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Hamminkeln
Gaststätte Pollmann schließt Ende Januar

Hamminkeln. Mehrhoog: Die kfd-Frauen feiern nächste Woche zum letzten Mal in den Pollmann-Sälen Karneval. Danach legen die Wirtsleute Rosa und Hermann Pollmann den Betrieb still. Künftig sollen bei ihnen nur noch Beerdigungskaffees stattfinden. Von Klaus Nikolei

Bis zuletzt hat Hermann Pollmann gehofft, dass sein Wunsch nach einem Interessenten, der die traditionsreiche Gaststätte am Mehrhooger Bahnübergang als Pächter übernimmt oder den gesamten Gebäudekomplex und die angrenzenden Grundstücke kauft, in Erfüllung geht. Doch nach gut drei Jahren intensiver Suche sehen er und seine Frau Rosa ein, dass es - vorerst jedenfalls - kein Happy-End geben wird.

"Nächste Woche werden die kfd-Damen noch am Mittwoch, Donnerstag und Samstag in unseren beiden Sälen ihre karnevalistischen Sitzungen veranstalten. Und am Sonntag kommen morgens noch unsere Stammgäste, um sich zu verabschieden. Das war's dann", sagt Hermann Pollmann. Dabei klingt der 75-Jährige aber nicht traurig. Er lächelt. So wie seine Frau auch. Beide freuen sich darauf, endlich den Ruhestand genießen zu können, einfach mehr Zeit für sich, das Reisen und die Jagd zu haben. Finanziell ist das Ehepaar abgesichert. Das beruhigt ungemein.

Anders als in der Drevenacker Gaststätte Zum Trotzenberg, die zum Jahreswechsel für immer geschlossen hat, wird es bei Pollmann keinen Räumungsverkauf geben. Alles bleibt - zunächst jedenfalls - wie es ist. Denn in "Notfällen", wie die 69-Jährige sagt, werden sie und ihr Mann die Türen des gastlichen Hauses an der Bahnhofstraße/Tövenerstraße immer mal wieder öffnen. Wobei "Notfälle" für Beerdigungskaffees steht. 30 bis 40 waren es bislang. Ähnlich viele werden es wohl auch künftig sein. Für alle anderen Veranstaltungen - Jahreshauptversammlungen, Jubiläums- oder Geburtstagsfeiern - steht die Gaststätte nicht mehr zur Verfügung. Auch nicht in Ausnahmefällen? Hermann Pollmann lacht verschmitzt. "Auch nicht für beste Freunde, die einen runden Geburtstag feiern wollen. Aus, Schluss."

Zu denen, die die Schließung des Gasthauses zweifelsohne bedauern, gehören unter anderem die Mitglieder des Schützenvereins und des Männerchors. Mit den Präsidenten hatten sich die Pollmanns zusammengesetzt, um nach einer Möglichkeit zu suchen, wie die Vereine aus eigener Kraft und möglichst wenig finanziellem Aufwand den Betrieb aufrecht erhalten könnten. Es wurde viel überlegt, geredet, gerechnet. Am Ende stand die ernüchternde Erkenntnis: Es geht einfach nicht. "Alleine für Versicherungen müssen jährlich 3000 Euro gezahlt werden. Das Geld muss erst mal erwirtschaftet werden", sagt Hermann Pollmann. Der gibt übrigens die Hoffnung noch immer nicht auf, dass sich irgendwann vielleicht doch noch ein Pächter oder Käufer findet. Wobei er sich nicht vorstellen möchte, bei einer Veräußerung aus seinem Elternhaus ausziehen zu müssen: "Das würde der schlimmste Tag meines Lebens." Andererseits möchte der Senior den Wunsch seiner drei verheirateten Töchter (zwei leben in Süddeutschland, eine in Bielefeld) erfüllen, die mit der Immobilie "nichts zu tun haben wollen und sagen: ,Papa, regel das bitte'".

Dass es auch in nächster Zeit nicht leicht sein wird, das Objekt zu verkaufen, ist klar. Zumal irgendwann das dritte Gleis der Betuwe gebaut und nur einen Steinwurf vom Eingang eine Lärmschutzwand den Blick versperren wird.

Quelle: RP
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