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Hamminkeln
Hamminkeln buhlt um Bocholter Firma

Hamminkeln: Hamminkeln buhlt um Bocholter Firma
Der Firmensitz von Party Rent in Bocholt. FOTO: Party Rent Group
Hamminkeln. Weil die Firma Party Rent an ihrem Bocholter Standort Probleme hat, wirbt Hamminkeln um den interessanten Gewerbesteuerzahler. Doch die Größe der geforderten Gewerbefläche ist eine Herausforderung für die Stadt. Von Thomas Hesse und Sebastian Peters

Die Bocholter Eventfirma Party Rent will ihren Standort in der Nachbarstadt erweitern. Berichten zufolge ist sie über Bocholts Verwaltung verärgert, weil dem Eventausstatter nicht genehmigt werden soll, auf einem 6000 Quadratmeter großen Grundstück im Mussumer Industriepark eine Lagerhalle zu bauen sowie die Ein- und Ausfahrt zu vergrößern. Ein Grünstreifen mit 40 Jahre alten Bäumen ist das bauplanerische Hindernis. Der Streit schwelt seit geraumer Zeit - und er ist eskaliert. Party Rent verhandelt nun mit Hamminkeln über einen neuen Standort.

Und die Stadt ist bereit, in die Bresche zu springen. Sie lockt die Aussicht auf einen interessanten Gewerbesteuerzahler. Die Firma schaut sich aber auch in Isselburg um, wo es nächste Woche einen Besichtigungstermin geben soll, sowie in Rhede, wo aber keine Alternative in Sicht sein soll. Die Party Rent Group bezeichnet sich selbst als Europas führender Verleih von Event Equipment, bei dem man unter anderem Porzellan, Gläser, Besteck, Tische, Stühle und Loungemöbel mieten kann. Ein großer Fisch also.

Das bemerkenswerte Buhlen unter Nachbarn um ein Unternehmen hat in Hamminkeln zu erheblichen Aktivitäten geführt. Bürgermeister Bernd Romanski (SPD) hat ein Treffen mit der Firma Party Rent und seinem Gründer Joris Bomers am 29. November bestätigt. Er geht davon aus, dass die Unternehmensentscheidung, Bocholt zu verlassen, gefallen ist. Allerdings sind die mittelfristigen Erweiterungswünsche so groß, dass sie aus dem Hamminkelner Grundstücksvorrat heraus nicht zu befriedigen sind.

Joris Bomers bestätigte gestern, dass Hamminkeln einer der Kandidaten ist. "Es sind noch einige Unsicherheiten." Auch andere Kommunen hätten sich gemeldet, gestern erst die Stadt Borken. Gesucht werde ein Grundstück von mindestens 50.000 Quadratmetern Größe. Und es solle nicht zu weit weg von Bocholt sein. "Wir haben hier die besten Mitarbeiter der Welt. Deshalb würden wir niemals ins Ruhrgebiet ziehen", sagt Bomers. Die Zeit dränge, deshalb könne schon nächste Woche eine Entscheidung fallen.

Jetzt stehen zeitnah Verhandlungen mit dem Regionalverband Ruhr (RVR) an, um an ausweisungsfähige Flächen zu kommen. Hamminkeln versucht bekanntlich, über den Weg von Tausch von Bauland, das zwar ausgewiesen, aber seit Jahrzehnten nicht genutzt wird, neue Ansiedlungsflächen zu gewinnen. Die Oberbehörde sagt bis jetzt, dass die Stadt zusammengerechnet über genügend Bauland verfügt. Zuletzt abgewiesen wurde der Versuch, Flächen zwischen Weikensee und beidseitig an der A 3 zu bekommen.

"Als ich gelesen habe, dass die Firma Party Rent in Bocholt unzufrieden ist, war ich nicht überrascht, als sie sich zum Gespräch angemeldet hat. Es hat intensive Gespräche gegeben", sagt Romanski. Es gebe "zwei, drei Grundstücksideen", man prüfe nun die Realisierbarkeit - und habe alles in die Wege geleitet, um mit den Oberbehörden sowie den Grundstückseigentümern zügig zu verhandeln.

Dass ein Termin schon steht, ist ein Beleg dafür, wie ernsthaft die Stadt Hamminkeln die Noch-Bocholter Firma zum Wechsel bewegen will. Das scheint auch nötig, denn Party Rent soll sich einen strikten Zeitplan gegeben haben. Falls Hamminkeln diesen halten könne, sei es Sache des Rates, über einen Grundstücksverkauf zu entscheiden, so der Bürgermeister.

Das ist klar, ohne entsprechende politische Entscheidung ist die Ansiedlung nicht umsetzbar. "Es ist meine Verpflichtung, alles zu tun, um einen Gewerbesteuerzahler zu holen", sagt Romanski zu seinen Bemühungen, die durchaus geeignet sind, die nachbarschaftlichen Beziehungen zu stören. Mit Selbstbewusstsein, denn das Thema ist Chefsache. Die von ihm eingestielte Struktur, im Rathaus Wirtschaftsförderung, Bauplanung und Stadtentwicklung beim Bürgermeister zu konzentrieren, habe sich angesichts der vielen Hamminkelner Projekte (Raiffeisenstraße, Brüner Straße) bewährt.

Quelle: RP
 
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