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Wesel
Geldanlegen am Niederrhein: Das muss man wissen

Wesel: Geldanlegen am Niederrhein: Das muss man wissen
Per Immobilienfonds in den weltweiten oder in den heimischen Markt investieren. Es gibt viele Formen der Geldanlage. FOTO: pixabay/ema
Wesel. Wie mehrt man sein Vermögen am Niederrhein? Soll man in Immobilien vor Ort investieren, welche Rolle spielen Aktien? Finanzexperten wie die Weseler Volksbanker Wolfgang Hofacker und Matthias Blomen empfehlen, das Geld auf verschiedene Art anzulegen. Von Sebastian Peters

Wie reagiert man auf eine Niedrigzinsphase, auf Phänomene wie Strafzinsen und den Immobilienboom? In einer Serie wollen wir über Geldanlagen informieren und dabei regionale Besonderheiten berücksichtigen. Die wichtigsten Fragen und Antworten. Welche Anlageformen und welche Splittung empfehlen sich für normale Vermögen am Niederrhein? Generell raten Experten zur Aufteilung auf verschiedene Geldanlagen.

Als Vermögen können schon Beträge von einigen hundert Euro gelten. Am Anfang steht eine Einschätzung der persönlichen Risikobereitschaft - von konservativ bis hochspekulativ. "Die meisten verorten sich im Bereich ,risikoscheu' bis ,risikobereit', sagt Wolfgang Hofacker, Bereichsleiter Filialkunden bei der Volksbank Rhein-Lippe. Aus dieser Einschätzung ergebe sich im Beratungsgespräch die empfohlene Aufteilung des Vermögens: Ein risikoscheuer Anleger solle zehn Prozent in Liquiditätswerte (Geld auf dem Sparbuch), 40 Prozent in Geldwerte (Sparbriefe, Wachstumssparen, Anleihen), 20 Prozent in Substanzwerte (Aktien und Aktienfonds), 25 Prozent in Sachwerte (Immobilien und Immobilienfonds) und fünf Prozent in alternative Anlagen (Rohstoffe, Gold) investieren.

Wolfgang Hofacker (l.) und Matthias Blomen. FOTO: ema/BL

Verortet man sich als "risikobereit", solle man 30 statt 20 Prozent in Substanzwerte investieren. "Es gibt individuelle Anlegermentalitäten", so Hofacker. Generell würden alle Bankhäuser dies berücksichtigen bei der Frage, wie der Kunde sein Geld verteilt. "Der Großteil unserer Kunden ist risikoscheu." Aber auch für diese gebe es Wege, einen Teil des Vermögens einer lukrativeren Renditeform zuzuführen.

Matthias Blomen, Wertpapierspezialist der Volksbank, betont: "Wichtig bei der Geldanlage in Zeiten der Niedrigzinsen ist: Ohne Wertpapiere geht es nicht." Wie viel Geld sollte man auf dem Sparbuch halten? Faustregel: Das Zwei- bis Dreifache des Gehaltes oder zehn Prozent des Vermögens. Dabei gebe es Unterschiede zwischen Stadt und Land, so die Experten - die Lebensunterhaltskosten seien auf dem Land geringer, man müsse weniger Miete aufbringen.

FOTO: Malz Ekkehart

Zu viel Geld sollte man nicht auf dem Sparbuch horten. Die Rechnung: Bei einem Vermögen von 30.000 Euro und Annahme einer Inflation in Höhe von zwei Prozent, die die EZB anstrebt, verliere man im Fünfjahreszeitraum 3000 Euro an Kaufkraft. Die junge Generation sei dabei "chancenorientierter", sagt Blomen. In einer Studie von 2016 hat die Bundesbank die wirtschaftliche Lage privater Haushalte untersucht: 99 Prozent verfügen über Giro- und Sparkonten.

Im Durchschnitt liegt der Wert der Giroguthaben bei 4.300, der Sparguthaben bei 29.400 Euro. Die Aktie als Anlageform ist weniger verbreitet. Nur zehn Prozent der Haushalte haben Aktienbesitz. Durchschnittlicher Wert: 39.000 Euro. Wie bewerten Finanzexperten die Aktienanlage? Hofacker und Blomen leugnen nicht, dass für viele Kunden verlustreiche Aktiengeschäfte wie die Telekom die Mentalität nachhaltig geprägt haben.

FOTO: Blomen Volksbank

Dennoch sehen beide in diesen Zeiten in der Beteiligung an Unternehmen Möglichkeiten für Anleger. "Vor 20 Jahren fiel es schwer, sich an Unternehmen zu beteiligen. Heute gibt es immer mehr Chancen für Kleinsparer", sagt Blomen. Über einen langen Zeitraum seien Wertpapieranlagen "unschlagbar". Die Dividende, also die jährliche Ausschüttung an die Anteilseigner, sei ein Anreiz. Laut Dividendenstudie 2016 der FOM-Hochschule, die auch in Wesel einen Sitz hat, zahlten in den Indices wie DAX und M-Dax mehr als vier Fünftel der Firmen eine Dividende, die Quote liegt seit fünf Jahren oberhalb der 80-Prozent-Marke.

