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Wesel
Finger fanden die richtigen Töne

Wesel: Finger fanden die richtigen Töne
Es schien, als liebkoste der Pianist seinen Flügel - das Publikum war begeistert. FOTO: Gerd Hermann
Wesel. Scipione Sangiovanni beeindruckte beim Weseler Klaviersommer mit seinem gedankenverlorenen Spiel. Mit feinen Klängen von Händel über Bach bis hin zu Wagner überzeugte er auf der ganzen Linie.

Der 17. Weseler Klaviersommer schien dieses Jahr ganz und gar nicht sommerlich zu enden. Doch während es draußen in Strömen regnete, hatten sich der Städtische Musikverein und die Musik- und Kunstschule Wesel mit dem italienischen Pianisten Scipione Sangiovanni ein bisschen Sommer in die Musikschulaula geholt.

Das 27-jährige Talent aus Lecce füllte den Saal mit feinen Klängen von Händel über Bach bis hin zu Wagner. Dabei schien er völlig vertieft in die Musik, warf den Kopf hin und her, schaute gedankenverloren nach oben, beugte sich tief über die Tasten. Die Finger seiner rechten Hand fanden wie kleine Hämmerchen in rasender Geschwindigkeit die richtigen Töne, erzeugten mit Leichtigkeit beeindruckende Läufe. Dann wieder schien Sangiovanni sein Instrument liebkosen zu wollen, strich zärtlich über die Tasten, ließ die Töne sanft ausklingen.

Besonderen Beifall erntete der junge Musiker, der schon zahlreiche nationale und internationale Wettbewerbe gewann und an der Felix-Mendelssohn-Klavierakademie studierte, für die Darbietung seiner eigens umgeschriebenen Version von Antonio Vivaldis ,,Der Sommer" aus "Die vier Jahreszeiten".

Mal friedlich-ruhig wie eine laue Sommernacht, dann anschwellend und energiegeladen wie ein aufziehendes Gewitter, bei dem seine Finger wie schnelle Blitze die Tasten auf- und abzischten, begeisterte er das Publikum, das ihm mit Bravo-Rufen dankte.

Das Konzert in Wesel war für Sangiovanni zugleich auch eine Vorbereitung für einen wichtigen Wettbewerb in Spanien Anfang September dieses Jahres. Dort wird er unter anderem Bachs Chaconne in d-Moll vortragen, was er auch vor der Weseler Zuhörerschaft in der gut gefüllten Musikschulaula nun schon einmal präsentieren konnte. ,,So langsam werden die alljährlichen Klaviersommer immer bekannter - es hat sich herumgesprochen", sagt Klaus Ulrich Schmidt, zweiter Vorsitzender des Städtischen Musikvereins. Sein Traum sei es jedoch, einmal sagen zu müssen: ,,Entschuldigung, diese Veranstaltung ist völlig ausgebucht. Es gibt keine Plätze mehr!"

Vielleicht geht dieser Wusch ja schon beim nächsten Weseler Klaviersommer in Erfüllung.

(kaw)
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