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Wesel
Historische Vereinigung schenkt Stadt Tafelsilber

Wesel: Historische Vereinigung schenkt Stadt Tafelsilber
Zu den schönsten Stücken gehört eine Zuckerdose mit Schloss. FOTO: Nikolei
Wesel. Durch den Ankauf von 21 historischen Stücken ist der Weseler Silberschatz noch größer geworden. Zu sehen sind sie im Centrum. Von Klaus Nikolei

Wer in diesen Tagen im Centrum an der Ritterstraße vorbei kommt, um Karten an der Theaterkasse zu kaufen oder in der Stadtbücherei Medien auszuleihen, sollte sich unbedingt ein paar Minuten Zeit nehmen, um einen Blick auf einige glänzende Kostbarkeiten zu werfen. Denn im Foyer des Centrums sind in einer geschmackvoll dekorierten Vitrine unter anderem mehrere kunstvoll geschmiedete Gabeln, Löffel, eine Suppenkelle, eine fein gearbeitete Zuckerdose mit Schloss sowie eine Kaffeekanne mit einem Knauf und einem Griff aus Ebenholz zu bestaunen.

Bürgermeisterin Ulrike Westkamp (l.) bedankte sich bei den Mitgliedern der Historischen Vereinigung und mehreren Spenden für ihr Engagement. FOTO: PR

Bis auf die Kaffeekanne sind die historischen Kulturgüter aus dem 17. und 18. Jahrhundert kürzlich in den Besitz der Historischen Vereinigung Wesel übergegangen. Ein im Ruhrgebiet lebender Sammler hatte das Konvolut, das über die Jahrhunderte in Wesel hergestellt und von der großen Tradition des Handwerks in der Hansestadt Zeugnis ablegt, der Kulturverwaltung angeboten. Und weil der Stadt nur ein äußerst begrenztes Budget für die Anschaffung von Kunst zur Verfügung steht, startete die Historische Vereinigung Wesel im Dezember 2016 eine letztlich überaus erfolgreiche Sammelaktion. Innerhalb von wenigen Monaten kamen gut 20.000 Euro zusammen. Und weil die Stadt noch ein paar Tausend Euro drauf legen konnte, wechselte der Silberschatz kürzlich für 25.500 Euro den Besitzer.

Einen großen Anteil daran, dass Wesel seine Silbersammlung in der Schatzkammer des Städtischen Musuems um die besagten 21 wertvollen Stücke erweitern konnte, hat Jürgen Becks. Der ehemalige Kulturbeauftragte hatte im Sommer 2016 auf Wunsch seiner Nachfolgerin, Heike Kemper, in seiner neuen Funktion als Vorsitzender der Historischen Vereinigung Kontakt mit dem verkaufswilligen Anbieter aus dem Ruhrgebiet aufgenommen. "Er kam im September mit einer großen Kiste zu mir nach Hause, wo ich dann am Tisch alle Objekte in Augenschein genommen habe", erklärte Beck gestern bei der offiziellen Vorstellung des Schatzes im Centrum. Ein dickes Lob für seine Arbeit erhielt Becks von seiner ehemaligen Chefin, Bürgermeisterin Ulrike Westkamp: "Er hat als absoluter Fachmann schon viele Silberschätze für die Stadt zusammengetragen." Zum Teil auch für kleines Geld. Bei Ebay im Internet, so erzählte Becks am Rande des Termins, "habe ich schon mal vor Jahren Weseler Silber vergleichsweise günstig gekauft, das viele Tausend Euro mehr Wert ist".

Lobende Worte fand gestern übrigens auch Werner Köhler, der Geschäftsführer der Historischen Vereinigung, für die zahlreich zum Termin erschienenen Sponsoren. Die Spendensammelaktion sei wieder ein gutes Beispiel dafür gewesen, "dass die Weseler kulturellen Projekten - beispielsweise der Historischen Rathausfassade oder dem Stadtmodell am Berliner Tor - durchaus aufgeschlossen sind. Allerdings ist jetzt irgendwo das Ende der Fahnenstange erreicht. Wir jedenfalls werden uns mit Spendenaufrufen demnächst zurückhalten", so Köhler.

Aus der Schar der vielen privaten Spender wurde Hanne Buschmann hervorgehoben. Die Kulturberichterstatterin der RP hatte alle Geldgeschenke zu ihrem 90. Geburtstag der Historischen Vereinigung zur Finanzierung des Silberankaufs zur Verfügung gestellt.

Froh, ebenfalls einen Beitrag geleistet zu haben, dass Wesel Tafelsilber kaufen konnte, während andere Kommunen ihr "Tafelsilber" verscherbeln müssen, ist unter anderem Jan Ridder (Möbeltransport Ridder). Zwar habe er mit Silber eigentlich nichts zu tun ("Alle Silberlöffel haben wohl meine Schwestern"), doch mit zunehmendem Alter, "habe ich einen ganz besonderen Bezug zu meiner Heimatstadt entwickelt". Die Liebe zu Wesel trägt Ingo Egerland (Provinzial) schon immer in sich. Aus diesem Grund "habe ich auch kein Problem, das Portemonnaie zu zücken, wenn der Ankauf identitätsstiftender Kulturgüter möglich ist. Da muss man zugreifen, auch wenn's wehtut."

Quelle: RP
 
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