| 00.00 Uhr

Simon Bleckmann
"Flüchtlingen zu helfen, ist ein gutes Gefühl"

Simon Bleckmann: "Flüchtlingen zu helfen, ist ein gutes Gefühl"
Wesel. Der 34-jährige Weseler ist Koordinator der Facebook-Gruppe "Vesalia hospitalis", der bereits mehr als 1000 Mitglieder beigetreten sind. Ziel der Gruppe ist es, die bis Oktober in der Notunterkunft am Lippeglacis untergebrachten 125 Menschen zu unterstützen.

Sozialpädagoge Simon Bleckmann (34), der in Moers ein Jugendzentrum leitet und sich in seiner Heimatstadt als Organisator des Esel-Rock-Festivals einen Namen gemacht hat, ist einer der Koordinatoren der kürzlich von Hilmar Schulz gegründeten Facebook-Gruppe "Vesalia hospitalis" ("Gastfreundliches Wesel") mit mehr als 1000 Mitgliedern. Deren Ziel ist es, die seit gut zwei Wochen in der Notunterkunft am Lippeglacis lebenden 125 Flüchtlingen zu unterstützen. Ein Gespräch über Hilfs- und Spendenbereitschaft und darüber, das die Stadt ehrenamtliches Engagement noch stärker als bislang schon unterstützen könnte - durch eine eigene Stabsstelle im Rathaus.

Wie könnte man jemandem, der bei Facebook nicht oder nur sporadisch unterwegs ist, erklären, was bei "Vesalia hospitalis" gerade passiert.

Simon Bleckmann Das ist ein Forum, in dem sich Weseler austauschen, die den Wunsch haben, Flüchtlingen zu helfen. Da werden Fragen gestellt, was die Menschen brauchen, wie man helfen kann. Da äußern sich auch Mitglieder dazu, was sie gespendet haben und dass es sich gut anfühlt, anderen zu helfen.

Und welche Aufgabe habe Sie?

Bleckmann Als einer der Koordinatoren und Administratoren versuche ich, ein wenig Ordnung in die Sache zu bringen. Teilweise lösche ich auch Texte.

Wegen fremdenfeindlicher Äußerungen?

Bleckmann Nein, weil es zu Diskussionen über Fragen kommt, die mit der eigentlichen Sache nicht mehr viel zu tun haben. Oder ich informiere beispielsweise darüber, wo man Kleider- und Schuhspenden abgeben könnte und wie die Situation in der Notunterkunft aussieht.

Wie konnten die vorübergehend in Wesel untergebrachten Flüchtlinge von "Vesalia hospitalis" profitieren?

Bleckmann Wir haben beispielsweise nach Rücksprache mit dem Büro der Bürgermeisterin durch Aufrufe in der Gruppe Dolmetscher gesucht und gefunden sowie der Plüschtier-Sammelaktion zum Erfolg verholfen. Unser Mitglied Carsten Lehmann hat einen Sprinter geliehen und gespendete Tischtennisplatten zur Notunterkunft gebracht. Und in Mo's Jump in-Kiosk an der Grünstraße wurden unter anderem Tabakspenden gesammelt. Rauchen ist eine Sucht. Und ich denke, es ist wichtig, dass die Leute etwas zu Rauchen haben, damit der Lagerkoller nicht zu groß wird. Natürlich sollte man sonst eine Sucht nicht fördern.

Gibt es Ideen, wie man den Flüchtlingen auf Zeit und vielleicht auch den Asylbewerbern helfen kann, die dezentral in Wesel untergebracht sind?

Bleckmann Wir haben uns schon viele Gedanken gemacht. Unter anderem könnten wir uns vorstellen, dass wir ein Fest mit den Flüchtlingen organisieren. Sie sollen spüren, dass sie hier willkommen ist. Und ein anderes Mitglied, Axel Rauer, hatte die Idee mit Hilfe eines von Jakob Wolff entworfener Aufklebers (siehe Foto unten) zum einen Flagge zu zeigen und zum anderen Geld zu sammeln, das den Flüchtlingen in irgendeiner Form zugutekommt.

Was passiert mit der Facebook-Gruppe, wenn die Notunterkunft voraussichtlich Ende Oktober aufgelöst wird?

Bleckmann Es wäre schade, wenn diese Bereitschaft in der Bevölkerung zu helfen, sich ehrenamtlich zu engagieren für andere nicht weiter genutzt würde. Deshalb müsste es meiner Meinung nach im Rathaus eine Stelle geben, die ehrenamtliches Engagement fördert und koordiniert. Einen erfahrenen Experten, der weiß, wie man an Fördergelder kommt und der eine Ehrenamtsbörse betreuen könnte.

Gutes Personal ist nicht billig. Und die Stadt hat bekanntlich kein Geld übrig.

Bleckmann Das weiß ich natürlich. Aber eine solche Stelle könnte helfen, Wesel, in dem ich sehr gerne lebe, noch attraktiver zu machen. Ich muss dringend noch etwas loswerden.

Bitte.

Bleckmann Ich muss an dieser Stelle einmal sagen, wie begeistert ich bin von dem Engagement der Leute. Die Reaktion auf die Facebook-Seite zeigt, was hier in Wesel möglich ist. Wie schnell und unbürokratisch geholfen wurde, ist für mich nämlich das Beeindruckendste an der ganzen Gruppe.

KLAUS NIKOLEI FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
Diskussion
Das Kommentarforum zu diesem Artikel ist geschlossen.