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Hamminkeln
Filmische Liebeserklärung an Loikum

Hamminkeln: Filmische Liebeserklärung an Loikum
FOTO: LVR
Hamminkeln. Die Gemeinschaft macht's aus: Die Volkskundler des LVR haben die "Innensichten eines Dorfs" dokumentiert. Heraus kam ein abendfüllender Film. Die Premiere in der Bürgerhalle war ein großes Ereignis. Von Thomas Hesse

Elf Quadratkilometer Fläche, 1000 Kühe, 800 Einwohner: Das ist Loikum in blanken Zahlen. In einem bemerkenswerten Filmprojekt haben die Volkskundler des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) dem Dorfleben nachgespürt und dem, was es ausmacht, begeisterter Dörfler zu sein. Die Antwort: Gemeinschaft, Nachbarschaft, Herzlichkeit, engagierte Selbsthilfe - darum leben die Menschen so gern in Loikum. Vor der Kamera sprachen sie authentisch, offen und mit einem gewissen Stolz über die Vielfalt des Vereinslebens. Eigentlich waren sie auch Forschungsobjekte bei einer eineinhalb Jahre andauernden Beobachtung mit Begleitung einer Filmkamera.

Regisseurin und Volkskundlerin Dr. Dagmar Hänel war so begeistert, dass sie 18 Monate lang die Loikumer begleitete. 200 Stunden Filmmaterial entstanden, Premiere des auf 90 Minuten komprimierten Films war jetzt in der brechend vollen Bürgerhalle. Die Begeisterung über "Von Blasorchester, Bürgerbus und Bauernhof - Innensichten eines Dorfes" war groß. Der Wiedererkennungseffekt auch, was jede Menge Lacher bei der Vorführung bewiesen. Ein sehr naher, echter Film.

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Kein Bäcker, kein Supermarkt, dafür Kühe, Felder und Windkraftanlagen: Wie lebt es sich in einem Dorf am Niederrhein? In einer vorgeschalteten Talkrunde erzählten Loikumer, warum sie gerne im Golddorf auf Landesebene sind. Wilhelm Eimers, Schützenkönig 2015, will die Schützentradition "fördern, wie es nur geht". Im Film würde das Schützenwesen denn auch als lebenspralle "Institution" vorgestellt. Gärtner Gregor Schweckhorst, gebürtiger Loikumer, findet es als Gewerbetreibender im Dorf "ziemlich entspannt". Man kenne die Kunden und ihren Geschmack. So viel Nähe hat ihren Preis: "Meinen frühesten Blumenstrauß habe ich morgens um fünf im Schlafanzug verkauft - an einen angetrunkenen Herrn, der seine Frau beruhigen wollte." Dorfgeschichten eben. Meike Tenhumberg, die vor drei Jahren von Bocholt nach Loikum kam, hat ihre Heimat gefunden: "So herzlich wie hier war es in Bocholt nicht." Beifall.

Filmemacherin Hänel findet "Loikum richtig schön. Man ist hier ganz schnell beheimatet". Statt eines Dorfs als Forschungsprojekt, das bisher aufwendigste LVR-Filmprojekt, fand sie persönliche Kontakte und die Bereitschaft, offen vor der Kamera zu sprechen. Die entstandene Nähe zeigt sich im liebevoll gemachten Film deutlich. Auf die Idee, nach Loikum zu gehen, ist sie durch Dr. Hermann-Josef Stenkamp gekommen. Er ist Volkskundler-Kollege, Direktor des Industriemuseums Textilwerk in Bocholt - und bekennender Loikumer. Im Film führt er das Kamerateam durch das noch bestehende historische Dorf, dessen Entwicklung sich an den Baustrukturen bis heute ablesen lässt.

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Dann der Film: Das Blasorchester ist ein Dorffaktor und bei vielen Veranstaltungen dabei. Irmgard Stenkamp erzählt, wie die Theatergruppe - nur Frauen - für Lacher sorgt. Die drei Generationen der de Baeys berichten, wie Gaststätte und Bauernhof inmitten des Dorfs zusammenpassen. Der Kirchenchor freut sich, auch im Tenor und Bass gut besetzt zu sein. Überhaupt die Kirche: Sie ist eingebunden, das 475-Jahre-Jubiläum der Pfarrgemeinde St. Antonius ist Sache des ganzen Dorfes. Pastor Pail freut sich. Oder der Martinszug: 1000 Menschen ziehen durch Loikum. August Exo erzählt: "Viele ausgewanderte Kinder kommen mit Familie zu diesem Großereignis zurück." Zum Bauernmarkt sagt er: "Klein, aber sehr kommunikativ." Und ein Zeichen, dass ein Dorf nach vorne schauen und den Wandel selbst gestalten muss. Wie durch den Aufbau des Bauernmarktes und des Landfrauencafés, den Bürgerbus, den 20 Kilometer selbst verlegten Glasfaseranschluss, über den Herbert Tenbusch berichtet, oder den Bau der Bürgerhalle als Bürgerprojekt.

Architekt Theo Büning sagt, wie es dazu kam. Erst sehen, was man selbst bewegen kann, bevor man Dinge von der Stadt verlangt - so sind sie, die Loikumer.

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Bürgermeister Bernd Romanski schätzt diese Haltung. "Das Dorf macht mobil, um selbst etwas zu erreichen, statt gegen etwas zu mobilisieren", sagt er. Der Film mit "erkennbarer Zuneigung zu Loikum" stelle "etwas Nachhaltiges" für die Stadt Hamminkeln mit ihren sieben Dörfern dar.

Quelle: RP
 
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