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Wesel
Ginderich freut sich über die "Engländerin"

Wesel: Ginderich freut sich über die "Engländerin"
Marie Therese Bauer vom Verein UNO (Unsere neue Orgel) vor der "Engländerin" bei den ersten Erklärungen. FOTO: Armin fischer
Wesel. Nach ihrer abenteuerlichen Reise ist die Conacher-Orgel aus Liverpool jetzt in St. Mariä Himmelfahrt zuhause. Erstes Konzert beeindruckt. Von Sabine Hannemann

Seit dem Wochenende gibt die Conacher-Orgel in der Gindericher Wallfahrtskirche St. Mariä Himmelfahrt den Ton an. Die Geschichte um eine abenteuerliche Reise einer Orgel aus dem englischen Liverpool ist damit ganz offiziell beendet. Der Straelener Organist Otto Krämer gab nach der Eucharistiefeier vergangenen Samstag ein Orgelkonzert anlässlich der Orgelweihe.

Besucher sprachen im Nachgang von "beeindruckend" und "anmutig". Der Sonntag lud nochmals ein, die "Engländerin am Niederrhein", so ihr Name, näher kennenzulernen. Gebaut von Peter Conacher im Jahr 1887 stand sie im englischen Liverpool. Also in jener Stadt, die eng mit der Geschichte der Beatles verbunden ist. "Vielleicht haben die Beatles diese Orgel schon mal gehört", war eine der Mutmaßungen am Rande eines informativen Nachmittags in der Gindericher Kirche.

Orgelbauer Oliver Schulte aus Kürten im Bergischen Land stand Rede und Antwort. Er hat den langen Restaurierungsprozess fotografisch dokumentiert, damit die Besucher eine Vorstellung von den umfangreichen Arbeiten bekommen, die hinter seinem Team liegen. "In England ist die Aufgabe von Kirchen ein trauriger Trend und noch wesentlich stärker als bei uns. Das Kircheninterieur wird abgebaut. Nur die Orgeln bleiben zurück, so wie diese in einer anglikanischen Kirche", sagt Oliver Schulte, der dank eines Netzwerks alten wie ausgedienten Orgeln eine neue Chance gibt. Von einem Glücksfall auf ganzer Linie spricht er, dass nach 130 Jahren diese Orgel am Niederrhein wieder aufgebaut wurde und erklingt. "Das gute Stück kommt zur Ruhe und muss sich nach dem Aufbau setzen", sagt der Orgelbauer. Maßgeschneidert verliefen die mehrmonatigen Arbeiten und der passgenaue Einbau. Putzen, putzen und nochmals putzen, habe zu den ersten Reinigungsarbeiten gehört.

Im Schnitt werden Orgeln im 15-jährigen Turnus gereinigt. "Aber diese Orgel ist vielleicht zwei Mal seit dem Jahr 1887 gereinigt worden. Sie können sich vorstellen, welche Freude wir hatten, als alles auseinandergebaut war und wir mit den eigentlichen Arbeiten beginnen konnten." Zu den nötigen Arbeiten gehörte auch die Herstellung unzähliger Ledermuttern für die Montage. "Aber es zahlt sich aus. Schließlich soll die mechanische Orgel in Ginderich bei guter Pflege mindestens weitere hundert Jahre stehen", sagt Schulte.

Über Jahre wurde das Orgelprojekt vorbereitet, wie Marie-Therese Bauer erzählt. Ein eigens gegründeter Verein kümmerte sich um Spenden. In neun Jahren kamen die 135.000 Euro zusammen. "Der Verein hat seinen Vereinszweck erfüllt und wurde aufgelöst. Jetzt haben wir den Verein Zur Förderung von Kunst und Kultur gegründet. Er kümmert sich um die Organisation von Konzerten, Ausstellungen, Vorträgen, musikalische Talentförderung." Mittlerweile sind bereits 250 Patenschaften für die Orgelpfeifen der Engländerin vergeben, 948 hat sie insgesamt. Dass die alte Orgel nicht zu sanieren war, ergaben Überprüfungen und Gutachten.

Am 1. Mai, findet mit Annegret Walbröhl, Organistin an St. Ulrich Alpen, ein Orgelkonzert in Ginderich statt.

Quelle: RP
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