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Wesel
Grippe – Folge gebremster Impflust?

Wesel. Die Grippewelle ebbt immer noch nicht ab: ungewöhnlich stark erhöhte Krankheitszahlen und meist langwieriger Krankheitsverlauf. Wo es Schutz-Impfungen gab, werden weniger Erkrankte gemeldet. Von Ann-Marie Flegel

Die Arztpraxen sind voll, die Büros und Werkbänke so leer wie selten, in Schulklassen fehlen die Kinder gleich bankweise. Die Grippewelle ist diesmal härter als gewohnt. "In diesem Winter gibt es deutlich mehr Patienten als in den vorigen Jahren zu der Zeit", sagt Dr. Franz-Joachim Weyers, Sprecher der Ärzte in Wesel. Ein Grund: Im vergangenen Jahr ließen sich deutlich weniger Menschen gegen Grippe impfen. Die Diskussionen um den Impfstoff hätten die Impflust spürbar gebremst, so Dr. Weyers.

Apotheker Michel Jilek sagt, dass "gerade Kinder lange an der Grippe herumhampeln". "Die Grippe zieht sich quer durch alle Bevölkerungsgruppen, wobei Patienten bis 50 Jahre häufiger betroffen sind als die, die älter sind", erklärt er weiter. In diesem Jahr ist es vor allem der trockene Husten, der den Patienten zu schaffen mache. Dieser halte fünf bis sechs Tage lang an und lasse die Erkrankten nachts oft kein Auge schließen.

Nun zeigen sich die Folgen der mangelnden Vorsorge, meinen die Fachleute. Das trifft weniger auf die Betriebe zu, wo auf Impfung der Beschäftigten geachtet worden ist. Wesels Krankenhäuser zum Beispiel oder auch die Polizei in der Kreisstadt melden relativ geringe Krankenstände. So wurden im Marien-Hospital, das knapp 1000 Menschen beschäftigt, im vergangenen Herbst über den Betriebsarzt wie in jedem Jahr hausinterne Grippeschutz-Impfungen angeboten. "Das ist gut angenommen worden", so Hospital-Sprecher Gerd Heiming. Dennoch verzeichnet das Hospital wie viele Unternehmen in diesen Tagen eine erhöhte Anzahl von Krankmeldungen. Genaue Zahlen gibt es allerdings nicht.

Auch bei der Kreispolizei haben sich die 850 Beamten und Angestellten eifrig piksen lassen, so dass es um die Sicherheit in der Region trotz Grippewelle gut bestellt ist. Das Evangelische Krankenhaus in Wesel mit etwa 1000 Beschäftigten plagt sich ebenso wenig mit einer erhöhten Anzahl von krankgeschriebenen Mitarbeitern. Die aber, die's erwischt hat, sind länger krank als üblich, sagt Krankenhaus-Sprecherin Eveline Klingler. Zu Ausfällen in der Patientenversorgung kommt es bisher nicht. Auch hier machten sich die Vorsorge-Impfungen bezahlt. Lücken werden wie bei der Polizei durch Kollegen geschlossen, die eigentlich dienstfrei haben. In Einzelfällen springen Aushilfen oder Teilzeit-Mitarbeiter ein.

In der Kreisverwaltung in Wesel arbeiten rund 1300 Beschäftigte. Davon haben sich im vergangenen Herbst 103 Mitarbeiter im Kreishaus gegen Grippe impfen lassen. Auch hier sorgen Vertretungsregelungen dafür, dass durch trotzdem auftretende Krankheitsfälle keine allzu großen Rückstände auflaufen.

In den Krankenhäusern werden Patienten mit Verdacht auf Influenza isoliert, um die Ansteckungsgefahr in den Griff zu kriegen. Das Personal trägt bei der Behandlung Schutzkittel sowie Hand- und Mundschutz. Zudem werden Türklinken und Handläufe vermehrt desinfiziert. Schutzmaßnahmen, die jeder persönlich treffen kann, sind neben der Impfung auch das Vermeiden vom Menschenansammlungen. Häufigeres und gründliches Händewaschen ist ebenfalls hilfreich. So sind im Marien-Hospital zahlreiche Spender mit Desinfektionsmitteln für die Hände zu finden.

"In der Homöopathie-Hausapotheke gibt es zwei spezielle pflanzliche Mittel – Bryonia und Eupatorium – die nach Rücksprache mit dem Apotheker gezielt gegen Zerschlagenheitsgefühl und Gliederschmerzen helfen", so Jilek. Außerdem helfen Kapseln mit Extrakten aus der südafrikanischen Kapaloe gerade bei Bronchialerkrankungen, die in diesem Jahr so oft vorkommen.

Bei Grippeverdacht sollte man einen Arzt aufsuchen. "Aber man muss zwischen einem grippalen Infekt und der eigentlichen Influenza unterscheiden", erläutert Dr. Weyers. Ein grippaler Infekt äußert sich oft mit leichtem Fieber und Husten. Die Symptome klingen relativ schnell wieder ab. Die Grippe (Influenza) hingegen beginnt schlagartig und mit starkem Krankheitsgefühl. Patienten sprechen davon, dass sie sich "schwer krank" fühlen.

(RP/rl)
 
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