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Kreis Wesel
Handwerk will Flüchtlinge ausbilden

Kreis Wesel: Handwerk will Flüchtlinge ausbilden
In der Metzgerei Lemken wurde die Initiative vorgestellt. Von links: Günter Bode, Josef Lettgen, Guido Lohmann, Karl Heinz Theußen, Dr. Wolfgang Burgbacher, Ludger Lemken und Dr. Wolfgang Schneider. FOTO: Armin Fischer
Kreis Wesel. Die Betriebe im Kreis Wesel stellen ab sofort 25 Praktikums- und Ausbildungsplätze zur Verfügung. Voraussetzung seien gute Grundkenntnisse der deutschen Sprache und die Arbeitserlaubnis der Ausländerbehörde. Von Heidrun Jasper

Die Botschaft ist deutlich: Kreishandwerkerschaft und Volksbank Niederrhein, die bereits Mitte des Jahres mit dem "Dialog für Ausbildung" eine Initiative gestartet haben, um mehr junge Menschen für eine Ausbildung im Handwerk zu gewinnen, wollen ein Signal setzen und auch jungen Migranten Ausbildungsplätze anbieten. "Das Handwerk steht bereit zur Integration von Flüchtlingen", so Kreishandwerksmeister Günter Bode; "unsere Handwerksbetriebe im Kreis Wesel stellen ab sofort 25 Praktikums- und Ausbildungsplätze zur Verfügung". Voraussetzung seien gute Grundkenntnisse der deutschen Sprache und der notwendige Stempel (die Arbeitserlaubnis) der Ausländerbehörde.

In einem Pressegespräch stellten Volksbank-Chef Guido Lohmann, Günter Bode und Josef Lettgen von der Kreishandwerkerschaft und Metzgermeister Ludger Theußen, seines Zeichens auch Vorsitzender der Interessengemeinschaft Gewerbetreibender Xanten (IGX), die neue Offensive vor. Mit Karl Heinz Theußen vom Moerser SCI, Dr. Wolfgang Schneider vom Arbeitskreis Asyl in Xanten und Dr. Wolfgang Burgbacher von der im Dezember gegründeten Flüchtlingshilfe Alpen hatten die Initiatoren gleich wichtige Partner im Boot, um möglichst schnell und unbürokratisch Betriebe und arbeitssuchende Flüchtlinge zusammen zu bringen. "Wir müssen in den nächsten Jahren einen massiven Fachkräftemangel befürchten", so Günter Bode. Das Handwerk leide stark unter fehlenden Auszubildenden, und unter den Asylsuchenden, die bereits ein Bleiberecht erhalten haben, gebe es mit Sicherheit Menschen, "die motiviert sind und arbeiten wollen", ist Bode überzeugt.

Theußen vom SCI Moers, bei dem junge männliche Flüchtlinge täglich sechs Stunden in den Werkstätten oder gemeinnützig in der Stadt arbeiten, kann das nur bestätigen. Allerdings dürften die Organisationen, die vor Ort in der Flüchtlingshilfe aktiv sind, nicht aus Mildtätigkeit handeln und junge Menschen in Handwerksbetriebe schicken, die sich absolut nicht für eine Ausbildung in diesem oder jenem Zweig eignen. Theußen: "Der Pott muss unter den Deckel passen!".

Ob man Migranten, die vormittags Crash-Kurse in deutscher Sprache besuchen, nachmittags nicht in den ein oder anderen Handwerksbetrieb 'reinschnuppern lassen könnte, wollte Dr. Schneider vom Xantener AK Asyl wissen. "Wir finden keinen Betrieb, der das machen würde", sind sich Günter Bode und Josef Lettgen sicher. Und auch wenn sich nicht jeder Flüchtling für eine Ausbildung eignet: "In den Handwerksbetrieben werden keine so genannten Hilfsarbeiter beschäftigt", so Bode.

Auch für Guido Lohmann, Vorstand der Volksbank Niederrhein, der dem Arbeitskreis Asyl Xanten und der Flüchtlingshilfe Alpen die Unterstützung des Kreditinstitutes anbot, hat die gemeinsam Initiative das Potenzial einer echten Win-Win-Situation. "Mit dem erweiterten Angebot im Dialog für die Ausbildung wollen wir Integration fördern und gleichzeitig zur Sicherung des Fachkräftenachwuchses im heimischen Handwerk beitragen".

Wichtig sei es, die schulischen und beruflichen Kompetenzen der Flüchtlinge frühzeitig festzustellen. Und der Bildungsgrad ist breitgefächert, geht, so Dr. Schneider, "vom Analphabeten bis zum Promovierten, von Menschen ohne Fremdsprachen-Kenntnissen bis hin zum Migranten, der in seiner Heimat als Lehrer Fremdsprachen unterrichtete".

Quelle: RP
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