Jetzt, nach dem langen konzentriert durchgehaltenen Zuhören prasselte der Applaus durch die Kirche, ehrlicher Dank an Ansgar Schlei und alle Mitwirkenden. "Aber unsere Ekaterina und den Trompeter besonders hervorheben", wurde der Berichterstatterin beim Verlassen des Domes aufgetragen.

Quelle: RP
 
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