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Rp-Serie Hinter Den Kulissen
Hegmann macht Schwertransporte leicht

Rp-Serie Hinter Den Kulissen: Hegmann macht Schwertransporte leicht
Nur wenige Meter vom Schwerlast-Terminal Niederrhein entfernt entsteht eine Kaimauer. FOTO: Klaus Nikolei
Wesel. Im Rhein-Lippe-Hafen entsteht bis zum Herbst für neun Millionen Euro eine Kaimauer, die die Hegmann Transit GmbH & Co. KG dringend benötigt. Denn sie wird dort tonnenschwere Anlagen und Maschinen auf Binnenschiffe laden. Von Klaus Nikolei

WESEL Wer in Wesel auf der B 8 Richtung Friedrichsfeld unterwegs ist, und vor dem Restaurant Lippeschlößchen seinen Blick nach rechts über die verlegte Lippe schweifen lässt, erblickt in der Ferne eine riesige Halle in knalligem Enzianblau. Kaum jemand in der Kreisstadt weiß, was sich dort hinter der Fassade der Firma Hegmann Transit GmbH & Co. KG verbirgt, die hier seit dem Frühjahr 2015 ihren Schwerlast-Terminal Niederrhein betreibt.

Unsere Redaktion, die kürzlich beim offiziellen ersten Rammschlag für die neun Millionen Euro teure Kaimauer am nördlichen Ufer des Rhein-Lippe-Hafens einen kurzen Blick in die Lagerhalle werfen konnte, wollte mehr über das Unternehmen erfahren - und hat Firmenchef Georg Tietz um ein Gespräch gebeten. Zum Ortstermin hat der Spross einer traditionsreichen Sonsbecker Unternehmerfamilie unter anderem einen seiner beiden Söhne und die Söhne seines vor wenigen Monaten verstorbenen Bruders Joachim Tietz mitgebracht. "Schließlich sind wir ein Familienunternehmen, in dem mittlerweile auch die vierte Generation tätig ist", sagt Georg Tietz und reicht seinem Gast einen Schutzhelm. Der ist beim Betreten der gigantisch großen Halle Pflicht.

Auf einer Fläche von 15.000 Quadratmetern (das entspricht der Größe von gut zwei Fußballfeldern) stehen - meist gut mit Folie verschweißte - Konstruktionsungetüme. Darunter Getriebe im XXL-Format, verschiedene Maschinen und Anlagenteilen, die am Niederrhein oder im Ruhrgebiet gefertigt wurden. Hier bei Hegmann werden sie gelagert und auf Kundenwunsch an den Bestimmungsort transportiert. Dafür stehen spezielle Transporter zur Verfügung, die fast alle nur nachts und mit Begleitfahrzeugen unterwegs sind. "Wir haben diese Spezialauflieger, die bis zu 80 Metern lang sein können, nach unseren Vorstellungen anfertigen lassen", erklärt Georg Tietz. Und auch die Zugmaschine von Mercedes ist nicht von der Stange, sondern ebenfalls eine Sonderanfertigung mit einem mehr als 600 PS starken Motor. Der ist auch nötig, um beispielsweise Regionalzug-Rohlinge für die Bahn in Österreich transportieren zu können.

Sagenhaft stark sind auch die Kräne, die in den drei Hallen-Bereichen unterhalb der Dächer auf Schienen laufen. Der Größte, der nach Fertigstellung der Kaimauer im dritten Quartal 2017 auch außerhalb der Halle zum Einsatz kommt, kann Lasten bis zu 160 Tonnen heben.

Dass die riesigen Hegmann-Spezialauflieger in Wesel noch nicht gesichtet wurden, hängt damit zusammen, dass sie nicht über alle Straßen fahren können. "Wir hoffen, dass die Südumgehung so bald wie möglich kommt", sagt Georg Tietz, "Denn dann können wir uns einen riesigen Umweg sparen." Was er damit meint: Vom Firmensitz in Sonsbeck bis in den Rhein-Lippe-Hafen sind es mit einem normalen Fahrzeug etwas mehr als 20 Kilometer. Doch weil der Anschluss an die Rheinbrücke viel zu eng ist für die Hegmann-Schwertransporter, müssen diese derzeit noch über die Düsseldorfer Flughafenbrücke fahren. Dabei legen die Fahrer eine Strecke von 95 Kilometern zurück.

Der Schwerlast-Terminal mit seinen acht Mitarbeitern ist übrigens nicht die einzige Dependance. In Wuppertal gibt es eine weitere Zweigstelle (drei Mitarbeiter), die auf den Transport von Stückgütern spezialisiert ist. Insgesamt stehen bei Hegmann 75 Mitarbeiter auf der Gehaltsliste. Darunter, und darauf ist Familie Tietz besonders stolz, sind viele, die dem Unternehmen seit 30, 40 und noch mehr Jahren die Treue halten.

Auf die Frage, was das Unternehmen bewogen hat, auf der rechten Rheinseite zwölf Millionen Euro zu investieren, sagt Georg Tietz, dass "in unserem Land die Infrastruktur einbricht. Weil viele Autobahnbrücken marode sind, können wir unserer Hauptaufgabe, dem Transport von Gütern ab 40 Tonnen, nicht mehr gerecht werden. Also müssen immer mehr Schwerlastgüter mit Schiffen transportiert werden." Verstärkt sollen also künftig Anlagen und Maschinen im Rhein-Lippe-Hafen umgeschlagen werden. Die Entscheidung, dort zu investieren, hat Georg Tietz nicht bereut. Im Gegenteil. "Das hat alles hervorragend funktioniert, die Entscheidung war richtig. Und seit November 2015 sind wir praktisch ausgebucht."

Quelle: RP
 
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