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Gesamtschule in Hamminkeln
Hitlerrufe - was die Stadt wann wusste

"Hitler"-Rufe an Gesamtschule in Hamminkeln: Was die Stadt wann wusste
Blick auf den Schulhof der Gesamtschule Hamminkeln (Archivbild). FOTO: Thomas Hesse
Hamminkeln. An der Gesamtschule in Hamminkeln soll es Hitlerrufe gegeben haben. Ein unserer Redaktion vorliegendes Protokoll der Stadtverwaltung zeigt: Die Vorwürfe standen seit Mitte Oktober im Raum, Schule und Stadt sind sensibilisiert. Von Sebastian Peters

Die mutmaßlichen Hitlerrufe an der Gesamtschule Hamminkeln sorgen weiter für Wirbel. Im sozialen Netzwerk Facebook wird der Fall diskutiert, über den auch unsere Redaktion berichtet hatte. Eine Schülerin der Realschule hatte im Netz mitgeteilt, dass eine Gruppe Jugendlicher "Hitler" gerufen habe. Auf Anfrage konkretisierte sie, dass es 20 bis 30 Personen auf dem Schulhof gewesen seien. Drei weitere Schüler gibt es als Zeugen.

Am vergangenen Freitag hatte die Gesamtschulleiterin Anette Schmücker bei einem Pressegespräch mitgeteilt, keine Kenntnis von den Vorwürfen zu haben. Für Irritationen sorgt in dem Zusammenhang, dass die Stadtverwaltung selbst eine Meldung beim Staatsschutz in Duisburg veranlasst hat. Würde die Stadt dies tun, ohne dass parallel auch die Schule informiert wird? Welche Kenntnisse hatte die Gesamtschule tatsächlich von dem Vorfall?

Anette Schmücker ist Schulleiterin der Gesamtschule in Hamminkeln. FOTO: Bauch, Malz

Unsere Redaktion fragte am Dienstag bei Bürgermeister Bernd Romanski (SPD) in Hamminkeln nach. Der ließ den Fall behördenintern rekonstruieren. Das Protokoll wirft ein neues Licht auf diesen Fall. Demnach sind die Hamminkelner Stadtverwaltung und die Schule sehr wohl im Dialog wegen rechter Umtriebe im Umfeld der Schule. Allerdings sind es bisher nur Einzelfälle. Nicht abzusprechen ist auch das Bemühen um Aufklärung.

Die Chronik der Fälle im Detail

Am 12. Oktober 2017 wurde der Stadt Hamminkeln durch eine journalistische Anfrage gemeldet, dass an der städtischen Gesamtschule 20 bis 30 Schüler "Heil Hitler" rufend und entsprechend salutierend aufgetreten waren - während einer Pause. Weiterhin würden unter Schülern Kettenbriefe kursieren, die in Emoji-Form das Gesicht Adolf Hitlers sowie ein stilisiertes Hakenkreuz zeigen. In der Jugendsprache ist von "hitlern" die Rede, wenn man jemand anderem diese Whatsapp-Nachricht sendet. Eine Schülerin der Realschule Hamminkeln hatte diese Fälle bei Facebook öffentlich gemacht. Die Stadtverwaltung erhielt durch die Presseanfrage erstmals Kenntnis von den Vorwürfen. Konkrete Namen von Tätern wurden Bürgermeister Bernd Romanski aber nicht genannt.

Bernd Romanski ist Bürgermeister in Hamminkeln. Eine starke rechte Szene gebe es dort nicht, sagt er. FOTO: Malz Ekkehart

Die Hamminkelner Stadtverwaltung nimmt noch am gleichen Tag Kontakt mit der Gesamtschule auf. Die Schulleiterin teilt laut Protokoll der Stadtverwaltung mit, dass es in der Vergangenheit "vereinzelt Probleme mit Schülern und rechtslastigen Äußerungen gegeben" habe, aber ein Auftreten einer größeren Gruppe auf dem Schulhof ihr nicht bekannt sei. Auch von den Kettenbriefen habe sie keine Kenntnis. Verabredet wird, dass in einer Lehrerfortbildung über das Thema gesprochen wird.

Einen Tag später schon berichtet die Schulleiterin der Stadtverwaltung, dass sich ein Schüler in der Klasse rechtsradikal geäußert habe. Der Schüler sei vor einem Jahr an die Schule gekommen und sei verhaltensauffällig. Das Ordnungsamt meldet den Fall der Polizei, die ihn an den Staatsschutz weiterreicht, so Romanski.

Schulleiter und Sozialarbeiter informiert

Am 16. Oktober meldet sich auch der Schulleiter der Realschule, zu dem die Stadtverwaltung ebenfalls Kontakt aufgenommen hatte. Er hatte ebenfalls keine Kenntnisse von den Vorfällen, hat aber mit der Schülerin Kontakt aufgenommen. Auch der Schulsozialarbeiter wird einen Tag später informiert. Das Protokoll zeigt: Die Kommunikationswege funktionieren - der Schule und der Verwaltung waren die über Facebook kursierenden Vorfälle aber auch frühzeitig bekannt.

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Wie geht es weiter? Der Staatsschutz teilte am Dienstag auf Anfrage mit, weiter zu ermitteln. Er bestätigte den Eingang einer Anzeige. Auch sei der Fall von der Kirmes in Bearbeitung, bei dem ein Rechtsextremer einen anderen Kirmesbesucher verprügelt haben soll. Daniela Krasch, Sprecherin der Polizei, teilte mit, dass dem Staatsschutz einzelne Vorfälle mit Rechtsextremen in Hamminkeln bekannt seien, es aber keine wirkliche Szene gebe. Man werde dies im Auge behalten.

Quelle: RP
 
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