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Thomas Kolaric
"Guter Pächter wie Sechser im Lotto"

Wesel. Vor allem in ländlichen Gebieten ist es für verkaufswillige Eigentümer von Hotels und Restaurants schwer, geeignete Interessenten zu finden.

Herr Kolaric, ist es so, dass es in ländlichen Gebieten besonders schwierig ist, einen gastronomischen Betrieb zu verkaufen, oder täuscht der Eindruck? Sie als Geschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Nordrhein haben da ja den Überblick.

Kolaric Es ist so, wie Sie vermuten. Das hat in vielen Fällen etwas mit der Historie zu tun. Da gab es, viel öfter als in Städten, große Höfe, die neben der Landwirtschaft eine Kneipe errichteten und sich dann im gastronomischen Angebot vergrößert haben. Die haben schon einen großen finanziellen Wert aufgrund ihrer Bausubstanz und vielleicht hängen dort noch Grundstücke dran. Aufgrund der guten Nachfrage in der Vergangenheit sind dann über Jahre und Jahrzehnte immer mehr solcher Betriebe dazugekommen, die zum Teil heute nicht mehr oder nicht mehr ganz marktgerecht sind. Ein weiterer Grund besteht in der Nachfragesituation durch potentielle Käufer. Weniger potentielle Käufer leben nun mal auf dem Land. Wobei ich Wesel natürlich nicht zum ländlichen Bereich zähle. Naturgemäß interessieren sich in dichtbewohnten Städten auch mehr Menschen für eine lehrstehende Immobilie, auch für eine gastronomisch genutzte, als wenn man etwas außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung liegt.

Aber es gibt doch auch Hotels und Restaurants auf dem platten Land, die sehr wohl in der öffentlichen Wahrnehmung stehen.

Kolaric Dann handelt es sich in der Regel um Betriebe, die eine Marke sind, die im Kreis oder auch überregional so bekannt sind, dass über sie gesprochen wird.

Wäre das Landhotel Voshövel in Schermbeck-Weselerwald ein passendes Beispiel für eine Marke ?

Kolaric Richtig. Aber glücklicherweise haben wir im Kreis Wesel eine ganze Reihe von Betrieben, die überregional bekannt sind.

Wird der Hotel- und Gaststättenverband nicht auch angesprochen, um beim Verkauf oder der Verpachtung zu helfen?

Kolaric Weil jeder weiß, dass eine Immobilie nicht besser wird, wenn sie leersteht, bespielen Verkaufswillige jeden Kanal, von dem sie glauben, dass er etwas nützen kann oder könnte. Es stimmt tatsächlich, dass mich vielleicht eine Handvoll Verkäufer pro Jahr bitten, ihre Immobilie im Gedächtnis zu behalten. Dazu kann ich nur sagen, dass man mich da maßlos überschätzt. Ich habe schlichtweg so gut wie keine Nachfragen nach Immobilen. Und das ist auch gut so, weil es nicht zu unserer verbandlichen Kernkompetenz gehört.

Ein Grund, dass es so schwer ist, Lokale zu verkaufen, liegt doch auch daran, dass Gründungswillige nicht leicht an einen Kredit kommen.

Kolaric Das ist ein Grund, warum es mit einer Übernahme manchmal nicht klappt. Die berechtigten finanziellen Forderungen des Eigentümers können von Interessenten nicht erfüllt werden. Ein weiterer Grund: Die Gastronomie ist auch sehr arbeitsintensiv - im Bereich Service und Küche. Dazu braucht man neben den fachlichen Kenntnissen auch Disziplin, man sollte eine Unternehmerpersönlichkeit sein und über die notwendigen finanziellen Mittel "auf Strecke" verfügen. Da wird es oft eng auf der Nachfragerseite. Ich sage, wem es gelingt, einen Betrieb erfolgreich auf lange Jahre an einen Pächter abzugeben, das ist wie ein Sechser im Lotto.

Es gibt für den Waldhof, der in Wesel besser als Friedenswäldchen gekannt ist, offenbar einen Interessenten, der dort türkische Hochzeiten feiern möchte. Was halten Sie davon?

Kolaric Ich weiß, dass es Familien gibt, die in Köln oder auch in Essen sehr erfolgreich solche Großveranstaltungen mit mehreren hundert Gästen organisieren. Das ist ein expandierender Markt, für den man die notwendigen Räume und das erforderliche Know-how benötigt.

Haben Sie eigentlich jemals in der Gastronomie gearbeitet?

Kolaric Nein, nie. Ich bin Volljurist. Aber ich gehe sehr gerne essen und freue mich über jedes gut geführte Hotel und jedes gut gehende Restaurant. Vor allem, wenn die Inhaber Mitglieder bei uns sind.

KLAUS NIKOLEI FÜHRTE DAS GESPRÄCH

Quelle: RP
 
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