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Wesel
Heimat als Thema für Grafitti

Wesel: Heimat als Thema für Grafitti
FOTO: Erwin Pottgiesser
Wesel. Kinderkulturnacht im Jugendzentrum Karo. Es ging um Kreativität und die Auseinandersetzung mit der eigenen Identität. Oft aber auch einfach nur um die Freude am Basteln und Malen. Lesungen im Café Fehr.

18 Kinder, bewaffnet mit Sprühdosen vor einer extra weiß getünchten Mauer - so startete im Jugendzentrum Karo bereits am Samstagvormittag die "2. Kinderkulturnacht". Angeboten wurde ein Grafitti-Workshop. Doch bevor es losging, stand zunächst die Planung auf dem Programm: "Wir haben erst einmal fleißig gezeichnet", erklärte Grafitti-Künstler Marten Damilot, der seit 15 Jahren solche Workshops anbietet und als Jugendlicher selbst seine ersten Sprühversuche im Karo unternahm.

Dabei entstand zunächst ein gemeinsames Thema: "Heimat". Oder auch "Home" oder "Shtepia" - diese Worte, künstlerisch auf die Wand gebracht, dokumentieren, was die Jugendlichen für ihr Jugendzentrum empfinden. "Wir sind eine ganz bunte Mischung und kommen aus verschiedenen Ländern: Albanien, Kosovo, Syrien und Deutschland", erläutert die zwölfjährige Kathrin den Grund, warum man sich verschiedener Sprachen bedient hat.

Auch im Scala-Kulturspielhaus wurden Kinder zur Kreativität animiert. Ab 14 Uhr konnte hier an gleich drei Ständen gebastelt werden, und gleich zu Beginn gab es einen wahren Ansturm. Moderne Ketten oder Broschen aus Moosgummi, mit Acrylfarbe bemalt, mit Fäden umwickelt oder Steinchen beklebt - dieses Angebot zog vor allem kleine Mädchen schnell in seinen Bann. Das Highlight für viele von ihnen: ein selbst gebastelter Rock. "Das ist der einfachste Rock, den man machen kann", erläuterte Maren Flack (30), die den Stand mit ihrer Schwester Daria (26) betreute. Denn hier werden nur Tüllstreifen an ein Gummiband geknotet, Verletzungsgefahr gleich null - somit ideal für die Kernzielgruppe zwischen vier und neun Jahren.

Ebenfalls um Farbe ging es in der Restaurationswerkstatt des Stadtarchivs. Unter der Anleitung von Restauratorin Gisela Wächter konnten Kinder der Kunst des Papiermarmorierens frönen. Einfacher Vorgang, maximaler Spaß: In ein Becken mit Kleister wird Ölfarbe getropft. Sie schwimmt oben und kann mit einem Holzstäbchen zu Mustern verwirbelt werden. Anschließend wird ein großes Blatt aufgelegt, abgezogen, der Kleister abgewaschen und voilà: ein farbenfrohes Muster ist auf Papier gebannt.

Parallel startete ab 17 Uhr der Markt der Künste auf dem Vorplatz der Zitadelle und läutete so die 14. Weseler Kulturnacht ein. Zwischen Bildern, Skulpturen und Gartendekorationen aus Holz, Glas und Metall, fiel vor allem ein Künstler besonders auf: Fabian Yan. "3D-Origami" nennt sich die Form der Faltkunst, die der 20-jährige Student nur hobbymäßig, aber dennoch in Perfektion betreibt. Dabei werden viele kleine Papierdreiecke gefaltet und anschließend zu aufwändigen Werkstücken zusammen gesteckt. Kleber ist dabei unglaublicherweise nicht im Spiel. Das arbeitsintensivste Stück an seinem Tisch war ein Pfau, dessen Fertigstellung rund viereinhalb Monate gedauert hat.

Im Café Fehr war es ruhiger, denn hier gab es Lesungen. Auf besonderes Interesse stieß der Vortrag "Zeitlinien" des Autorenkollektivs "Welt-Weide". In die Geschichte der Stadt Wesel hatten die Autoren ihre eigenen Lebensgeschichten eingeflochten, sodass Ereignisse wie die Einweihung der Autobahn, die Eingemeindung von Flüren und Lackhausen oder die Eröffnung des Kaufhofs in direktem Kontrast zu persönlichen Erlebnissen wie Geburt oder Einschulung standen.

(meko)
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