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Hamminkeln
Hochwasserschutzkonzept kommt Ende 2016

Hamminkeln: Hochwasserschutzkonzept kommt Ende 2016
Ein Ingenieurbüro hatte die optimale Stelle für den Deichdurchstich berechnet, der die Issel entlastete. FOTO: Christoph Reichwein
Hamminkeln. Im Betriebsausschuss wurde klar, dass seit fast 20 Jahren Stillstand beim Schutz gegen Issel-Fluten herrscht. Nötige Maßnahmen sind erkannt und sollen unter dem Eindruck der Geschehnisse zügig realisiert werden. Von Thomas Hesse

Noch steht Wasser in einigen Kellern rund um die Issel. In Mehrhoog beispielsweise pumpen etliche Hausbesitzer immer noch täglich, weil das hochstehende Grundwasser drückt. Auch Ringenberg pumpt und pumpt. Das zweite Jahrhundert-Hochwasser nach 1998 - seitdem herrscht de facto Stillstand - zwingt zur Debatte um die drängende Frage, wie man mit dem Hochwasserschutz umgeht und wann konkrete Pläne umgesetzt werden. Die Lage ist zwar unübersichtlich, denn die komplexen Strukturen von ehrenamtlich geführten Isselverbänden und Oberbehörden wie Kreis Wesel und Bezirksregierung Düsseldorf verkomplizieren Beschlüsse. Nachdem das Thema am Mittwoch im Kreis-Umweltausschuss behandelt worden war, wurde gestern im Hamminkelner Betriebsausschuss debattiert. Michael Fastring von der Unteren Wasserbehörde kam in den Ratssaal. Ergebnis: Ein Hochwasserkonzept soll Ende 2016 vorliegen - als Entwurf. Wann die Schwachstellen beseitigt sind, ist unklar. Politik und Verwaltung machten deutlich, dass sie die Eindrücke der bedrohlichen Geschehnisse nutzen wollen, um Maßnahmen umzusetzen. Bevor alles vergessen ist.

Vor Jahren ging es um das Isselauenkonzept. Das aber war im fernen Düsseldorf ersonnen worden, in Loikum etwa hagelte es Proteste, auch weil Planungsangaben nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmten. Seit dem 6. November 2015 wird das Hochwasserschutzkonzept Issel durch das Ingenieurbüro Pro Aqua in Zusammenarbeit mit den Kreisen Wesel und Borken, dem Isselverband und den Anrainer-Kommunen erstellt. Die Fachleute haben in der Theorie gut gerechnet. Beim aktuellen Hochwasser begutachteten sie in natura, dass das Wasser tatsächlich so floss wie prognostiziert. In Hamminkeln wurde das genutzt, als die Stellen für die Dammdurchstiche gesucht und gefunden wurden. Auch vorhandene Karten halfen.

Fraglich ist nur, wie der Hochwasserschutz ausfällt. Nach den Sommerferien wird die Bezirksregierung Düsseldorf federführend für das Projekt Issel sein, nicht mehr der Kreis. Diese favorisiert die Schaffung von Retentionsräumen mit ökologischer Aufwertung, was mit höheren Fördergeldsätzen honoriert wird. Aus Hamminkeln kommt die Forderung nach einer Polder-Lösung - sprich: Mulden auf landwirtschaftlichem Gebiet für Millionen Kubikmeter Wasser zu schaffen (RP berichtete), die frühzeitig Fluten auffangen. Zwei Polder sind angedacht, einer namens Polder Bramhorst an der Landratsbrücke zwischen Blumenkamp und Hamminkeln. Ein anderer könnte zwischen Hamminkeln und Brünen entstehen. Vorteil der Polder ist es, Wasser so lange zurückzuhalten, bis auch die Grundwasserstände sich wieder normalisiert haben. Ökologisch muss das nicht sein.

In Marienthal soll zudem die Issel geteilt werden, um den engen Dorfdurchfluss zu entschärfen. Fastring bestätigte, dass der Kreis diese Vorhaben richtig findet. Die Landwirte sind bereit, Flächen zur Verfügung zu stellen. Fraglich ist jetzt, ob dies gelingt, wenn ökologische Maßnahmen draufgesattelt werden.

Eine Fachkonferenz mit Nordrhein-Westfalens Regierungspräsidentin Anne Lütkes soll am 6. Juli im Kreishaus einen Maßnahmenkatalog besprechen.

Quelle: RP
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