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Wesel
Fluchtpunkt Kunst

Wesel: Fluchtpunkt Kunst
Rainer Benien, Bernhard Punzmann, Heike Kemper, Werner Gransow, Frank Kuckuck, Werner Neugebauer und Raúl Avellaneda (v.l.) bei der Präsentation zur Schau im Centrum Gerd Hermann FOTO: Gerd Hermann
Wesel. Die Gruppe Nebelhorn zeigt ab Sonntag ihre große Ausstellung "Flucht" im Städtischen Museum Galerie im Centrum. Von Hanne Buschmann

Im Centrum am Kornmarkt. Im Rondell des Eingangs ein fast mannshohes und -breites, rechteckiges Gitter: ein Käfig. Für oder gegen den Menschen, sein Leben, seinen Geist? Aber der Geist ist doch das eigentliche Leben. Dann kann jenes Ding nur ein Schutzgitter sein. So entschieden Behinderte und Nichtbehinderte der Gruppe Nebelhorn einmütig, als ihr künstlerischer Leiter, der Peruaner Raúl Avellaneda, ihnen als Projektauftakt schweigend den umgitterten Raum hinstellte. Da hinein wollten sie. Damit hatten sie den Knackpunkt des Ausstellungsthemas, mehr!, den Lebensleidens- und Lebensfeierpunkt getroffen.

Wenn der Besucher aus dem Rondell zur Treppe hinunter in den großen Ausstellungsraum geht, brennt ihm von der unteren weißen Wand ein glühend rotes, mit schwarzen Buchstaben -"Flucht" - übernetztes breites Banner entgegen. Auch hierdrin steckt alles: die Farbe der Gefahr und der Lebensleidenschaft, sowie die Farbe des Todes. "Wer hat das denn noch aufgehängt?" fragt Raúl. "Wir von der Stadt" antwortet ein Helfer. "Es bleibt hängen". So war das Glück, eine spontane neue Wirkung des Ausstellungskeimes, genauer: seinen kristallin scharfen, nötigen Aufruf, mitzuerleben.

Sonntag, 5. November, 11.30 Uhr, wird die Ausstellung "Flucht" im Städtischen Museum Galerie im Centrum von Kulturdezernent Rainer Benien und der stellvertretenden Bürgermeisterin Birgit Nuyken eröffnet. In die einzigartige Geschichte des Projekts führt der Spiritus Rector und unermüdliche Mutmacher und Motor Raúl Avellaneda ein. Bitte viel Zeit mitbringen. Der Reichtum der auf vielfältige Weise verbildlichten Gedanken, nicht etwa von addierten Artefakten, kann überwältigen. Hier können nur Beispiele angeführt werden. Zur allgemeinen Erfahrung "Flucht": Flucht vor Krieg, Gewalt, Hunger, Krankheit (im Mittelalter vor der Pest), Überforderung im Beruf, Alter, Einsamkeit, Tod. Der Tod ist allgegenwärtig in dieser realistischen Lebens-Schau, und heilsam gebändigt durch gewitzte satirische Alltagseinsprengsel: Der schwarz lackierte Sarg hinter dem Abtransportgefährt für Abgelebtes hat hinten zwei rote Rückleuchten - Ordnung muss sein. Gestalter dieser Raum-Installation sind behinderte Menschen. Über die Arbeit in Wesels Trapp-Hallen, wozu sich spontan die dort probende TonAkut gesellte (Doku-Film). Ein Schlauchboot erinnert an den gegenwärtigen Flüchtlingsstrom. "Projektthemen entwickeln sich in gemeinsamer Denkarbeit, vorgegeben wird nichts", sagt Raúl. Bilder, gemalt, gezeichnet, fotografiert, collagiert, aus festen Materialien gefügt - ein ganzheitliches brodelndes Elixier. Zu besichtigen bis 17. Dezember, auch samstags, Eintritt frei, Katalog zehn Euro. Es gibt ein Rahmenprogramm mit sechs Veranstaltungen. Die Schau geht später nach Köln.

Quelle: RP
 
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