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Hamminkeln
Große Kultur im kleinen Dorf

Hamminkeln: Große Kultur im kleinen Dorf
Das Duo Cassard trat beim 500. Marienthaler Abend in der Klosterkirche mit ungewöhnlichen Instrumenten auf. FOTO: Gerd Hermann
Hamminkeln. Zum 500. Mal brachten die Marienthaler Abende großartige Musik in das Dorf. In der rappelvollen Klosterkirche spielten Cassard ausgesuchte Weihnachtslieder aus Europa auf ungewöhnlichen Instrumenten. Von Thomas Hesse

Der Marienthaler Abend Nummer 500 war eines außerordentlichen Jubiläums würdig. In der ausverkauften Klosterkirche gab es nicht nur viel Beifall und mehrere Zugaben für das Duo Cassard, das mit seinem Programm "Pastorale" ausgesuchte und kaum bekannte Weihnachtslieder unserer europäischen Nachbarn präsentierte. Sondern auch Dank des Kulturkreises Marienthal, überbracht von Karl-Heinz Elmer, an die vielen Mitstreiter und unterstützenden Gruppierungen aus Hamminkelns kleinstem Dorf und Lob von Bürgermeister Bernd Romanski an die ehrenamtlich Aktiven.

Man sei "stolz auf das kulturelle Kleinod". Die Programmmacher bringen seit 32 Jahren große Kultur ins kleine Dorf, erleben einen nie erwarteten Veranstaltungsdauerläufer und haben so Marienthal mindestens in der Region bekannt gemacht. Die Kultur bringt so viel zusätzliches Publikum ins auch touristisch und gewerblich orientierte Marienthal.

Dennoch bleibe noch Luft nach oben, wie Elmer in Richtung Verwaltungschef sagte. Für die Gesamtgestaltung des Dorfes hoffen die Marienthaler auf eine feste Kulturbühne, einen Reisemobilstellplatz und mehr. Wie berichtet, ist dafür Fördergeld über die Regionale 2016 in Sicht. Neuerungen in Kombination mit bewährten Strukturen dürften zusammenpassen, denn die Klosterkirche - hier ist der Kulturkreis dankbar für sein Gastrecht - ist als Veranstaltungsort für die Winterabende unverzichtbar. Im "unschlagbaren Konzertraum" mit seiner hervorragenden Akustik verzichtete Cassard auf jegliche elektronische Verstärkung, was dem ungewöhnlichen Programm und den ursprünglichen, sehr selten zu hörenden Instrumenten eine besondere authentische Note gab.

Das Ergebnis schwankte zwischen gewöhnungsbedürftigen Klängen und aufregender Zusammenstellung alter Winter- und Weihnachtslieder. "Pastorale" hieß das Programm jenseits von "Stille Nacht"-Seligkeit, das Johannes Mayr und Christoph Pelgen zusammengestellt hatten. Feierliche bis volkstümliche Kompositionen aus Schweden, Frankreich, der Bretagne, Spanien und auch im westfälischen Dialekt aus deutschen Landen erforderten Bereitschaft, sich auf eine einzigartige Klangwelt einzulassen.

Dabei erwiesen sich die Beiden als ausgezeichnete Instrumental-Virtuosen, die mit Leidenschaft spielen und sich in ihrer Leidenschaft vom animierend starken Beifall noch höher tragen ließen. Nicht nur als Interpreten traditioneller Lieder überzeugten sie, denn ihre im alten Stil neu und selbst komponierten Melodien fügten sich als Hirtenweisen nahtlos ins Pastorale-Programm ein. Abwechslung schuf Cassard auf doppelter Ebene: Einmal mit munterem Einbeziehen des Publikums als gemeinsamer Chor oder vereinzelter Triangle-Spieler, zum anderen mit dem eigentümlichen Wechselspiel (zuvor erklärter) Spezial-Instrumente.

Hier verzahnen sich Bombarden-Fanfaren mit satten Harmoniumklängen, dort findet ein melancholisches Chalumeau im feinen, folkloristisch klingenden Strich der Nyckelharpa, eine Art Bratsche mit Tasten, ein Pendant. Dudelsack beziehungsweise Sackpfeife und Akkordeon lassen einen staunen angesichts der Klangfülle. Manchmal wird es aber auch aufschreckend laut im Programm mit der etwas anderen Weihnachtsmusik. Die bretonische Schalmei, ein Vorläufer der Oboe, grellt unerwartet schrill und trötenhaft in den Kirchenraum. Über solche Klangerlebnisse wurde noch beim Verlassen der Klosterkirche diskutiert.

Info: Am Sonntag, 3. Januar 2016, 17 Uhr im Hotel Haus Elmer, ist Hans-Peter Körner im Programm zu erleben. Tickets im Vorverkauf kosten 15, an der Abendkasse 18 Euro. Verkaufsstellen: Hotel Haus Elmer, Remise Buch & Kunst, Buchhandlung Korn, Dinslaken und Wesel, Email: info@marienthaler-abende.de.

Quelle: RP
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