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Wesel
Firmenpleite in Zeiten des Booms

Wesel: Firmenpleite in Zeiten des Booms
Bevor die Firma Haustechnik Koster ihren neuen Firmensitz an der Straße Am Schepersfeld komplett modernisieren konnte, musste sie Insolvenz anmelden. Das Gebäude wird nun vom Weseler Immobilienmakler Tinnefeld zum Kauf angeboten. FOTO: Klaus Nikolei
Wesel. Die 1971 in Wesel gegründete Koster Haustechnik GmbH mit Sitz Am Schepersweg hat Insolvenz angemeldet und den Betrieb eingestellt. Äußerst ungewöhnlich in einer Phase, in der die Auftragsbücher vieler Betriebe prall gefüllt sind. Von Klaus Nikolei

In den nächsten Wochen werden Tausende Kunden der Koster GmbH Post bekommen von Geschäftsführer Rolf Koster. In den Briefen wird der 69-Jährige sein Bedauern darüber zum Ausdruck bringen, dass der traditionsreiche Weseler Sanitär- und Heizungs-Fachbetrieb vor wenigen Tagen einen Insolvenzantrag stellen musste. Folge für die Kunden: Sie alle müssen, wenn sie es nicht schon längst getan haben, einen neuen Fachbetrieb suchen, der bei ihnen die Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten durchführt.

Doch wie ist es zu dem Niedergang der 1971 von Rolf Koster am Drüner Weg gegründeten Firma, die viele Jahre an der Abelstraße ihren Sitz hatte und 2016 ins Schepersfeld gewechselt ist, gekommen? Denn eigentlich lief das Geschäft gut, die Auftragsbücher waren voll. Rolf Koster, der uns im Büro der insolventen Firma zum Gespräch empfängt, will gar nicht lange um den heißen Brei herumreden. "Ich bin schlecht beraten worden beim Verkauf unseres ehemaligen Grundstücks an der Abelstraße, bevor wir nach Schepersfeld gezogen sind", sagt er.

Doch es gibt noch andere Gründe. Und dann zählt Rolf Koster auf: Ausgelöst durch die "schlechte Beratung" berechtigte Forderungen des Weseler Finanzamtes, neue gesetzliche Bestimmungen nach der geplatzten Immobilienblase in den USA vor einigen Jahren, die den Unternehmen das Leben schwer machten. Und nicht zuletzt eine Hausbank, die in Zeiten, als die Koster GmbH kurzzeitig Geld benötigte, nicht mitgespielt habe. "Es war ein Zusammentreffen von mehreren unglücklichen Umständen."

Auch wenn er jetzt, wie er sagt, von dem lebt, was seine Frau verdient, ist Rolf Koster froh, dass praktisch alle Mitarbeiter eine neue Anstellung gefunden haben. Wobei viele Monteure die Firma schon in den vergangenen Monaten verlassen haben. Am Ende standen nur noch ein Dutzend Mitarbeiter auf der Gehaltsliste.

Das schmucke Firmengebäude mit der auffallenden Aluminium-Fassade gehört übrigens nicht der Koster GmbH, sondern der Firma Rolf Koster und soll so schnell wie möglich verkauft werden. Beim Weseler Immobilienmakler Tinnefeld wird das Objekt angeboten. Mit dem Erlös hofft Rolf Koster, seine Verbindlichkeiten begleichen zu können. Gerne hätte er die Sanierungsarbeiten beendet. Doch dazu ist es nicht mehr gekommen.

Lothar Venn (Hamminkeln), der vom Duisburger Amtsgericht bestellte Insolvenzverwalter, bedauert das Ende von Koster sehr. "Zumal in diesem Fall die Insolvenz bis zur letzten Sekunde verzögert wurde. Wäre der Antrag früher gestellt worden, und nicht erst, als schon drei Monate keine Gehälter mehr gezahlt wurden, hätte man sicher noch etwas machen können." Nun aber, wo alle Mitarbeiter gegangen seien, gehe es nur noch um die Abwicklung, so Venn.

Dass in Zeiten, in denen die Auftragsbücher der meisten Handwerksbetriebe prall gefüllt sind, eine Firma Insolvenz anmeldet, ist für die Handwerkskammer Düsseldorf kaum nachvollziehbar. "Es gibt derzeit fast keine Sanierungs- und Krisenfälle", sagt Unternehmensberater Ulrich Lippe, der als Mitarbeiter der Handwerkskammer für die Betriebe am Niederrhein zuständig ist. Meist gehe es um das Problem, dass Firmen keine Nachfolger finden. Dass Betriebe in finanzielle Schieflage geraten, habe meist mit zu hohen Kosten oder Altlasten zu tun, weiß Lippe aus Erfahrung.

Quelle: RP
 
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