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Wesel
Fuchs, du hast das Huhn gestohlen

Wesel: Fuchs, du hast das Huhn gestohlen
Der Fuchs ist ein Überlebenskünstler und äußerst anpassungsfähig. FOTO: Pixabay
Wesel. Er ertappte den Hühnerdieb auf frischer Tat. An einem Nachmittag der vergangenen Woche hörte Klaus Horstmann seine Hühner aufgeregt gackern und eilte zum Freilaufgehege. "Da stand tatsächlich am helllichten Tag ein Fuchs im Gehege", sagt Horstmann. Von Marlen Keß

"Ich habe ihn verscheucht und ihm sogar eines der Hühner entreißen können. Das hat überlebt, zwei andere leider nicht." Es ist nicht das erste Mal, dass ein Fuchs Hühner von Horstmann reißt. Der 55-Jährige Fachdienstleiter beim Kreis Wesel hält in Hünxe als Landwirt im Nebenerwerb etwa 100 Legehennen in Freilaufhaltung.

So viele Hühner sind es bei Michael Fastring nicht. Er ist Kollege von Horstmann beim Kreis Wesel und leitet den Fachdienst Umwelt. In Schermbeck hält er 15 Hühner. Noch vor zwei Monaten waren es allerdings doppelt so viele. Doch dann kam der Marder und wütete in einem von Fastrings Ställen. "Es ist grausam, das zu sehen", sagt Fastring, gibt aber auch zu: "Dass Tiere von Füchsen, Mardern oder auch Habichten gerissen werden, gehört zum Risiko von Freilandgeflügelhaltern dazu." Auch er hat in der vergangenen Woche einen Fuchs an seinen Ställen gesehen - die Hühner blieben aber verschont.

Die beiden Sichtungen sind nur zwei von vielen momentan. Der Eindruck drängt sich auf: Es gibt wieder mehr Füchse am Niederrhein. "Das Fuchsaufkommen ist so hoch wie lange nicht", sagt der Kamp-Lintforter Biohofbetreiber Klaus Bird und auch Daniela Hippler vom Rassezuchtgeflügelverein Issum sieht das so. Die beiden Jäger Werner Schulte und Alfred Nimphius sprechen ebenfalls von mehr Füchsen am Niederrhein. "Das lässt sich auch an der Zahl der erlegten Füchse belegen", sagt Alfred Nimphius, der der Kreisjägerschaft Wesel vorsitzt, "2014 waren es noch 1440, im letzten Jahr schon 1800 Füchse." Eine Fuchsplage sei das aber noch lange nicht.

Werner Schulte, Leiter des Weseler Hegerings, wiederum beklagt die verschärften Gesetze für die Fuchsjagd, die zu einer Ausbreitung der Füchse geführt hätten. "Den Jägern wurde viel Eigenverantwortung abgenommen", sagt Schulte, "aber das wird sich unter der neuen Landesregierung hoffentlich wieder ändern." Schließlich, so Schulte, seien Füchse nicht nur eine Gefahr für Hühner, sondern auch für heimisches Niederwild: Fasane, Hasen, Rebhühner. Das 2015 erlassene Jagdgesetz soll in der Tat überarbeitet werden, wie das Umweltministerium auf Anfrage mitteilt. Gleichzeitig seien im vergangenen Jagdjahr so viele Füchse erlegt worden wie lange nicht, sagt eine Sprecherin - und das trotz verschärfter Gesetzeslage. Dem Ministerium zufolge sind Füchse in NRW flächendeckend verbreitet und "die Population ist auf einem sehr hohen Stand."

Das bestätigt auch Michael Herbrecht vom Regionalforstamt Niederrhein. "Der Fuchs ist überall, auch in der Stadt", sagt er, "aber das ist auch in Ordnung so." Schließlich sei es eine Freude, Füchse zu beobachten und die größere Gefahr für das Niederwild sei die moderne intensive Landwirtschaft, die Nistplätze, Lebensraum und Futter vernichte. "Außerdem tun Füchse auch etwas Gutes: Sie fressen kranke Tiere und sind damit eine Art tierische Gesundheitspolizei", sagt Herbrecht. Dafür, dass momentan so viele Füchse zu sehen sind, hat Herbrecht indes eine natürliche Erklärung. "Die Tollwut ist ausgerottet und der Fuchs hat kaum noch Feinde", so der Förster, "außerdem müssen die Jungfüchse momentan die Mutter verlassen und neue Reviere erschließen, wodurch es zu deutlich mehr Fuchsbewegung kommt."

Ähnlich sehen das auch Jäger Alfred Nimphius und der Vorsitzende des Naturschutzbundes Wesel, Peter Malzbender. Malzbender hat aber noch eine weitere Erklärung für die große Zahl der Füchse parat. "Das liegt auch am Klima, denn wenn es schon im Frühjahr mild ist, gibt es mehr Futter für die Füchse und mehr Welpen überleben", sagt der Naturschützer. Zudem sei der Fuchs ein Überlebenskünstler und sehr intelligent - "die wissen, wo sie Futter holen können und wie sie ihre Welpen großziehen."

Malzbender nimmt die Hühnerhalter für die Sicherheit ihrer Tiere in die Pflicht. "Man sollte den Fuchs nicht verteufeln", sagt er, "die Geflügelzüchter müssen die richtigen Vorsichtsmaßnahmen treffen." Das sehen auch Klaus Horstmann und Michael Fastring so. Sie schützen ihre Hühner mit Netzen über den Freilaufgehegen, möglichst fuchssicheren Zäunen und abgeschlossenen Ställen.

Quelle: RP
 
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