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Hamminkeln
Hamminkelner Willkommenskultur lebt

Hamminkeln: Hamminkelner Willkommenskultur lebt
Parteivorsitzender Norbert Neß begrüßte die Gäste, sprach unter anderem über die Eckpfeiler der Flüchtlingspolitik aus seiner Sicht. FOTO: Herrmann
Hamminkeln. Der CDU-Neujahrsempfang mit Neuerungen geriet sehr munter. Im Mittelpunkt stand ein Flüchtlings-Talk. Von Thomas Hesse

Es müssen nicht immer Promis wie Gesundheitspolitiker Jens Spahn oder Bundestagspräsident Norbert Lammert sein, um Besucher zum CDU-Neujahrsempfang zu locken. Parteivorsitzender Norbert Neß war sich nicht sicher, ob das lokal konzipierte Format - neue Musik, neuer Bürgermeister, neues Talk-Format - funktionieren würde. Es klappte, wie der rappelvolle Ratssaal gestern zeigte, weil das Thema "Willkommenskultur in Hamminkeln" den (orts-)politischen Brennpunkt traf.

Und weil es menschelte, als Zahnärztin Neda Khatonabadi aus Dingden ihre Hamminkelner Flüchtlingsgeschichte erzählte und Bundestagsabgeordnete Sabine Weiss in der Talkrunde ihre politischen Überzeugungen zur Integration platzierte. Zwei Botschaften blieben hängen: "Wir schaffen das (in Hamminkeln)", weil Ehrenamtliche und das dauerbeanspruchte Rathaus den Weg ebnen. "Integriert Euch und nehmt den Spracherwerb ernst", rief zweitens Neda Khatonabadi den Zuwanderern zu, von denen einige beim Empfang waren. Die dritte Botschaft war die Veranstaltung selbst: Die Willkommenskultur in Hamminkeln lebt.

Neß setzte in seiner Begrüßung die Koordinaten der Flüchtlingspolitik so: "Wer zu uns kommt, muss sich ohne Wenn und Aber an die Spielregeln halten, die Gesetze und die Polizei respektieren. Aber wenn Menschen zu retten sind, muss man handeln und helfen." Die Folgen für die Stadt sind unter anderem Ausbau von Kita- und Schulkapazitäten und eine Neujustierung in der Dingdener Schulstandortfrage (RP berichtete). Neß: " Es wäre Wahnsinn, Dingden aufzugeben. Wir brauchen den Schulstandort jetzt erst recht." Dies griff Bürgermeister Bernd Romanski auf: "Wir müssen anders über den Standort Dingden denken als vor Monaten." Heute ist das Thema im Fachausschuss. Die Flüchtlingslage verlange der Stadt alles ab, auch finanziell. "Der Haushalt hat alle Einsparungen und Kreditrückzahlungen umgehauen. Der Bund muss den Kommunen dringend entgegenkommen."

Unter anderem, damit Hamminkeln seine Willkommenskultur behält und der Einsatz der vielgelobten Flüchtlingshelfer hoch bleibt. Neda Khatonabadi (39) - die RP hat sie bereits in einem Porträt vorgestellt - hat erlebt, wie wichtig das Willkommen ist. "Es zeigt, wie offen eine Gesellschaft ist. Es gibt den Flüchtlingen das Gefühl, hier eine Perspektive zu haben." 1996 kam sie ins Containerdorf in der Belenhorst, lebte mit ihrer Familie zwei Jahre und vier Monate in der Enge, benötigte zehn Jahre für ihren Aufenthaltstitel, fand Betreuung in der Gruppe um Josefa Sonders, machte Abitur am Abendgymnasium, studierte und ist heute Zahnärztin in Dingden. "1996 war für mich Hamminkeln das Ende der Welt, heute weiß ich, es war das Beste, was mir passieren konnte", sagte die Frau, die aus einer Medizinerfamilie stammt und vor der islamischen Diktatur aus Isfahan (Iran) geflüchtete war. Die Behörden-Odyssee, die sie hier erlebte, veranlasste sie zu dem Wunsch: "Die Prozesse dürfen nicht mehr so lange dauern."

Sabine Weiss: "Wir tun, was wir können, um Verfahren zu beschleunigen. Wir verändern nach Köln die Rechtslage. Wir arbeiten ganz stark für die Integration." Die ehemalige Dinslakener Bürgermeisterin sagte, dass die Klärung des Bleiberechts schneller geschafft werden müsse. Sie wandte sich gegen vermeintlich schnelle Lösungen, die Rechtspopulisten propagieren. Für Europa werde 2016 das "Schicksaljahr". Für ihr Ja zum "Wir schaffen das", bekam sie Beifall. Aber die harten Konfliktpunkte, die der Union aktuelle Punkte in der Wählergunst kosten, ließ sie außen vor.

Quelle: RP
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