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Wesel
Flüchtlinge in Sorge um Frau mit Kind

Willkommenskultur: Diese Menschen helfen Flüchtlingen
Willkommenskultur: Diese Menschen helfen Flüchtlingen FOTO: RP
Wesel. Eine Syrerin packt ihre Sachen und verlässt die Notunterkunft mit unbekanntem Ziel. Offiziell gesucht wird sie nicht. Von Klaus Nikolei

In der Weseler Notunterkunft am Lippeglacis herrscht unter einigen der 115 Flüchtlinge Unruhe. Denn eine 24-jährige Syrerin hatte mit ihrem zweijährigen Kind das von Sicherheitskräften bewachte Gelände am Mittwochnachmittag verlassen und war dann bis 21 Uhr nicht zurückgekehrt. Daraufhin informierte das Security-Personal die Polizei. Da es aber keinerlei Hinweise gibt, dass der Frau und dem Kind etwas passiert ist, wird nach den beiden auch nicht gesucht.

Cihan Sarica, der stellvertretende Vorsitzende des Weseler Integrationsrates, kann das nicht so recht verstehen. "Ich organisiere hier den Einsatz ehrenamtlicher Dolmetscher, und darüber habe ich erfahren, dass die Frau die Unterkunft mit Kinderwagen und all ihren Sachen verlassen hat, ohne jemandem etwas zu sagen. Ein Mann, der sich wie ein Vater um die beiden gekümmert hat, weint ständig und ist in großer Sorge. Man müsste jetzt suchen und recherchieren, wo sie geblieben ist", meint Sarica.

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Doch mit dieser Meinung steht er bislang ziemlich allein da. Denn sowohl die Bezirksregierung als auch die Stadt sehen die ganze Angelegenheit vergleichsweise entspannt. Auch wenn der zuständige Dezernent Klaus Schütz im Weseler Rathaus gerne zugibt, dass er im ersten Moment von der Nachricht der vermissten Mutter und ihrem Kind überrascht war. "Aber die Notunterkunft ist nun mal kein Gefängnis. Die Frau, die bislang keinen Asylantrag gestellt hat, ist hier zu Gast und kann sich frei bewegen." Auch das Argument, dass sich alle Bewohner um spätestens 21 Uhr wieder auf dem Gelände der beiden Hallen befinden sollen, lässt er nicht gelten. "Diese Regelung ist nur dazu da, dass es nicht ein ständiges Rein und Raus gibt. Sonst kommt nämlich niemand zur Ruhe."

Im RP-Gespräch erzählt Klaus Schütz davon, dass man Hinweise habe, dass die Frau "verabredet war und mit ihrem Kind abgeholt wurde". Von wem und wo sie sich jetzt aufhalten könnte, weiß niemand. Dezernent Klaus Schütz: "Nochmals: Sie ist Gast und hat sich aus freien Stücken entschieden, die Erstaufnahmeeinrichtung zu verlassen. Es gibt keinerlei Hinweise auf Fremdgefährdung."

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Manfred Schramm, unter anderem Mitorganisator der im sozialen Netzwerk Facebook aktiven Gruppe "Vesalia hospitalis", die bekanntlich im Internet durch Aufrufe erfolgreich Spenden für die Flüchtlinge gesammelt hat, findet die Sache zwar schon ein wenig merkwürdig. Aber auch er geht fest davon aus, dass die Frau freiwillig die Unterkunft verlassen hat. "Allerdings kann ich mir vorstellen, dass ihr diese Sache nicht unbedingt hilft, falls sie irgendwo einen Asylantrag stellen sollte."

Auf den Fall angesprochen, gibt man sich auch bei der für die Flüchtlingsproblematik zuständigen Bezirksregierung Arnsberg vergleichsweise gelassen. "Das sind freie Menschen", sagt Pressesprecher Christoph Söbbeler. Und auch Marlies Hillefeld, Vorsitzende der Weseler Flüchtlingshilfe und Mitglied im Integrationsbeirat, sieht die ganze Angelegenheit wenig dramatisch. Von der RP über den Fall informiert, erklärt sie: "Die Menschen sind dort am Lippeglacis nicht eingesperrt. Die Frau kann also mit ihrem Kind reisen, wohin sie will. Ich hoffe, dass sie sich in guten Händen befindet."

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Gleichwohl gibt sie zu, dass die Sache schon etwas seltsam ist. "Unsere Weseler Asylbewerber sind jedenfalls froh, wenn sie hier sein können."

Quelle: RP
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