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Wesel
Gutachter schlägt Fusionen von Weseler Sportvereinen vor

Wesel. Der Plan birgt Zündstoff: Im Weseler Rat hat gestern ein Gutachter Pläne zur Verschmelzung von Sportvereinen vorgestellt. Die Politik reagiert zurückhaltend. Druck soll nicht ausgeübt werden. Von Sebastian Peters

Es sind teils dramatische Zahlen, die Stefan Eckl vom Stuttgarter Institut für Kooperative Planung und Sportentwicklung (ikps) gestern im Weseler Rat präsentiert hat. Die Weseler Bevölkerung nimmt das Vereinssportangebot in der Stadt deutlich weniger an, als dies in anderen Städten der Fall ist. Um 8,2 Prozent ist die Zahl der Mitglieder in allen Weseler Sportvereinen seit 2011 zurückgegangen, deutlich weniger Frauen als in anderen Städten sind in Wesel im Vereinssport aktiv. Überhaupt sind nur 25 Prozent der Bevölkerung im Vereinssport organisiert. Eine vorgeschlagene Maßnahme der Gutachter: Die Vereine in Wesel sollen fusionieren. "Das ist nötig", sagte Eckl vor den Politikern im Stadtrat, die den 160-seitigen Bericht mit einem breiten Vorschlagskatalog zunächst nur zur Kenntnis nahmen. Frei werdende Kapazitäten sollen dann für den nicht im Verein organisierten Sport genutzt werden können.

Noch sind es Pläne auf Papier. In der Weseler Sportwelt sorgt das aber längst für Debatten. Unter anderem erwähnte Gutachter Eckl den Plan, Viktoria und WSV gemeinsam im Auestadion spielen zu lassen - Vorbote einer Fusion? Erste Funktionäre reagieren schon. Werner Bohm, Jugendleiter von Viktoria, kritisiert in einem Schreiben an unsere Redaktion den Plan: "Die Empfehlung, mit dem Weseler Spielverein im Auestadion zu fusionieren, wäre politisch vergleichbar mit einer Fusion zwischen SPD und CDU. Eine Nutzung des RWE-Auestadionhauptplatzes wird erfahrungsgemäß auch zukünftig nur eingeschränkt für den Fußballsport möglich sein, da der WTV dort alle Kapazitäten benötigt. Um dann als Fusionsverein außerhalb der Innenstadt neben dem Auestadion auf Kunstrasen spielen zu können, wäre es aus unserer Sicht besser, die absolut ausreichenden und ausbaufähigen Platzkapazitäten des Lippestadions zu nutzen und den dortigen Tennenplatz mit Kunstrasen zu versehen." Viktoria wolle im Lippestadion bleiben, betonte Bohm. "Das seit Jahren in der Bevölkerung vorangetriebene Gerücht, dass das Lippestadion aufgrund der Umgehung Bauland werden soll, hat sicherlich zu einer falschen Beurteilung des Lippestadions innerhalb der Bevölkerung beigetragen. Diesbezüglich gibt es keinerlei Ratsbeschluss und Viktoria Wesel benötigt nach wie vor die Platzkapazitäten. Ohne Lippestadion und mit einer Fusion gibt der zweitgrößte und älteste Weseler Fußballverein seine Identität und Existenz auf."

Die Politik äußerte sich im Bezug auf die Fusions-Vorschläge gestern auffällig zurückhaltend - sie weiß um die Vorbehalte. Ludger Hovest (SPD) sagte: "Fusionen können sinnvoll sein, aber nur im Konsens. Wenn es Bereitschaft gibt, machen wir es. Sonst nicht." Bernd Reuther (FDP) lobte besonders den Vorschlag der Gutachter, die Stelle eines Sportbeauftragten in Wesel zu schaffen. "Der Plan muss jetzt mit Leben gefüllt werden." Die FDP sei treibende Kraft bei der Forderung gewesen, den Sportentwicklungsplan umzusetzen. Jürgen Linz (CDU) begrüßte das Verfahren, äußerte sich aber zu einer zusätzlichen Stelle eines Sportbeauftragten kritisch. Jürgen Lantermann (WfW) kritisierte wiederum insbesondere die Tatsache, dass über finanzielle Auswirkungen sowie die mögliche Weiterverwendung künftig freier Sportflächen keine Aussagen getroffen werden.

Auch zu weiteren Sportanlagen äußern sich die Gutachter. Das Lippestadion mit 55.000 Quadratmetern Fläche solle in Teilen zu einem Zentrum für den Freizeitsport werden. Auf dem Fusternberg könne eine Freizeitsportanlage entstehen, die auch für den Schulsport genutzt werden kann. Am Molkereiweg platzt der PSV aus allen Nähten, hier wird eine Umwandlung von Rasen- in Kunstrasenplätzen vorgeschlagen. Für Büderich und Ginderich wird ein neuer Sportstandort in Erwägung gezogen, den sich beide Vereine - auf neutralem Grund - teilen. Auch im Weseler Norden könne ein Fußballzentrum mit Kunstrasenplatz nötig werden.

Sportdezernent Rainer Benien brachte zum Ausdruck, dass die Stadt durchaus einzelne Bestandteile der Vorschläge umzusetzen gewillt ist: "Die eigentliche Arbeit beginnt erst jetzt." Er lobte das Verfahren, das zur Erstellung des Sportentwicklungsplans gewählt wurde. Für die Bedarfsanalyse waren Fragebögen zum Sport in Wesel an 10.500 Bürger geschickt worden, 1664 Antworten gingen ein. Zudem beteiligten sich alle Schulen und 74 der 115 Weseler Sportclubs, die 77 Prozent der Vereinsmitglieder repräsentieren, an der Fragebogenaktion. Vier Arbeitssitzungen folgten dann.

Quelle: RP
 
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