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Hochwasser in Hamminkeln
Erst bricht der Deich, dann nicht, dann doch

Issel in Hamminkeln überschwemmt Garten und Felder
Issel in Hamminkeln überschwemmt Garten und Felder FOTO: Klaus Nikolei
Hamminkeln. Hält der Deich in Hamminkeln nun oder nicht? Seit Donnerstag gibt es immer neue widersprüchliche Meldungen aus dem Hochwassergebiet. Die Lage ist unübersichtlich - und die Kommunikation zwischen Krisenstab und Einsatzkräften nicht immer optimal. Von Christina Rentmeister und Klaus Nikolei

Der neueste Stand zuerst: Nachdem der Deich an der Issel in den Wohngebieten Hamminkelns in der Nacht gehalten und sich die Hochwasserlage entspannt hatte, konnte er im Stadtteil Brünen dem Druck nicht mehr standhalten. Häuser sind nach Auskunft des Krisenstabs nicht von der Überschwemmung betroffen. Die Feuerwehr sei auf dem Weg in das sehr ländliche Gebiet. Wie der Krisenstab des Kreises Wesel mitteilte, sollen 190 Feuerwehrleute den Deich wieder abdichten. Oder auch nicht. 

Issel überflutet Felder und einen Garten

Denn unser Reporter erfuhr, dass sich Einsatzkräfte der Feuerwehr Voerde am Freitagmittag ein Bild von der Situation gemacht hatten und dem Krisenstab meldeten, dass "keine Gefahr in Verzug" sei. Daher würde der Deich vorerst auch nicht mit Sandsäcken aufgefüllt werden. Aktuell sind keine Einsatzkräfte vor Ort. Bislang hat der Krisenstab die Zahl der angekündigten Einsatzkräfte noch nicht korrigiert. 

Ein Anwohner hatte den Dammbruch bereits am Donnerstag um 16.30 Uhr der Feuerwehr in Hamminkeln gemeldet. Wilhelm Schröder hatte festgestellt, dass sein Garten überflutet war, genau wie die davor liegenden Felder. Das Wasser stand etwa 30 Zentimeter hoch, bis zum Wohnhaus drang es nicht vor. Die Feuerwehr hätte zwar zugesagt, zu kommen, habe dann aber wohl durch die Hochwasserlage direkt in Hamminkeln keine Kapazität gehabt, sagte der 71-Jährige.

Der Pegel der Issel ist inzwischen weiter gesunken, so dass kaum noch Wasser durch den Deichbruch fließt. Derzeit liegt der Wasserstand an der Messstelle Daemmerwald bei 80 Zentimetern.

Verwirrung um Deichbruch am Donnerstag

Bereits am Donnerstagabend hatte es Verwirrung über eine weitere gebrochene Stelle auf Höhe des A3-Parkplatzes bei Hamminkeln gegeben. Feuerwehr und Bürgermeister hatten beim Besuch von NRW-Innenminister Ralf Jäger am späten Donnerstagnachmittag von einer gebrochenen Stelle an der Krone des Damms gesprochen, durch die das Wasser der Issel auf eine Wiese Richtung A3 fließe. Der Krisenstab hingegen hatte dies später dementiert. Sein Sprecher betonte noch am Freitagmorgen: "Der Deich ist definitiv nicht gebrochen." Es habe sich lediglich viel Wasser auf der Wiese hinter dem Deich angesammelt.

Inzwischen bestätigte der Krisenstab allerdings, dass auch an dieser Stelle der Deich gebrochen sei. Eine Informationspanne zwischen Feuerwehr und Krisenstab habe zu den unterschiedlichen Meldungen geführt. Gut ist: Auf die Arbeit der Helfer hatte das keinen Einfluss. Die Feuerwehr schätzte den kleinen Bruch als ungefährlich ein, da das Wasser in unbewohntes Gebiet floss und die Autobahn ebenfalls weit genug entfernt liegt.

Und dann gibt es noch eine Experten-Meinung: An beiden Stellen ist der Deich nicht im klassischen Sinne gebrochen, sondern die Deichkronen sind abgebrochen, sagte ein Feuerwehrsprecher.

Wasser wird in Weikensee gepumpt

Derzeit wird Wasser aus der Issel in den Weikensee gepumpt, um die Deiche zu entlasten. So sollen weitere Brüche verhindert werden. Außerdem sind weiter Hunderte Feuerwehrleute und Helfer im Einsatz, um die beschädigten Stellen im Deich zu sichern. Zudem hat das Hochwasser einige Gastanks im Bereich Wertherbruch freigeschwemmt, sagt der Hamminkelner Bürgermeister. Von denen gehe zwar keine Gefahr aus, sie müssten aber gesichert werden.

Bisher wurden 68.000 Sandsäcke an der Issel in Hamminkeln verbaut. 35.000 weitere liegen für den Notfall bereit. Aktuell hoffen die Einsatzkräfte vor allem, dass die Stadt vom nächsten Unwetter verschont bleiben. Denn auch für den Freitag und das weitere Wochenende sagt der Deutsche Wetterdienst starken Regen voraus. Wo dieser fällt, ist aber noch unklar.

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