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Kreis Wesel/Hamminkeln
Gülle-Gipfel in Hamminkeln geplant

Kreis Wesel/Hamminkeln. Gülletransporte in vieharme Regionen oder Zwischenfruchtanbau: Der Kreis Wesel will in einer "Modellregion Gülle" die Nitratwerte senken. Die Landwirte sind verärgert über den Beschluss. Im Rathaus soll der Streit geschlichtet werden. Von Thomas Hesse und Sebastian Peters

Bei den Landwirten in der Region sorgt die geplante Modellregion für Gülle weiter für Wirbel. Hamminkelns Bürgermeister Bernd Romanski (SPD) hat gestern einen Güllegipfel im Rathaus angekündigt. Mit Vertretern der Ortslandwirte, der im Kreis und Rat vertretenen Parteien, des zuständigen Fachdienstes des Kreises und Vertretern der Stadtverwaltung Hamminkeln will er den Streit klären.

Hintergrund sind die als "schlecht" bewerteten Nitratmengen in der Region. Der Kreis Wesel will deshalb eine "Modellregion grundwasserschonende Landwirtschaft" realisieren. Ausgesucht wurden dafür Agrarbereiche in Brünen und Loikum/Wertherbruch. Im Umweltausschuss des Kreises wurde am 20. September beschlossen, das Modell zu initiieren. Das geschah ohne öffentliches Aufheben, bis ansässige Landwirte Alarm schlugen. Sie waren nicht unterrichtet worden, obwohl mit Udo Bovenkerk (CDU) ein Hamminkelner den Ausschussvorsitz innehat.

Konkret soll mit der "Modellregion" nach Wegen gesucht werden, wie die Nitratbelastung verringert wird. Der Kreis denkt etwa an Zwischenfruchtanbau, das Ausbringen von zwei Fruchtarten auf gleichem Feld oder den Transport von Gülle in vieharme Regionen. Das soll wissenschaftlich begleitet werden. Angedacht sind laut Kreis auch Gespräche über "Kompensationszahlungen mit der Landesregierung, der Landwirtschaftskammer und den Interessenvertretern der örtlichen Landwirte".

Die Parteien nahmen die Planung gestern zum Anlass für gegenseitige Schuldzuweisungen. Die CDU-Kreisvorsitzende Sabine Weiss spricht von "ideologisch motiviertem Aktionismus." Sie verweist darauf, dass noch kein Wasserwerk im Kreis Wesel Alarm geschlagen hat. Die Landwirte würden sich fragen, warum eine Düngemittelverordnung durchgesetzt wird, deren Auswirkung nicht abgewartet werde. Sie stehe an der Seite der Landwirte, die in den vergangenen vier Jahren unter einem grünen Landwirtschaftsminister zu leiden gehabt hätten, so die Christdemokratin. "Jetzt ist das Problem für die Bauern in Düsseldorf gelöst, da fängt es in Wesel von Neuem an." Weiss erinnert in diesem Zusammenhang an die Wasserkooperation zwischen Landwirtschaftskammer und Landwirten, bei der die Bauern in Sachen "Düngen" und "Nitratvermeidung" beraten werden. "Sollten wir nicht abwarten, wie diese Maßnahmen greifen?", fragt die CDU-Kreisvorsitzende. Sie warnt vor Gülle-Tourismus als Lösung der Probleme.

Hamminkelns Bürgermeister Bernd Romanski zeigte sich erbost darüber, dass er nicht informiert worden ist, obwohl mit Udo Bovenkerk (CDU) ein Hamminkelner dem Kreisausschuss vorsitzt.

Im Kern steht die Frage im Raum, wie der Kreis die betroffenen Landwirte informiert, ob er also den Dialog sucht. Wilhelm Neu, Sprecher der Kreislandwirte, kann dieses Bemühen nicht erkennen. Er sagt, die Landwirte würden seit Jahren an Verbesserungen im Düngemanagement arbeiten. "Da ist es schon unverfroren, wenn seitens des Kreises behauptet wird, die neue Düngeverordnung wirke nicht, obwohl diese noch gar keine Anwendung gefunden habe." Aus Sicht der Landwirte führt die neue Düngeverordnung mit ihren vielfältigen Vorgaben zur Düngeplanung, Bilanzierung und veränderten Sperrfristen zu vielen neuen Herausforderungen, die sich auch auf die Struktur der Landwirtschaft im Kreis Wesel auswirken können.

Die Grünen wiederum begrüßten die Maßnahme einer Modellregion. Ulrike Trick, stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Kreis, sagte: "Unbestrittene Tatsache ist, dass viele Grundwasserkörper im Kreis Wesel in einem schlechten Zustand sind. Unbestrittene Tatsache ist auch, dass die landwirtschaftliche Düngung zu einem guten Teil dazu beiträgt. Wenn sich der Trend nicht ändert, müssen die Wasserwerke die Wasserqualität aufbessern - mit den entsprechenden Konsequenzen für den Wasserpreis."

Quelle: RP
 
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