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Niederrhein
Geschichte vom Elefanten Abul Abbas

Niederrhein: Geschichte vom Elefanten Abul Abbas
Die Museumsmitarbeiterinnen Asligül Aysel (l.) und Dr. Andrea Gropp haben die Ausstellung "Häuser der Weisheit" im Kultur- und Stadthistorischen Museum maßgeblich gestaltet. FOTO: christoph reichwein (archiv)
Niederrhein. In der aktuellen Ausstellung des Kultur- und Stadthistorischen Museums Duisburg erfährt man mehr über den Sensationsfund von 1750. Darüber schrieb der berühmte Professor Leidenfrost einen Artikel im "Intelligenzblatt". Von Harald Küst

Es war wohl einer der spektakulärsten Knochenfunde aller Zeiten: Wie Johann Gottlob Leidenfrost (1715 bis 1794), Professor der Alten Duisburger Universität, im so genannten "Duisburger Intelligenzblatt" von 7. Juli 1750 bekanntgab, war es offenbar gelungen, die Überreste des Elefanten Abul Abbas am Rhein - nahe der Lippemündung - zu bergen. Riesige Oberschenkelknochen und Backenzähne, fast 1000 Jahre alt - das waren die ersten Indizien, die den Mediziner faszinierten, als er die ungewöhnlichen Knochenfunde in Augenschein nahm.

Johann Gottlob Leidenfrost beschrieb detailliert die Knochenlänge und Struktur der Backenzähne. Alter, "Überbleibsel des Elephanten" und Fundort der Knochen, deuten darauf hin, dass es sich um den Elefanten Kaiser Karls gehandelt haben könnte, folgerte der Universalgelehrte. Die spektakuläre Geschichte um den Elefanten, der den Namen Abul Abbas bekam, wird in der gegenwärtigen Ausstellung "Häuser der Weisheit" im Kultur- und Stadthistorischen Museum lebendig. So schön die Geschichte um den Elefanten und den Universalgelehrten Johann Gottlob Leidenfrost auch ist: Man muss heute einräumen, dass es gar nicht sicher ist, ob einer dieser Knochen tatsächlich zu dem Elefanten gehört. Die Sache bleibt letztlich ungeklärt, da die Funde verloren gegangen sind. Heute könnte ein DNA-Abgleich endgültige Klarheit bringen. Doch wie kamen Elefantenknochen an den Rhein, nahe der Lippemündung?

Als im Jahr 810 die Wikinger mit 200 Booten in Friesland einfielen, rief Karl der Große seine Truppen zusammen. Nahe der Lippemündung am Rhein sammelten sich die Truppenverbände. Der Herrscher hatte seinen Elefanten Abul Abbas dabei, doch der Dickhäuter begegnete den Wikingern nicht mehr. Kurz nach der Rheinüberquerung verendete offenbar Abul Abbas.

Die märchenhaft anmutende Geschichte des Elefanten Abul Abbas begann in Bagdad - damals ein Weltzentrum der Kultur und Wissenschaft.

Das Kalifat des Harun al-Raschid, das vom Hindukusch bis Maghreb reichte, lag vor gut 1200 Jahren im Streit mit Byzanz. Das beförderte den diplomatischen Austausch mit Karl dem Großen. Ein Indischer Elefant, eine Automaten-Wasseruhr und weitere wertvolle Geschenke sollten symbolhaft das Bündnis mit Karl gegen Byzanz begründen. Der Elefant erregte auf seiner langen Reise naturgemäß gewaltiges Aufsehen. Der Dickhäuter traf nach einem 5000 Kilometer langen Marsch mit dem jüdischen Gesandten Issak im Juli 802 in Karls Aachener Residenz ein.

Die ganze Kaiserstadt war aus dem Häuschen, als das Rüsseltier gemächlich durch die Straßen stampfte. Einen Namen hatte es bald auch: Abul Abbas. Kaiser Karl nahm den Elefanten anschließend mehrfach auf Reisen mit, als "lebende Insignie seiner Macht", schreibt ein Historiker.

Wer mehr über die wissenschaftlichen Leistungen des Islam und die Reiseroute des Abul Abbas erfahren will, sollte die Ausstellung im Duisburger Kultur- und Stadthistorischen Museum besuchen. Die Ausstellung "Häuser der Weisheit" ist bis zum 20. März 2016 im Kultur- und Stadthistorischen Museum zu besichtigen.

Quelle: RP
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