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Hamminkeln
Fulminanter Start für Romanski

Hamminkeln: Fulminanter Start für Romanski
Bernd Romanski war früher einmal Vorstand beim M-Dax-Konzern Hochtief. Seit September ist er Bürgermeister von Hamminkeln. Zurücktauschen möchte er die Jobs nicht mehr. FOTO: Bretz, Andreas (abr)
Hamminkeln. 100 Tage Bürgermeister: Der neue Hamminkelner Verwaltungschef Bernd Romanski dominiert Themen und Politik, analysiert klar und betont Transparenz. Doch auch seine Bäume wachsen nicht in den Himmel. Von Thomas Hesse

"Sie sehen mich tiefenentspannt" - das sagt Bernd Romanski über seine zeitaufwendige Arbeit als Hamminkelns Bürgermeister. Romanski ist 100 Tage im Amt und hat einen fulminanten Start hingelegt. Er analysiert gut, liest schnell, hat ein gutes Gedächtnis, entwickelt aus wenigen Sachverhalten ein Denkmodell, präsentiert sich sachsicher, ohne ein Aktenfresser zu sein - und er hat einen Plan. Dessen Wirksamkeit ist er sich so sicher, dass der nicht an mangelndem Selbstbewusstsein Leidende stramm seine Linie verfolgt. Er ist dominant und sieht sich selbst so, geht direkt mit der Politik um und keiner Sachdebatte aus dem Weg. In der Verwaltung hat Romanski viele überzeugt statt verschreckt, Kämmerer Robert Graaf sprach gar von "Aufbruchstimmung". Romanski ist präsent auf allen Feldern, immer vorneweg und fängt mit Transparenz eilige Kritik auf. Der Mann, der Tempo macht, ist Hamminkelns Dominator.

Mitunter meint man, wenn der Meister pfeift, läuft die Politik willig hinterher. Die FDP hat ihm gerade eine Supernote gegeben und verzichtet auf Anträge in der Etatdebatte. Die CDU ist bemüht, sich wieder aufzurappeln und bei solcher Gangart eigene Akzente aufzubauen. Die Grünen sind auf sachlich-sympathisierender Schiene, von der USD ahnt man es, weiß es aber nicht. Die SPD holt sich Schlagzeilen mit Steuersenkungsparolen, von denen jeder halbwegs begabte Finanzrechner weiß, dass sie nicht kommen können. Auch SPD-Mann Romanski erkennt keinen Spielraum für Senkungen. Der Verwaltungschef sieht nach 100 Tagen sein Ziel bestätigt, parteineutral und "Bürgermeister für alle Hamminkelner" zu sein.

Er sagt zwar, für ein "erstes Fazit ist es nach dieser Zeit, die gefühlt rasend schnell verging, noch zu früh". Aber er weiß, dass er sich fix in Themen eingearbeitet hat. Er habe schon positive Stimmen gehört, dass er bei Sitzungen rasch Auskünfte geben kann, ohne ausgiebig in Akten blättern zu müssen. "Ich habe auch kein Problem damit, meine Verwaltungskollegen zu fragen, wenn ich etwas nicht genau weiß. Das sind gute Leute", sagt er. Dennoch: Romanski reißt gerne die Themen an sich, delegiert bei öffentlichen Aussagen nur das Nötigste und zeigt als Führungskraft, dass vorne ist, wo er sich befindet. Dazu vermittelt er Bürgern gekonnt, sie zu verstehen und ihm alle wichtigen Infos zu geben, wenn er beispielsweise in Bürgerversammlungen über Flüchtlingsunterkünfte spricht. "Ich habe Empathie für die Bürger", sagt er. Die Flüchtlingsproblematik hat überdeckt, dass Romanskis Start auch holprig verlief. Die gescheiterte Ausschreibung für die Grünschnittsammelstelle war ein Desaster, im Baubereich fehlen Leute, um Genehmigungen schneller abzuarbeiten, einige neue Unterkünfte wurden wegen Mängeln nicht genehmigt, die Grundschule Ringenberg sollte Ende Dezember frei sein, war es aber nicht.

Bemerkenswert ist das handstreichartige Ende der Entschuldungspolitik mit neuen Rekordkrediten. "Die normative Kraft des Faktischen ist: Wir brauchen Raum für Flüchtlinge, es werden 1400 Ende 2016 in Hamminkeln sein. Erstmals sind wir mit unserer Handlungsmöglichkeit vor die Welle gekommen. Wir müssen nicht mehr improvisieren", erklärt Romanski. Doch was ist, wenn die neuen Schulden in die Haushaltssicherung führt, wie die Liberalen öffentlich befürchteten? Alle Steuerhöhungen von 2015 wären verpufft. "Wir arbeiten daran, dass das nicht passiert", sagt der Bürgermeister und wirkt, als habe er den Plan für die nächsten 100 Tage schon fertig. Kann gut sein, dass er seine als sachlich richtige Richtung durchsetzt. Kann auch sein, dass der finanzielle Druck erneut von anderen Themen überlagert wird. Es gibt genug zu tun: Breitbandanschluss, Wohnbebauung, Stadtwerke-Gründung, Betuwe. "Ich habe Spaß an meiner Arbeit", sagt der ehemalige Vorstand des M-Dax-Konzerns Hochtief. Das weltläufige Dasein mit dem kleinen Hamminkeln getauscht zu haben, bereue er nicht.

Quelle: RP
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