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Wesel
Harald Lenßen siegt in Neukirchen-Vluyn

Wesel. Der Amtsinhaber wird mit einer überraschend deutlichen Mehrheit von 59,24 Prozent für eine zweite Amtszeit gewählt. SPD-Herausforderer Jochen Gottke zeigt sich überrascht und enttäuscht. Von Josef Pogorzalek

Wer bis dahin nicht gewusst hatte, wie ein strahlender Sieger aussieht, hat gestern Abend im Neukirchen-Vluyner Ratssaal etwas dazugelernt: Als solcher stand Harald Lenßen dort gestern kurz vor 19 Uhr und ließ sich feiern. 59,24 Prozent der Stimmen holte der CDU-Bürgermeisterkandidat, sein SPD-Herausforderer Jochen Gottke kam auf 40,76 Prozent. Lediglich in zwei von 22 Stimmbezirken hatte der Sozialdemokrat die Nase vorn: Rathaus Bürgerbüro, wo er 53,39 Prozent holte und Friedensreich- Hundertwasser-Schule wo er mit 54,7 Prozent vorne lag. "Ein grandioser Sieg", freute sich Lenßen schließlich m Ende, während Gottke nach knapper Gratulation den Saal nicht schnell genug verlassen konnte.

Als strahlender Sieger wurde Lenßen bereits von vielen bejubelt, als er gegen 18.40 Uhr mit seiner Familie in den Saal kam, wo Ordnungsamtsleiter Roberto Sonfeld die Ergebnisse aus den Stimmbezirken präsentierte. Glückwünsche lehnte Lenßen zu diesem Zeitpunkt allerdings noch ab. Umso lieber ließ er später beklatschen. "Neukirchen-Vluyn kommt voran", sagte er in einer kleinen Ansprache nach feststehendem Sieg, den Slogan aufgreifend, der auf seinen Wahlplakaten zu lesen war. Lenßen dankte seiner Familie, allen voran der Ehefrau Sabine ("Ich werde wieder öfter zu Hause und ausgeglichener sein", versprach er) und seinem Wahlkampfteam rund um den CDU-Vorsitzenden Heiko Haatz - "eine tolle Mannschaft!"

Mit einem so deutlichen Sieg - für welchen Kandidaten auch immer - hatte niemand gerechnet. "Ich hatte mir erhofft, zehn Prozent vor Jochen Gottke zu liegen", sagte Lenßen im Gespräch mit unserer Zeitung. Dass es sogar 20 Prozent geworden sind, werde ihm "Kraft und Rückenwind" für die kommenden Aufgaben geben. Als Herausforderungen nannte Lenßen die Flüchtlingsproblematik, die Baumaßnahmen am Schulzentrum, die Entwicklung des Dorfs Neukirchen und - eine "Dauerbaustelle" - den Haushalt. Das deutliche Ergebnis werde es ihm einfacher machen, die Verwaltung zu führen, sagte Lenßen. Und er äußerte die Zuversicht, dass auch die politische Arbeit im Rat aufgrund der nun "klaren politischen Verhältnisse" einfacher werde. Lenßen ging davon aus, dass die CDU-Fraktion mit dem Angebot zu einer Kooperation auf andere Fraktionen zugehen werde. Als Kandidat kämen am ehesten die Bündnisgrünen in Betracht, mit denen die CDU schon früher zusammengearbeitet habe. Eine "Große Koalition" mit der SPD im Rat konnte sich der Bürgermeister nach den Erfahrungen der vergangenen Monate nicht vorstellen. "Es sei denn, die SPD erfindet sich neu." Auch CDU-Fraktionschef Markus Nacke äußerte gegenüber der Presse die Hoffnung, dass sich "die eine oder andere Fraktion im Rat" nun zu einer Zusammenarbeit mit der CDU durchringen kann.

Ob sich die SPD "neu erfindet" werde die kommenden Wochen zeigen. Man wolle die Zeit bis zur Vereidigung des neuen alten Bürgermeisters Harald Lenßen nutzen, um das Wahlergebnis zu analysieren, sagte Jochen Gottke. Er selbst zeigte sich von seiner deutlichen Niederlage überrascht. "Insgesamt hatte ich ein gutes Gefühl", sagte er. Aber das Ergebnis zeige: "Unsere Kampagne hat nicht verfangen. Die Leute wollten Kontinuität, und die haben sie bekommen. " Ob das SPD-Konzept falsch war oder der Kandidat, das werde sich zeigen müssen. Über seine Zukunft spekulieren, zum Beispiel die Frage, ob er SPD-Fraktionschef bleibt, wollte Gottke gestern Abend noch nicht. "Ich muss eine Nacht darüber schlafen. Zu den Aussichten, in fünf Jahren erneut für das Bürgermeister zu kandidieren, ließ sich Gottke, der bereits 2009 gegen Lenßen den Kürzeren gezogen hatte, allerdings schon ziemlich deutlich ein: "Ich bin jetzt 55, ob ich als 60-Jähriger erstmals ins Bürgermeisteramt möchte, ich weiß nicht . . ."

Quelle: RP
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