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Hamminkeln
Filmprojekt gegen Vorurteile

Hamminkeln: Filmprojekt gegen Vorurteile
Für den Imagefilm wurde auch im Oberhausener Hochseilgarten gedreht. Die Aufnahmen von Inga Hanke und Sabrina Berning (beide vom Verein Junge Ilco) haben Simeon Aurora und Christian Wesner (beide Wesner Film, Düsseldorf) gemacht. FOTO: Reinhold Paus
Hamminkeln. Im Selbsthilfeverein Ilco organisieren sich Menschen mit einem künstlichen Darmausgang und Darmkrebs. Jetzt hat der Regionalverband Niederrhein-Westmünsterland einen Film gedreht, um zu zeigen: Selbsthilfe bringt Lebensfreude. Von Marlen Kess

Was haben Ex-Nationalspieler Olaf Thon und Sänger Peter Maffay gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht viel - und doch verbindet die Prominenten etwas: Beide haben das Filmprojekt "Selbsthilfe macht stark" des Ilco-Verbands Niederrhein-Westmünsterland unterstützt. In drei Teilen zeigt darin der Verein, in dem sich Menschen mit künstlichem Darmausgang und solche mit Darmkrebs organisieren, wie Selbsthilfe dort gelebt wird. "Vielseitig, effektiv, lebensfroh und humorvoll" umschreibt der Regionalsprecher Fritz Elmer aus Hamminkeln das.

Elmer ist 66 Jahre alt. 2001 erkrankte er an Darmkrebs, ließ sich operieren und lebt seither mit einem künstlichen Darmausgang, einem sogenannten Stoma. 130.000 Menschen in Deutschland haben ein Stoma, Darmkrebs ist hierzulande die dritthäufigste Krebserkrankung. Ein Stoma ist ein Beutel, in dem sich Urin und Kot sammeln und der nach Bedarf geleert werden kann. Die Beutel sind geruchssicher und hautschonend. "Ich lebe gut damit", sagt Fritz Elmer, "das Beutelleeren gehört wie das Zähneputzen zum täglichen Ablauf dazu." Auch in seinen Hobbys schränke ihn das Stoma nicht ein: Seit Jahren ist Elmer leidenschaftlicher Camper.

Fritz Elmer mit Fußball-Weltmeister Olaf Thon aus Schermbeck. FOTO: Elmer

So gelassen war der 66-Jährige im Umgang mit seiner Erkrankung nicht immer. Das kam erst mit dem Beitritt zur Selbsthilfevereinigung Ilco. Seit 2003 ist er dort aktiv, seit 2010 Regionalsprecher der Gruppe Niederrhein-Westmünsterland. "Meine Tante hat mich zur Selbsthilfe gebracht", sagt Elmer, "um endlich jemanden zu haben, mit dem man reden kann." 200 Mitglieder hat der Regionalverband mittlerweile, regelmäßig finden Treffen statt. Lokale Gruppen gibt es etwa in Dinslaken, Goch und Kleve.

Mit dem Filmprojekt sollen Vorurteile über diese Art von Treffen abgebaut werden. "Selbsthilfe wird oft anders wahrgenommen als sie wirklich ist", sagt Fritz Elmer. Viele dächten bei dem Begriff bloß an einen Stuhlkreis, in dem Betroffene mit hängenden Köpfen über ihre Krankheiten und Handicaps berichten. "Unser Ziel ist es, unsere Selbsthilfe authentisch und humorvoll zu zeigen - so wie sie eben ist", sagt Elmer. Deshalb kommen in den drei Filmteilen viele Ilco-Mitglieder persönlich zu Wort. Außerdem werden die Organisation und ihre Arbeit vorgestellt. Anfang März wurde die erste Folge auf der Homepage des Vereins veröffentlicht, Ende Juli der zweite Teil. Die dritte Folge soll nun Anfang September erscheinen.

Die Idee zum Film hatte Fritz Elmer selbst - bei einem Treffen der Dinslakener Gruppe zum Weltstomatag 2015. "Da hat jemand gefilmt - und auf einmal hatte ich diese fixe Idee", sagt Elmer. "Im Regionalteam ist das auf große Begeisterung gestoßen und wir haben sofort angefangen zu planen." Für die filmische Umsetzung konnte die Gruppe Christian Wesner gewinnen. Der Filmemacher kommt aus Drevenack, arbeitet aber mittlerweile in Düsseldorf. Von Juli 2016 an wurde gedreht, die Arbeiten dauerten knapp ein Jahr. Finanzielle Unterstützung bekam das Team von der Arbeitsgemeinschaft NRW der Betriebskrankenkassen BKK.

Durch persönliche Kontakte eines Schalke-Fans in der Gruppe konnte zudem Weltmeister Olaf Thon dafür gewonnen werden, ein Statement für den Film einzusprechen. Die Titel- und Abspannmusik stammen von Peter Maffay. Die hat Fritz Elmer persönlich besorgt. Er ist ein großer Fan des Sängers und hat ihm kurzerhand geschrieben - und schnell eine Zusage erhalten, die Musik kostenfrei verwenden zu können. "Die Songs und Texte passen einfach gut zu unserer Arbeit", sagt Elmer, "auch sie versprühen Lebensfreude, Witz und Charme."

Quelle: RP
 
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