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Schermbeck
Gemalte Erinnerungen geben Halt

Schermbeck: Gemalte Erinnerungen geben Halt
Mit den Bewohnern hat die Künstlerin Laula Plaßmann eine zehn Meter lange Brandschutzmauer im Wohnbereich "Sonnenschein" bemalt. FOTO: Scheffler
Schermbeck. Bilder sind wichtig im Leben von Menschen mit Demenz. In der Seniorenwohnanlage Bossow-Haus am Lühlerheim wurde mit der Bemalung der Brandschutzwände begonnen. Laula Plaßmann hilft dabei mit. Von Helmut Scheffler

Die Zeit der langen, weißen Brandschutzwände auf den Fluren der Seniorenwohnanlage Bossow-Haus ist bald vorbei. Im Wohnbereich "Sonnenschein" kann man schon jetzt sehen, wie es im Verlauf der nächsten Monate auch auf den Fluren der beiden anderen Wohnbereiche aussehen soll. Die Idee zum Bemalen der zehn Meter langen fensterlosen Flurstrecke hatte Angelika Clasen, Leiterin des Sozialen Dienstes. Sie weiß, wie wichtig Bilder sind im Leben von Menschen, die unter einer Demenz leiden. Genauso wichtig war für sie aber die Einbindung der Bewohner in die Gestaltung der Wände.

Als künstlerische Betreuerin konnte Laula Plaßmann gewonnen werden. Die in Heiden lebende jüdische Künstlerin (Jahrgang 1956) absolvierte in Düsseldorf ein freies Kunststudium. Die Ausstellungen ihrer Werke waren in Paris, Antwerpen, Essen, Bochum und Berlin zu sehen. 1980 bis 1985 betrieb sie ein eigenes Modeatelier. Zudem war sie als Bühnenbildnerin und als Kostümberaterin an verschiedenen Bühnen tätig. Eine finanzielle Mitfinanzierung des Projektes im Bossow-Haus übernahm das Diakonische Werk Rheinland-Westfalen-Lippe aus Mitteln der Kollekte "Hilfe für alte Menschen".

Vor etwa einem halben Jahr traf sich Laula Plaßmann mit einem Dutzend Bewohner. In Gesprächen erfuhr sie von deren Erinnerungen an vergangene Zeiten. Aus diesen Mosaiksteinchen der Erinnerungen entstand die Idee, eine Landschaft entstehen zu lassen. Die Grobstruktur des Bildes wurde von fünf aktiven Bewohnern auf die Wand gemalt. Da, wo besonders feine Linienführungen erforderlich wurden, unterstützte Plaßmann die Bewohner. In die zehn Meter lange Landschaft flossen die aus den Erzählungen abgeleiteten Bilder ein. Eine gebürtige Schlesierin konnte sich an eine schöne Baronin erinnern, die in einem Schloss wohnte. An diese Adlige erinnert nun das riesige Wandbild ebenso wie an das Wohnumfeld mehrerer Bewohner, die den größten Teil ihres Lebens auf dem Lande gelebt haben. Badende oder am Ufer eines Sees liegende Personen stehen für Ruhe und Erholung, Tanzende auf einer Wiese für ungebändigte Lebensfreude.

Wer am Werk entlang geht, wird durch etliche im Acrylbild eingearbeitete aufmunternde Worte zu positivem Denken angeregt. Statements wie "Das Leben ist schön", "Alles wird gut" oder "ich strahle die Welt an, dann strahlt sie zurück" sollen ein wenig dazu beitragen, mehr Sonnenschein in den Alltag zu bringen, wie es ja auch der Name des Wohnbereiches nahelegt.

"Das Wir-Gefühl der Bewohner wurde gesteigert", stellte Hausleiterin Beate Romanowski in der Rückschau auf die längere Zeit der Zusammenarbeit zwischen Bewohnern und Künstlerin fest. Ebenso wichtig sei die Stärkung des Selbstwertgefühls gewesen, weil mancher Bewohner an sich Fähigkeiten entdeckt habe, die ihm bislang nicht bewusst waren.

Auf dem nächsten Flur, dessen Brandschutzmauer bemalt werden soll, sollen die Erinnerungen und Erlebnisse der Heimbewohner in ein abstrakteres Bild einfließen. Es wird bewusst eine andere künstlerische Ausdrucksweise gewählt, damit die Bewohner sich während eines Rundgangs besser orientieren können und am jeweiligen Bild erkennen, dass sie wieder auf der eignen Station angekommen sind.

Quelle: RP
 
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