Abseits von Dax & Co. nehme die Ausschüttungsbereitschaft ebenfalls zu. Welche Aktien sollte man kaufen, wenn man großes Risiko scheut? Wirkliche Stabilität eines Unternehmens sei in Zeiten immer schnellerer Entwicklungen und kürzeren Zyklen immer schwerer absehbar, sagt Blomen. Über Fondssparpläne, bei denen in verschiedene Aktien investiert wird, sei die Bandbreite größer, das Risiko eines verlustreichen Geschäfts sinke, die Rendite sei stabiler.

Zudem sei bereits ab 25 Euro monatlich ein Kapitalaufbau möglich. Der Kunde könne selbst Entscheidungen treffen, auf welche Art der Beteiligung er setzt, auf einen deutschlandweiten oder weltweiten Aktien-, Immobilien- oder Rentenfonds. Sehr stark an Bedeutung hätten auch sogenannte Multi-Asset oder Mischfonds gewonnen, da diese Fonds flexibel auf Kapitalmarktänderungen reagieren könnten. Wolfgang Hofacker sagt: "Schwierig bei Direktanlegern ist nie der Kauf, aber immer der Verkauf.

" Wenn eine Aktie fällt, könne sich der Kunde nur schwer davon trennen. Über einen Fonds könne die Entscheidung über Kauf und Verkauf rationaler gefällt werden. Wie entwickelt sich der Immobilienmarkt in der Region? Auch in Wesel und Umgebung ziehen die Immobilienpreise an. Der Gutachterausschuss für die Grundstückwerte beobachtet positive Entwicklungen. Kreisweit sind 2016 insgesamt 2571 Grundstücksverkäufe getätigt worden - vier Prozent mehr als 2015.

Wolfgang Hofacker und Matthias Blomen verweisen auch auf neue Zahlen des Bundesverbandes Volksbanken und Raiffeisenbanken: Die Preisdynamik bei Immobilien nahm in 2016 noch einmal zu. In den städtischen Regionen stiegen die Preise für Wohneigentum um 5,5 Prozent nach 3,6 Prozent in 2015. In den ländlich geprägten Regionen zog das Preiswachstum im gleichen Zeitraum von 2,5 Prozent auf 4,0 Prozent an.

Damit liegen die Wohnimmobilienpreise in den dichter besiedelten Regionen Deutschlands knapp 22 Prozent über dem Wert von 2007, in den ländlichen Regionen liegt der Anstieg bei immerhin elf Prozent. Sollte man Immobilien als Geldanlage in Wohnortnähe kaufen oder lohnt sich ein Invest in Großstädten? Eine Studie der Bundesbank zum Privatvermögen deutscher Haushalte zeigt: Genau 50 Prozent aller Haushalte besitzen Immobilienvermögen.

33 Prozent der Haushalte, die in der Immobilie wohnen, die ihnen gehört, besitzen außerdem noch andere Immobilien. Wolfgang Hofacker sagt: "Wir gehen für den niederrheinischen Immobilienmarkt von einer soliden Aufwärtsentwicklung aus." Zur Wahrheit gehört aber auch: Während in den vergangenen Jahren Wesel einen positiven Einwohnersaldo hatte - es kamen mehr Menschen als Menschen wegzogen - sieht die Statistik für die Zukunft negativer aus.

Hofacker engagiert sich in der Weseler Demographischen Gesellschaft und verweist auf neue Zahlen. Im neuen Demographiekompass der IHK schrumpft Wesel in den nächsten 25 Jahren um 5200 Personen. 2040 leben 8,6 Prozent weniger Einwohner hier als jetzt. Hofacker sagt: "Bei der Frage des eigenen Wohnortes, ob Stadt oder Land, wollen wir natürlich keine Empfehlung abgeben. Da muss jeder nach eigenem Gefühl investieren, wo er leben will.

" Ist bei einem Immobilieninvest in Großstadt-Immobilien die Gefahr der Blase größer? Matthias Blomen sagt: "Die Gefahr einer Blase sehen die Experten derzeit noch nicht." Es gebe durchaus auch am Niederrhein Kunden, die in Immobilien in deutschen Großstädten, Berlin oder Köln, investierten. Das könne etwa dann Sinn machen, wenn ein Kind in dieser Stadt studiert, man dieses Kind für einen Zeitraum in der gekauften Wohnung leben lässt, und nachher vermietet.

Generell, so Hofacker, wünsche der Kunde aber regionalen Bezug beim Immobiliengeschäft. Wie kann man sich im Immobiliengeschäft mit Fonds beteiligen? Bei der Volksbank Rhein Lippe gibt es eine stark steigende Nachfrage nach offenen Immobilienfonds. 2,5 bis drei Prozent Rendite warfen diese zuletzt ab. "Für Anleger ist das eine gute Alternative, in Sachwerte zu investieren", sagt Hofacker. Der Vorteil gegenüber der selbst erworbenen Immobilie sei, dass man sich um die eigentlichen Hausangelegenheiten nicht kümmern müsse.

Quelle: RP
 
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