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Schermbeck
Großer Zulauf für Initiative gegen Kanal-TÜV

Schermbeck: Großer Zulauf für Initiative gegen Kanal-TÜV
Der Wintergarten der Gaststätte Nappenfeld war so voll, dass die Besucher auch Treppenstufen als Sitzmöglichkeit nutzten. Andere kamen gar nicht erst rein. FOTO: Scheffler
Schermbeck. Bei der Gründungsversammlung der Bürgerinitiative gegen die Dichtheitsprüfung kamen 86 Unterschriften zusammen. Von Isabell Hülser

Kurz vor Beginn der Veranstaltung war kein Reinkommen mehr: der Wintergarten der Gaststätte Nappenfeld platzte aus allen Nähten, Treppenstufen wurden zu Sitzmöglichkeiten umfunktioniert. Knapp hundert Besucher hatten so ein Plätzchen bei der Gründungsveranstaltung zur Bürgerinitiative gegen die Dichtheitsprüfung ergattert, weitere gelangten nicht mehr in den Raum.

"Mit diesem starken Andrang hatte ich selbst nicht gerechnet", erklärte Werner Bischoff von der Wählervereinigung BfB als Initiator dieses Treffens. Am Ende sollte die Bürgerinitiative "Alles dicht in Schermbeck" gegründet werden – und so kam es auch. 86 Unterschriften kamen zusammen. Zudem hat sich eine sechsköpfige Gruppe gefunden, die den Vorstand bilden wird. Neben Werner Bischoff gehören vier Männer und eine Frau zum neuen Team, das bereits nächste Woche seine Arbeit aufnehmen wird.

Denn die Zeit drängt. Nachdem am 9. November die Rechtsverordnung zum aktuellen Kanal-TÜV-Gesetz in Kraft getreten ist, ist es nun an den Verwaltungen, diese in einer Satzung zu bringen und vor Ort umzusetzen. "Mir war sofort klar, es muss was unternommen werden", erklärte Werner Bischoff. Die ersatzlose Streichung dieses Gesetzes, das in Wasserschutzgebieten eine verdachtsunabhängige Dichtheitsprüfung vorschreibt, und die Forderung an die Gemeinde, die Satzung im Rat nicht zu verabschieden, sind die zwei großen Ziele der neu gegründeten Bürgerinitiative.

Denn in Schermbeck sind von der Prüfpflicht rund 75 Prozent der Hauseigentümer betroffen, da ihre Grundstücke im Wasserschutzgebiet liegen (RP berichtete). Private Abwasserleitungen, die vor 1965 entstanden sind, müssen damit bis 2015 geprüft worden sein, neuere bis 2020. Bei Gewerbebetrieben gelten andere Fristen. 300 bis 500 soll so eine Prüfung kosten. "Und was ist, wenn saniert werden muss? Mir liegen Kostenvoranschläge bis 25 000 Euro vor", sagte Uwe Gellrich, Sprecher der Bürgerinitiative aus dem Kreis Borken.

Eine solche Summe könne existenzbedrohend sein. Zudem lägen keine Belege für die Verunreinigung durch undichte Kanäle vor. "Für den Landtag ist die Sache gegessen, die Städte und Gemeinden haben jetzt den Schwarzen Peter", so Gellrich. Seiner Meinung nach müsse die Gemeinde zwar eine Satzung erlassen, die müsse aber vom Rat verabschiedet werden, und der sei nicht weisungsgebunden. "Der Rat soll Übel von den Bürgern abhalten, und sich vor die Bürger stellen", so Gellrichs Forderung. Dafür ist Überzeugungsarbeit nötig. Die will die Bürgerinitiative nun leisten.

Ein weiterer Informationstermin soll schon im Januar stattfinden – wahrscheinlich in Gahlen, wo "fast hundert Prozent der Eigentümer betroffen sind", so Bischoff. "Nicht den Kopf in den Sand stecken. Es gibt eine ganze Kaskade von Klageansätzen", lautete der Tipp von Fritz Pucher vom Dachverband "Alles-dicht-in-NRW". Er forderte, dass die Häuser der Stadträte und öffentlichen Gebäude als Erstes geprüft werden sollten.

Außer Mitgliedern der BfB waren übrigens keine Ratsmitglieder zur Versammlung gekommen. Der Kampf gegen die Dichtheitsprüfung sei ein "sehr langer Weg", wie Gellrich sagte. Mit der Gründung der Bürgerinitiative befindet sich Schermbeck nun auf dem Weg.

Quelle: RP
 
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